Mittlerweile empfiehlt auch die deutsche Energiewirtschaft über ihren Branchenverband BDEW den vollständigen Atomausstieg bis 2020, allein die Atomkonzerne sind dagegen.
Atomstrom aus Frankreich und Tschechien wurde wohl zu allen Zeiten importiert, nicht unbedingt, weil dies nötig war. In Deutschland gibt es in erheblichem Umfange eine sog. \"Kaltreserve\" an installierter Kraftwerksleistung. Diese wurde nicht ausgeschöpft, weil es für die Konzerne preiswerter erschien, Atomstrom zu importieren, statt die vorhandene Kaltreserve ans Netz zu nehmen.
Der Verbraucher hat davon nichts, weil sich die Letztverbraucherpreise immer an den Großhandelspreisen für Strom orientieren und diese wiederum richten sich nie nach den Stromerzeugungskosten der kostengünstigsten Stromerzeugungseinheiten am Netz, sondern immer nach den teuersten Stromerzeugungseinheiten am Netz, in der Regel Kohle- oder Gaskraftwerke.
Weil bei den Atomkonzernen die Hoffnung bestand, man werde nach einem politischen Richtungswechsel den 2001 beschlossenen Atomausstieg wieder zurücknehmen, andere die Sorge vor einer Laufzeitverlängerung hatten, kam es bisher nicht dazu, dass im notwendigen Maße andere Kraftwerksleistung installiert wurde. Entsprechende Investitionen wurden somit verhindert, liegen auf Eis. Dies nimmt man nun als Argument dafür, dass man auf die Atomkraftwerke nicht kurzfristig verzichten könne. Hätte man nicht auf die Laufzeitverlängerungen geschielt und den Umbau konsequenter vorangetrieben, bräuchten wir wohl schon heute die Atomkraftwerke nicht mehr. Bleibt es bei der Laufzeitverlängerung, bleibt es auch dabei, dass sich die Ersatzinvestitionen wirtschaftlich nicht rechnen. Die derzeitige Situation würde einfach weiter in die Zukunft fortgeschrieben.
Fakt ist: Atomkraftwerke in Deutschland entsprechen nicht dem derzeitigen Stand von Wissenschaft und Technik. Sie müssen nur dem Stand von Wissenschaft und Technik im Zeitpunkt der Erteilung ihrer Betrieberlaubnis entsprechen. Dies war Teil des Kompromisses über den Atomausstieg 2001 und war die Kröte, die der Staat dafür schlucken musste und (in Gestalt einer rot-grünen Bundesregierung) zu schlucken bereit war (sog. Bestandssschutz).
Mit anderen Worten: Die am Netz befindlichen Atomkraftwerke wären unter Zugrundelgung des heutigen Standes von Wissenschaft und Technik nicht genehmigungsfähig.
Manchem mag damit geholfen sein sich zu vergegenwärtigen, auf welchem Stand der Technik sich seinerzeit die Fahrzeugtechnik oder die Telefontechnik befand und welche Entwicklungen in diesen Bereichen seither stattgefunden hat. Die meisten haben im privaten Bereich an dieser zwischenzeitlichen Technikentwicklung teilgenommen und könnten sich selbst gar nicht recht vorstellen, auf den alten Stand zurückgeworfen zu werden, auch wenn es damals (aus heutiger Sicht vielleicht erstaunlicher Weise) auch funktionierte. Es gibt immer auch welche, die sich für alte Technik begeistern können, und die deshalb auch heute noch etwa mit einem als besonders zuverlässig empfundenen Pkw \"Trabant\" am Straßenverkehr teilnehmen... Die Mehrheit kann sich dafür wohl eher nicht begeistern.
Ebenso war es mit Rücksicht auf den beschlossenen Atomausstieg auch eine rein politische Entscheidung, etwa das Risiko des Angriffs mit Flugzeugen auf Kernkraftwerke nach dem 11.September 2001 weiter dem Restrisiko zuzuordenen, obschon es sich um ein tatsächliches Risiko handelt.
Schließlich ist die Situation nicht dadurch besser geworden, dass Deutschland sich in mehreren Teilen der Welt militärisch engagiert, mit einfachen deutschen Worten: sich im Krieg befindet.
Die allgemeine Sicherheitssituation hat sich dadurch verschlechtert, was man an dem verstärkten Einsatz bewaffneter Sicherheitskräfte auch auf Flughäfen und Bahnhöfen sieht.
Zweifelhaft ist, ob man in Deutschland mit einer Situation, wie sie in Fukushima beklagenswerter Weise eingetreten ist, tatsächlich umgehen könnte. Es spricht vieles dagegen. Sicher ist nur, dass es eine solche Situation auch in Deutschland vorstellbar ist und dass immer weniger Bürger dazu bereit sind, dieses Risiko weiter zu tragen. Deshalb besteht auch ein breiter Konsenes darüber, vollständig aus der Nutzung der Kernenergie in Deutschland auszusteigen. Die allein politisch noch streitige Frage ist wohl, wie schnell dieser Ausstieg gelingen kann.
Wenn auch nicht \"über Nacht\", so ist doch ein vollständiger Atomausstieg in Deutschland in kurzer Frist möglich, ohne wirtschaftliche Verwerfungen.
Dies belegen auch Studien, die vom BMWi - längst vor Fukushima - eingeholt wurden.