Autor Thema: Windkraft kostet  (Gelesen 10367 mal)

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Offline Ben

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Windkraft kostet
« am: 15. Januar 2015, 08:19:36 »

Offline Didakt

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Re: Windkraft kostet
« Antwort #1 am: 15. Januar 2015, 10:40:52 »
Diesen Wahnsinn muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen! Und im Leitungsausbau tut sich noch lange nichts. Aber das „Melkvieh“ kann ja jederzeit zur Kasse gebeten werden!  >:( :o

Hier noch die wichtigsten Aspekte aus dem Artikel herausgestellt:

Zitat
Allerdings standen nach wie vor zu wenig Stromleitungen zur Verfügung, um die Produktionsüberschüsse der in Norddeutschland massierten Windräder zu den Verbrauchsschwerpunkten in Süddeutschland abzuleiten.

50 Hertz beziffert die Kosten allein für den Redispatch auf rund sieben Millionen Euro. Zusammen mit den Kosten bei Tennet hat das Sturmwochenende damit für zusätzliche Netzkosten von mindestens 13 Millionen Euro gesorgt. Diese Kosten werden über die Netzentgelte auf die Stromrechnungen aller Verbraucher abgewälzt.
Allerdings führte das Überangebot an Windstrom auch zu einem drastischen Verfall der Großhandelspreise für Elektrizität am Spotmarkt der Europäischen Energiebörse (EEX). Dieser Effekt sorgt gleichzeitig für eine Entlastung der Einkäufer am Großhandelsmarkt, zum Beispiel für Stadtwerke oder große Industriebetriebe.

Wie stark die sinkenden Großhandelspreise den Endverbrauchern zugutekommen, ist unklar. Zuweilen war der Windkraftüberschuss so groß, dass sich an der Strombörse sogar "negative Preise" bildeten: Die Stromlieferanten bekamen also kein Geld für die von ihnen gelieferte Energie, sie mussten im Gegenteil noch Geld dazuzahlen, um überhaupt Abnehmer für die überzähligen Megawattstunden zu finden.

Grund dafür ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Das EEG verpflichtet die Stromnetzbetreiber dazu, Windstrom ohne Rücksicht auf tatsächliche Nachfrage zu einem festgelegten Preis aufzukaufen und im Großhandel zu vermarkten. Die Differenz zwischen der an die Produzenten zu zahlenden Einspeisevergütung einerseits und dem Markterlös andererseits wird als EEG-Umlage auf die Stromrechnungen der Verbraucher abgewälzt.
Die sinkenden Preise am Großhandelsmarkt führen also für private Stromverbraucher mit einem gewissen Automatismus zu einer steigenden EEG-Umlage. Während der Verkauf einer Megawattstunde Strom normalerweise um die 35 Euro einbringt, mussten die Stromproduzenten am Sonntagmorgen zeitweise bis zu 25 Euro pro Megawattstunde dazuzahlen, um Abnehmer für ihren Strom zu finden.

Offline PLUS

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Das deutsche "Energiewenden-Erfolgsmodell"
« Antwort #2 am: 15. Januar 2015, 16:21:43 »
Diesen Wahnsinn muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen! ...
Frei nach Shakespeare "Ist dies schon Wahnsinn, so hat es doch Methode."

@Didakt, ja, "die glühenden und die kalten Drähte" und der tolle "Stromexport" geschenkt oder zum Spottpreis. Warum überrascht mich das nicht. Es wird noch schlimmer werden. Das ist das deutsche Erfolgsmodell, der Wahnsinn hat Methode. Manche profitieren ohne Risiko gut dabei.

Zur Erinnerung:
Größter deutscher Offshore-Windpark "fertig" und liefert keinen Strom

Stromexport

usw. usf.

Offline superhaase

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Re: Windkraft kostet
« Antwort #3 am: 15. Januar 2015, 20:10:33 »
Naja, dieser "Redispatch" von ca. 11 GW von Norddeutschland nach Süddeutschland war ganz offensichtlich ein befohlenes Drosseln von Braunkohlekraftwerken in Norddeutschland und als Ausgleich das befohlene Hochfahren von Gaskraftwerken und Steinkohlekraftwerken in Süddeutschland. Gaskraftwerksstrom ist nun mal teurer als Braunkohlestrom. Die Differenz von ein paar Millionen € wird folglich auf die Netzentgelte umgelegt, weil die Mehrkosten der Netzbetreiber durch seinen Eingriff bezahlen muss und wälzen darf.

