Autor Thema: 10-jährige Prüfung nicht bestanden.. KKS-Anlage  (Gelesen 52733 mal)

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Offline Gutachtinator

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Re: 10-jährige Prüfung nicht bestanden.. KKS-Anlage
« Antwort #60 am: 06. November 2017, 17:15:45 »
TÜV-SV hat eigentlich alles ausfürlich erläutert, aber als kleine Ergänzung:

1. Es wird ein Behälter mit einer riesigen Menge hochexplosiven Gases im Garten vergraben. Dieser Behälter unterliegt Gesetzen und Vorschriften. Hier sind es im Besonderen die Betriebssicherheitsverordnung (über die Feurerungsverordnungen der Länder oder die jeweilige Bauordnung gilt diese bei einer so gefährlichen Anlage auch für Privatpersonen), die Gefahrstoffverordnung, das Produktsicherheitsgesetz und als Technische Regeln die TRBS und die TRGS. Diese sind einzuhalten und für jedermann zugänglich. Jeder der eine solche Anlage betreibt muß sich über seine Pflichten informieren.

2. Auf Druck der Industrie und der Verbände sind sowohl im Gesetz, als auch in den Technischen Regeln die niedrigsten möglichen Anforderungen festgeschrieben worden. Für Flüssiggas gibt es mehr Ausnahmen als für jede andere überwachungsbedürftige Anlagenart.

3. ESM und SEP sind bereits günstige und schnelle "Ersatzprüfungen" für die normalerweise erforderlichen Prüfungen.

4. Stand der Technik wären eigentlich doppelwandige Behälter mit Leckageüberwachung, wie z.B. bei Benzintanks seit Jahrzehnten Standard. Die Behälter wären nur ca. 30 % teurer als einwandige Behälter. Die wiederkehrende Prüfung wäre eine Überprüfung des Warngeräts und eine Prüfung des Sicherheitsventils und für einen Bruchteil der aktuellen Prüfkosten abzuleisten. Man spart also am falschen Ende und verschenkt riesige Sicherheitsvorteile. Aber der Markt (ihr) und die Industrie will das so haben.

5. Die Verantwortung für den sicheren Betrieb hat der Betreiber. Kein TÜV keine DEKRA, keine GTÜ und auch keine Behörde. Knallt es, muß der Betreiber nachweisen, dass er alle rechtlich und technisch vorgeschriebenen Anforderungen erfüllt hat.

6. Knallt es bei Flüssiggas, dann knallt es richtig. Sucht mal unter "Flüssiggas Explosion" oder "LPG Explosion" oder "Bleve". Vor wenigen Jahren gab es mal 6 Tote bei einer Explosion......und da waren Fachleute bei der Arbeit. Kommt also bitte nicht auf die gefährliche Idee, auch nur irgendetwas selber an der Anlage rumzuschrauben.

7. Ein Hersteller verschmiert einen Beschichtungswerkstoff, der seine Funktion bei Feuchtigkeit verliert und das Prüfverfahren, welches den Pfusch aufdeckt wird hier diskreditiert. Ebenso wird das notdürftige Gesundbeten durch KKS dann noch als Schikane aufgefasst?
Eigentlich ist das ein Fall für die Marktaufsicht und die Behälter gehören alle ausgetauscht, bzw. repariert, analog zu Autos mit Schummelsoftware.
Seid doch froh, dass der Pfusch festgestellt wurde und schlimmeres verhütet wurde. Dazu sind diese Prüfungen da. Ich will die sehen, die hier rumjammern, wenn so ein Behälter leck geht und das Gas sich durch das Erdreich zum Keller durcharbeitet. Beim nächsten Lichteinschalten geht dann manchem mehr als nur ein Licht auf.

.....solange nichts passiert ist das alles ja nur Schikane und Geldmacherei. Wenn dann etwas passiert, wird nachgefragt warum nicht schärfer, besser und häufiger geprüft wurde und die Schuld bei jemand anderem gesucht. Das ist mit der BetrSichV aber erledigt: Die Verantwortung liegt beim Betreiber (in der BetrSichV "Areitgeber" und "Gleichgestellte" genannt).
« Letzte Änderung: 06. November 2017, 17:19:18 von Gutachtinator »

Offline Mannheimer25

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Re: 10-jährige Prüfung nicht bestanden.. KKS-Anlage
« Antwort #61 am: 04. Dezember 2017, 13:47:33 »
Hallo,

ich habe eine Frage zu der 10 Jahres Prüfung.