Das ganze ist überhaupt nicht tragisch, ja sogar von PLUS schon oft gefordert worden:
PLUS beklagt ständig, dass sich moderne Gaskraftwerke wegen des verschleuderten EEG-Stroms nicht mehr rentieren und so eine relativ saubere Stromerzeugung aus dem Markt gedrängt wird, während weiterhin viel dreckiger Braunkohlestrom erzeugt wird und so die Energiewende konterkariert wird.

Nun hat sich bei Starkwind aufgrund des "Leitungsmangels" ergeben, dass in Süddeutschland sauberere Gaskraftwerke genutzt werden mussten, statt dreckiger Braunkohlekraftwerke im Norden.
Das ist doch also ganz im Sinne von PLUS, der sich darüber also freuen müsste.
PLUS plädiert dauernd für mehr Gasstrom. Bitte sehr, da haben wir ihn.
Dass Gasstrom teurer ist als Braunkohlestrom, liegt ja nur daran, dass die CO2-Zertifikate für'n Appel und'n Ei zu haben sind. Wären diese Zertifikate und somit der Braunkohlestrom teuerer, würden bei Starkwind die Braunkohlekraftwerke freiwillig gedrosselt und der insgesamt sowieso schon höhere Strompreis würde für die Gaskraftwerke reichen. Es müsste dann auch nichts auf die Netzentgelte umgelegt werden. Ganz nebenbei würde die EEG-Umlage kräftig sinken, wenn die Großhandelspreise steigen.

Als Fazit lässt sich als feststellen:
Einen "Leitungsmangel" scheint es in Deutschland nicht zu geben. Es gibt genügend Leitungen und auch Kraftwerksleistung - auch in Süddeutschland - um die Stromversorgung jederzeit sicherzustellen.
Man darf nur nicht die Forderung aufstellen, dass ganz Deutschland aus einem einzigen Braunkohlerevier mit Strom versorgt werden kann. Dies scheinen manche offenbar zu wünschen.

Es gibt also gar kein Problem, auch wenn die Netzbetreiber mit schöner Regelmäßigkeit bei Starkwind den Teufel an die Wand malen, damit sie endlich ihre "Monstertrassen" bekommen, die großteils gar nicht nötig sind, mit denen sie aber viel Geld zu verdienen hoffen (Stichwort "staatlich garantiere Rendite von 9 %" oder sind es schon mehr als 9%?).

Wir dürfen uns also einfach über viel Windstrom freuen, der dazu geführt hat, dass viele Tausend Tonnen Braunkohle im Boden bleiben durften und die Luft entsprechend weniger verstaubt und mit Quecksilber und CO2 etc. belastet wurde.

So muss man die ganze Sache sehen, und darf der eigennützigen Propaganda der Netzbetreiber nicht auf den Leim gehen.
« Letzte Änderung: 16. Januar 2015, 07:35:28 von superhaase »
8) solar power rules

Offline Didakt

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Re: Windkraft kostet
« Antwort #4 am: 16. Januar 2015, 10:34:39 »
Zitat
So muss man die ganze Sache sehen, und darf der eigennützigen Propaganda [...] nicht auf den Leim gehen.

Wohl wahr, auch der Agitation der Subventionsabsahner nicht!

Es ist gut, dass der vorstehende Beitrag unkommentiert blieb und hoffentlich auch ignoriert bleibt. Und es täte dem Forum gut, wenn dem auch künftig so wäre! Alte Leute wissen schon warum!  :D
« Letzte Änderung: 16. Januar 2015, 11:18:52 von Didakt »

Offline Didakt

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Re: Windkraft kostet
« Antwort #5 am: 16. Januar 2015, 15:34:24 »
Wie ich gerade feststelle, hat mir der vorstehende Beitrag erwartungsgemäß einen weiteren Minuspunkt in der Karma-Bewertung eingebracht! Von einem Heckenschützen - von wem wohl ? - aus der Hüfte geschossen. Es ist einfach herrlich!  :D Vielleicht weiche ich doch noch mal von meinem Grundsatz ab! :-\

Offline superhaase

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Re: Windkraft kostet
« Antwort #6 am: 17. Januar 2015, 11:23:38 »
@Didakt:

Versuchen Sie doch mal lieber, meinen Beitrag sachlich auseinanderzunehmen, statt nur sinnfrei zu polemisieren.
Ist es nicht so, wie ich geschrieben habe ... und warum, was sehe ich falsch?

Ich würde mich über eine sachliche Diskussion freuen.
8) solar power rules

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Offline Wolfgang_AW

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Re: Windkraft kostet
« Antwort #8 am: 17. Januar 2015, 15:19:25 »

Zur Erinnerung:
Größter deutscher Offshore-Windpark "fertig" und liefert keinen Strom


Könnten Sie dazu, dass Bard 1 nach wie vor keinen Strom liefert, eine Quelle nachreichen?

Und weshalb werden die technischen Probleme von Bard1 aus 2014 so herausgestellt?

Technische Probleme sind ja nun nichts ungewöhnliches - siehe dazu auch die vielen Stilllegungen von AKWs. Bezahlt haben wir Verbraucher diese Stillstände übrigens auch. Diese waren in den Strompreisen (als Wind und PV noch in den Kinderschuhen steckte) ebenso eingepreist.

Mit freundlichen Grüßen

Wolfgang_AW

Bedanke mich bereits an dieser Stelle

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Wolfgang_AW
„Es hat sich bewährt, an das Gute im Menschen zu glauben, aber sich auf das Schlechte zu verlassen.“

(Alfred Polgar)

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Re: Windkraft kostet
« Antwort #9 am: 17. Januar 2015, 16:07:26 »
Könnten Sie dazu, dass Bard 1 nach wie vor keinen Strom liefert, eine Quelle nachreichen?
Und weshalb werden die technischen Probleme von Bard1 aus 2014 so herausgestellt?

Technische Probleme sind ja nun nichts ungewöhnliches - siehe dazu auch die vielen Stilllegungen von AKWs.
Ach, das ist normal? Auch dass immer die "Atomstromkarte" als untaugliches Argument herhalten muss gehört zum normalen Reflex? Es geht hier nicht nur um  Probleme aus 2014, die gibt es von Anfang an  z.B. Meldung Oktober 2011:
Zitat
Bard ging mit großen Zielen in die Nordsee hinaus: Der erste kommerzielle Windpark des Unternehmens liegt 90 Kilometer vor der Küste. Das Wasser dort ist stellenweise mehr als 40 Meter tief. 80 Windräder sollen hier einmal 400 Megawatt leisten und so 1,6 Mrd. Kilowattstunden Strom pro Jahr produzieren - theoretisch ist das genug, um 400 000 Haushalte zu versorgen. Geplant war, den Park bis Ende des Jahres fertigzustellen. Doch der Bau hat sich stark verzögert. Bis jetzt stehen knapp 20 Anlagen; fertig wird der Park wohl erst Ende 2013. Die HypoVereinsbank als Finanzierer hat deswegen bereits 425 Mio. Euro abgeschrieben.

und z.B.
Zitat
Kein Strom: Letzte Chance für BARD Offshore 1
Steht der Windpark BARD 1 vor dem Aus, bevor die Stromproduktion überhaupt richtig begonnen hat?
Der Offshore-Windpark BARD Offshore 1 in der Nordsee, 90 Kilometer nordwestlich von Borkum, liefert seit Monaten keinen Strom....
...NDR

Offline Wolfgang_AW

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Re: Windkraft kostet
« Antwort #10 am: 17. Januar 2015, 16:44:14 »
@PLUS

Windparks auf hoher See waren ja nun auch technisches Neuland und dass anfangs die Investoren, einschließlich der Hersteller zu euphorisch waren ist ja nun kein Geheimnis.

Ich fragte, ob Sie Erkenntnisse haben, dass Bart 1 auch derzeit keinen Strom liefert?
Die von Ihnen gezeigten Schwierigkeiten liegen nun ja zurück.

Sind für Sie technische Probleme von Anlagen aller Art, vor allem aber bei Neuentwicklungen, etwa ungewöhnlich??

Anscheinen sind m.E. die Schwierigkeiten überwunden, lasse mich aber gerne eines anderen belehren.

Mit freundlichen Grüßen

Wolfgang_AW
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Re: Windkraft kostet
« Antwort #11 am: 17. Januar 2015, 17:18:52 »
Ich fragte, ob Sie Erkenntnisse haben, dass Bart 1 auch derzeit keinen Strom liefert?
Die von Ihnen gezeigten Schwierigkeiten liegen nun ja zurück.
Sind für Sie technische Probleme von Anlagen aller Art, vor allem aber bei Neuentwicklungen, etwa ungewöhnlich??
Anscheinen sind m.E. die Schwierigkeiten überwunden, lasse mich aber gerne eines anderen belehren.
Dazu gibt es keine positiven Berichte. Ich bin nicht vor Ort und nicht der Pressesprecher! Bemerkenswert, wie Sie angesichts der seit Jahren bestehenden Dauerproblemen zu dieser Meinung kommen können. Jetzt plötzlich sollen die Probleme beseitigt sein. Nein es gibt keine Informationen, dass die technischen Probleme überwunden wären. Verwiesen wird immer auf die alten Probleme:

http://www.ingenieur.de/Fachbereiche/Windenergie/Schon-Maerz-liefert-Deutschlands-groesster-Windpark-Strom-an-Land

Wen das weiter interessiert, kann auch gerne selbst recherchieren.