Vor ca. 5 Jahren haben wir ein Haus mit erdgedecktem Flüssiggastank gekauft. Vom Vor-Eigentümer nur die Rechnung der ersten 10 Jahres Prüfung bekommen und damit seit dem problemlos jährlich Gas bestellt.

Erst der letzte Lieferant wollte nicht nur die Rechnung sondern den TÜV Bericht.

Habe den vom TÜV bekommen und siehe da der weiterbetrieb des Tank wurde nur mit KKS Anlage erlaubt. Und die wurde vom Vorbesitzer nicht nachgerüstet und von mir aus Unkenntnis auch nicht.
Ich weiß ich bin jetzt der Betreiber und hätte mich drum kümmern müssen.

Nächstes Jahr steht jetzt die nächste zweite 10 Jahres Prüfung für den Tank an. 

Wenn ich jetzt davon ausgehe das bei der ersten Prüfung gepfuscht wurde und ich jetzt bei einer korrekten Messmethode oder einem anderen Prüfverfahren die Prüfung bestehen würde müsste ich dann trotzdem die KKS Anlage Nachrüsten, oder fängt der Prüfer gar nicht erst an mit einer Prüfung?

Meine Druckminderereinheit ist wohl auch etwas schwach auf der Brust da an der Gasheizung nur etwa 40mbar ankommen, soll ist wohl so 50mbar!?

Was für Gesamtkosten würde da ungefähr auf mich zukommen? 

Also :

-KKS
-TÜV
-Druckminderer


ich bin schwer am Überlegen das ganze Gas Zeug rauszuwerfen bin mir aber noch nicht 100% sicher.


Gruß Thomas

Offline TÜV-SV

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Re: 10-jährige Prüfung nicht bestanden.. KKS-Anlage
« Antwort #62 am: 16. Dezember 2017, 22:08:33 »
Hallo,

ich habe eine Frage zu der 10 Jahres Prüfung.

Vor ca. 5 Jahren haben wir ein Haus mit erdgedecktem Flüssiggastank gekauft. Vom Vor-Eigentümer nur die Rechnung der ersten 10 Jahres Prüfung bekommen und damit seit dem problemlos jährlich Gas bestellt.

Erst der letzte Lieferant wollte nicht nur die Rechnung sondern den TÜV Bericht.

Habe den vom TÜV bekommen und siehe da der weiterbetrieb des Tank wurde nur mit KKS Anlage erlaubt. Und die wurde vom Vorbesitzer nicht nachgerüstet und von mir aus Unkenntnis auch nicht.
Ich weiß ich bin jetzt der Betreiber und hätte mich drum kümmern müssen.

Nächstes Jahr steht jetzt die nächste zweite 10 Jahres Prüfung für den Tank an. 

Wenn ich jetzt davon ausgehe das bei der ersten Prüfung gepfuscht wurde und ich jetzt bei einer korrekten Messmethode oder einem anderen Prüfverfahren die Prüfung bestehen würde müsste ich dann trotzdem die KKS Anlage Nachrüsten, oder fängt der Prüfer gar nicht erst an mit einer Prüfung?

Meine Druckminderereinheit ist wohl auch etwas schwach auf der Brust da an der Gasheizung nur etwa 40mbar ankommen, soll ist wohl so 50mbar!?

Was für Gesamtkosten würde da ungefähr auf mich zukommen? 

Also :

-KKS
-TÜV
-Druckminderer


ich bin schwer am Überlegen das ganze Gas Zeug rauszuwerfen bin mir aber noch nicht 100% sicher.


Gruß Thomas


KKS:
Einbau KKS etwa 600 bis 800 Euro, wenn ich mal zusammenfasse, was mir Kunden bisher so erzählt haben über die Kosten. Zusätzlich muß das Ding alle zwei Jahre von der Firma, die die KKS eingebaut hat, auch geprüft/gewartet werden. Die kommen alle zwei Jahre bestimmt auch nicht nur für 50 Euro zu Dir gefahren.