Richtig, man war zu euphorisch oder hat die Probleme unter dem Tisch gehalten um Geschäfte zu machen. Man geht dabei ja auch kein Risiko ein, die Zeche zahlen unter den besonderen deutschen "Energiewenden"-Bedingungen immer die Verbraucher, aber da scheint ja kein Problem zu sein.

Offline Wolfgang_AW

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Re: Windkraft kostet
« Antwort #12 am: 17. Januar 2015, 18:58:11 »

http://www.ingenieur.de/Fachbereiche/Windenergie/Schon-Maerz-liefert-Deutschlands-groesster-Windpark-Strom-an-Land

Richtig, man war zu euphorisch oder hat die Probleme unter dem Tisch gehalten um Geschäfte zu machen. Man geht dabei ja auch kein Risiko ein, die Zeche zahlen unter den besonderen deutschen "Energiewenden"-Bedingungen immer die Verbraucher, aber da scheint ja kein Problem zu sein.

In dem verlinkten Artikel heißt es:

Zitat
Denn der im vergangenen Jahr verstorbene deutsch-russische Bard-Gründer Arngolt Bekker wollte alles selbst machen:
...
Im Fall Bard liegt es möglicherweise an der Technik, die vor der HGÜ-Plattform installiert wurde. Denn die entwickelte das mittlerweile insolvente Bard-Unternehmen selbst, statt erfahrene Unternehmen wie ABB, Siemens oder General Electric damit zu beauftragen.
Hervorheb. durch Wolfgang_AW

Möglicherweise wollte Herr Bekker in die Offshore-Windgeschichte eingehen - als Tiger gesprungen und als Bettvorleger gelandet.

Ich stimme Ihnen zu, die Zeche von politischen (Fehl-) Entscheidungen und Großmannssucht zahlen immer die Steuerzahler bzw. in diesem Fall die Verbraucher. Es wird ja, speziell in Deutschland, durch die Politiker auch immer die eierlegende Wollmilchsau gefordert.

Die Beispiele sind Legende. Um nur einige zu nennen: Nürburgring, Elbphilharmonie, Flughafen Kassel-Calden, BER, Stuttgart 21, usw usf.

Weitere Eurogräber ergeben sich durch den fortschreitenden Rückzug der öffentlichen Hand. Stichwort PPP - dank mangelnder Transparenz entwickeln sich die meisten Projekte zu "schwarzen Löchern."

Mit freundlichen Grüßen

Wolfgang_AW
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Offline superhaase

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Re: Windkraft: zunehmende Herausforderung und teuer
« Antwort #13 am: 17. Januar 2015, 21:11:25 »
ZDF-Beitrag dazu - Windkraft: zunehmende Herausforderung und teuer

Wie gesagt ist das alles kein technisches Problem.
Die vorhandenen Leitungen und die vorhandenen konv. Kraftwerke (auch in Süddeutschland) reichen aus.
Die Stromversorgung war jederzeit absolut sicher gewährleistet.
Dass die Netzbetreiber ihre Steuerungszugriffe auf den Kraftwerkspark als "Notmaßnahmen" bezeichnen, heißt nicht, dass wirklich Not geherrscht hat.
EE-Strom hat per Gesetz Vorrang im Netz, also ist es ganz logisch, dass der Netzbeteiber konventionelle Kraftwerke abschalten lässt, wenn genug Strom im Netz ist, um Deutschland zu versorgen und sogar noch einen Teil zu exportieren.
Es ist weder ökonomisch, noch ökologisch sinnvoll, die Stromnetz so weit auszubauen, dass auch bei viel EE-Stromerzeugung die konventionellen Kraftwerke (insb. Braunkohle aufgrund ihres niedrigen Preises) in Deutschland ohne innerdeutschen Bedarf volle Pulle weiterlaufen können, um ganz Europa mit dem billigen aber dreckigen Braunkohlestrom zu beglücken.

Das einzige Problem ist die derzeitige Ausgestaltung des Strommarkts, die zu solchen Kuriositäten führt, dass bei Starkwind in Norddeutschland erst alle konv. Kraftwerke in Süddeutschland preislich vom Markt gedrängt werden, während die dreckisten aller Kraftwerke, die Braunkohlekraftwerke in Norddeutschland weiterproduzieren wollen, was der Markt hergibt - und aufgrund ihrer Trägheit auch kurzfristig darüberhinaus (negative Großhandelspreise).

Der Webfehler liegt also darin, dass im derzeitigen Markt die Braunkohleverstromung und vor allem auch der Braunkohlestromexport so attraktiv sind.
Die Schweinerei dabei ist, dass für den Exportstrom, für den nun die Monstertrassen gebaut werden sollen, noch nicht einmal Netzentgelte bezahlt werden.
Der kleine, nicht privilegierte Stromverbraucher in Deutschland, soll also nach derzeit gültiger Gesetzeslage den Netzausbau für die Braunkohlestromexporteure bezahlen, und darf auch noch Entschädigungen an diese zahlen, wenn die Netze für den Export nicht verfügbar weil ausgelastet sind.

Es gäbe da eine ganz einfache Abhilfe:
Exportstrom muss Netzkapazitäten einen Tag vorher buchen, und kann nur soviel buchen, wie nach prognostizierter innerdeutscher Auslastung durch Erzeugung und Verbrauch noch übrig bleibt.
Noch besser:
EEG-Umlage und Netzentgelte auf den Exportstrom.
Dann sind diese Probleme von heute auf Morgen Vergangenheit, ganz ohne Netzausbau.
Es würden kaum noch "Notfallmaßnahmen" der Netzbetreiber bei Starkwindwetterlagen nötig werden, weil die Braunkohlekraftwerke schon am Tag vorher freiwillig allmählich runtergefahren würden - aus wirtschaftlichen Gründen.

Es ist nun ja bekannt, dass die großen Stromkonzerne - und insbesondere die RWE, die für viele öffentliche Haushalte enorm wichtig sind - von der Regierung protegiert werden, so lange es geht. Das geschieht aus wirtschaftpolitischem Interesse und wohl auch aus einem schlechten Gewissen heraus, da ja Merkel und Westerwelle jahrelang versprochen hatten, den Atomausstieg wieder rückgängig zu machen und so die Stromkonzerne glauben machten, eine Energiewende wird es nie geben, weil die Erneuerbaren das sowieso nie leisten könnten (laut FDP). So sind die Stromkonzerne nun gar nicht auf die schnelle Pirouette der Mutti nach Fukushima vorbereitet gewesen - und auch nicht auf die Energiewende an sich.
Da nun direkte staatliche Subventionen an die Stromkonzerne offensichtlich nicht möglich wären (EU), fährt man die aktuelle Linie, dass der kleine Stromverbraucher über die idiotische Gesetzeslage gezwungen wird, für RWE und Konsorten den Stromexport und somit ein paar Gewinne noch möglichst lange durch indirekte Finanzierung zu ermöglichen.

Das kann man nun gutheißen, oder nicht.
Jedenfalls ist es unsäglich dumme Propaganda, wenn nun bei Starkwind immer die Windkraft als Problem hingestellt wird.
« Letzte Änderung: 18. Januar 2015, 13:46:15 von superhaase »
8) solar power rules

Offline PLUS

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Re: Windkraft kostet
« Antwort #14 am: 19. Januar 2015, 16:09:45 »
Ich stimme Ihnen zu, die Zeche von politischen (Fehl-) Entscheidungen und Großmannssucht zahlen immer die Steuerzahler bzw. in diesem Fall die Verbraucher. Es wird ja, speziell in Deutschland, durch die Politiker auch immer die eierlegende Wollmilchsau gefordert.

Die Beispiele sind Legende. Um nur einige zu nennen: Nürburgring, Elbphilharmonie, Flughafen Kassel-Calden, BER, Stuttgart 21, usw usf.

Weitere Eurogräber ergeben sich durch den fortschreitenden Rückzug der öffentlichen Hand. Stichwort PPP - dank mangelnder Transparenz entwickeln sich die meisten Projekte zu "schwarzen Löchern."
@Wolfgang_AW, hier geht es aber um die Stromversorgung, um die Auswirkungen der EEG-Energiewende und da zahlen in aller Regel die nicht privilegierten Verbraucher die Zeche alleine.

Für die Redispatch-Kraftwerke werden immer wieder und zunehmend Millionen an Entschädigungszahlungen fällig, die auf die Stromrechnung der Verbraucher abgewälzt werden.

Das Überangebot an Windstrom hat  zusätzlich zu einem Preisverfall an der Strombörse geführt. Die  Megawattstunde wurde am genannten Sturm-Sonntag  zwar diesmal nicht verschenkt, aber gerade noch mit 1,10 Euro bezahlt – nur ein Bruchteil dessen, was die Windmüller als garantierte Einspeisevergütung kassieren. Die Differenz zwischen Einspeisevergütung und dem Marktpreis bezahlen die Verbraucher ebenfalls über die EEG-Umlage.

 

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