Kosten der TÜV-Prüfung:
Je nachdem, wo und wie Du die Prüfung beauftragst zwischen 500 und 900 Euro für die TÜV-Prüfung.
Auf jeden Fall solltest Du die KKS aber VOR dem TÜV-Prüftermin einbauen lassen und den TÜV auch UNBEDINGT VOR der Prüfung darüber informieren, daß der Behälter eine KKS hat.
Denn wenn der TÜV-Prüfer zur Prüfung feststellt, daß schon nach der letzten Prüfung eine KKS hätte eingebaut werden müssen, aber bisher keine eingebaut wurde, dann wird er Dir höchstwahrscheinlich die Prüffrist von 10 Jahren auf 5 Jahre oder in einigen seltenen Fällen sogar auf 2 Jahre verkürzen müssen.
Und wie gesagt, wenn Du eine KKS hast einbauen lassen, aber Du das dem TÜV nicht VOR der Prüfung bei der Beauftragung mitteilst, dann kommt der Prüfer, um bei Dir eine ESM durchzuführen und stellt dann erst vor Ort fest, daß er eine SEP durchführen muß, da der Behälter eine KKS besitzt. Die SEP ist eine Druckprüfung und die kann er dann nicht einfach so mal eben vor Ort durchführen, sondern dafür muß der TÜV ein anderes Prüffahrzeug mit einem speziell dafür ausgebildeten Prüfer schicken.

Kosten Druckminderer:
Ich denke, so zwischen 250 und 400 Euro. Aber das weiß ich nicht genau.

Daß die nicht durchgeführte KKS-Nachrüstung bisher nicht aufgefallen ist, kann nur sehr wenige Gründe haben. Kann es sein, daß Du im damaligen Stammgebiet des TÜV Hessen wohnst?

Mit bestem Gruß
TÜV-SV
« Letzte Änderung: 16. Dezember 2017, 22:13:03 von TÜV-SV »
Zu mir:
- Sachverständiger Dampf- und Drucktechnik bei einem TÜV
- Bisher etwa 3.000 Flüssiggastanks geprüft, davon sehr viele erdgedeckte und halboberirdische Tanks
- Nehme gern Stellung zu technischen Fragen rund um die wiederkehrende Tankprüfung
- Zu vertraglichen Dingen kann ich nicht viel sagen

Offline DeJe63

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Re: 10-jährige Prüfung nicht bestanden.. KKS-Anlage
« Antwort #63 am: 09. August 2018, 15:16:29 »
Mal eine kurze Nachfrage.
Wir stehen vor dem Kauf eines eigenen Tanks. Sind diese DeltaGaz-Tanks immer noch auf dem Markt und gibt es andere Kandidaten die man ebenfalls meiden sollte?

Offline DeJe63

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Re: 10-jährige Prüfung nicht bestanden.. KKS-Anlage
« Antwort #64 am: 23. August 2018, 19:09:13 »
Ich antworte mal selbst...

Laut dem Tanklieferanten sind diese Tanks nicht mehr auf dem Markt. Es gibt noch Eurotank, Stag Flamco oder G.A.M Behälter.

Offline TÜV-SV

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Re: 10-jährige Prüfung nicht bestanden.. KKS-Anlage
« Antwort #65 am: 22. September 2018, 11:12:21 »
Ich antworte mal selbst...

Laut dem Tanklieferanten sind diese Tanks nicht mehr auf dem Markt. Es gibt noch Eurotank, Stag Flamco oder G.A.M Behälter.

Die früheren Firmen Bagom und Deltagaz firmieren heute beide unter dem Namen G.A.M. Heat. Ich weiß aber nicht, wer da wen gekauft hat oder ob die fusioniert sind oder wie auch immer das nun genau ablief. Die bauen auch immer noch Behälter. Die ursprüngliche Firma Bagom hat ja ein recht unrühmliches Ende aus recht unrühmlichen Gründen gefunden. Und Deltagaz hatte ja einige Jahre dieses Beschichtungsproblem bei erdgedeckten Tanks.
Wie die Qualität der heute von G.A.M. gebauten Behälter ist, weiß ich aber nicht. Das kann heute schon wieder ganz anders aussehen als vor 10 oder 15 Jahren.

Behälter von Eurotank habe ich bisher erst ganz wenige gesehen. Das liegt eventuell auch daran, daß die Firma noch nicht so lange Zeit Flüssiggaslagerbehälter baut bzw. in Deutschland verkauft und daß ich als TÜV-Prüfer die Behälter ja zum ersten Mal sehe, wenn sie schon 10 Jahre lang in Betrieb sind.

Die besten Erfahrungen bei den Prüfungen habe ich bisher mit den Behältern von STAG Flamco gemacht, sowohl bei oberirdischen als auch bei erdgedeckten Behältern. Die sitzen in Genthin in Sachsen-Anhalt. Wenn ich selber einen Flüssiggastank kaufen müßte, würde ich mir persönlich einen von STAG kaufen. Aber bitte nicht als Empfehlung verstehen. Das ist nur meine reine subjektive Prüferfahrung.

Mit bestem Gruß
TÜV-SV
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- Zu vertraglichen Dingen kann ich nicht viel sagen

Offline Aspergius

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Re: 10-jährige Prüfung nicht bestanden.. KKS-Anlage
« Antwort #66 am: 24. Oktober 2018, 12:07:29 »


Die ESM ist also bei Deltagastanks nicht grundsätzlich sinnlos, sondern notwendig, um diese besonders gefährliche Art Korrosionsmechanismus rechtzeitig zu erkennen. Mit rechtzeitiger Nachrüstung einer KKS und gegebenenfalls zusätzlich eines Isolierstücks an der Rohrleitung im Domschacht kann dieser Korrosionsmechanismus gestoppt und der Tank bedenkenlos weiterbetrieben werden, solange die KKS korrekt funktioniert. Deswegen ist es bei einer KKS auch wichtig, daß sie regelmäßig auf korrekte Funktionsfähigkeit geprüft wird, damit man sicher ist, daß die Korrosion nicht unbemerkt wieder weitergeht.

Unabhängig davon kann im Rahmen der ESM auch festgestellt werden, ob überhaupt korrosiver Boden vorliegt. Wenn die Beschichtung zwar als defekt erkannt wird, aber kein korrosiver Boden vorliegt und sich auch kein chemisches Korrosionselement ausgebildet hat, dann muß auch keine KKS nachgerüstet werden und die Prüffrist bleibt in dem Falle auch bei 10 Jahren.

Bei mir wurde ja auch nach 10 Jahren eine erste  Einspeisemessung vorgenommen. Ergebnis durchgefallen. Danach wurde eine KKS -Anlage eingebaut.
Nun zu meiner Frage: Wer und wir prüft man ob der Boden am Einbauort korrosiv ist oder nicht?  Von dieser Möglichkeit höre ich jetzt zum ersten Mal.

Gruß Aspergius

Offline Aspergius

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Re: 10-jährige Prüfung nicht bestanden.. KKS-Anlage
« Antwort #67 am: 24. Oktober 2018, 12:27:56 »
Noch etwas von Interesse.

Ich habe Angebote über die Prüfung der KKS-Anlage eingeholt. Leider prüfen manche TÜV-Stellen diese nicht mehr. Wieder andere Prüfer haben offenbar kaum Erfahrung (keine) mit dieser Prüfung und fragen mir ein Loch in den Bauch, um was es da geht. Wieder andere prüfen  nicht selbst und verweisen auf die Fa. Ronschke.

Auch die Preisgestaltung ist erstaunlich. Ich habe Angebote von 100 bis 1000 Euro (immer einschließlich Anfahrt). Es lohnt sich unbedingt überall anzufragen, wobei es bei den TÜV-Stellen nicht einfach ist, weil man nicht weiß, wohin man sich wenden soll.

Ich bin bei der GFÜ gelandet, die allerdings keinen Termin nennt, da sie bundesweit tätig ist und die Prüfung durchführt, wenn der Prüfer  in der Nähe ist.

Auch zu der Schallprüfung konnte ich etwas erstaunliches in Erfahrung bringen. Das angefragte Ingenieurbüro wirbt mit Schallprüfungen. Mir wurde aber definitiv von dem Prüfingenieur gesagt, dass es nichts bringt eine Schallprüfung durchzuführen, wenn die erste elektrische Prüfung bereits nicht bestanden wurde, weil einen Schaden festgestellt wurde. Die Schallprüfung kann diesen Schaden ja nicht weg "diskutieren", sei also sinnlos. Ich verstehe langsam nur noch Bahnhof. Wozu also eine spätere Schallprüfung?

Weiß Jemand was aus dieser Sammelklage geworden ist? Ich wollte mich informieren , aber der Link geht nicht.

 

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