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Prozentuale Boni und Vergleichsportale

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Martinus11:
So düster wie Sie sehe ich es eigentlich nicht. Man muss halt ein paar Dinge wissen vorher, z.B. Die Voreinstellungen bei den Vergleichsportalen und woran man gute Anbieter erkennt (z.B. die Bewertungen prüfen, bei möglichst mehreren Portalen) sowie den Ablauf des Wechsels. Beherzigt man diese Dinge und nimmt sich die Zeit, dann dürfte das fluppen.

Im Grunde ist es wie mit allen Dingen im Leben: Die etwas Schlaueren informieren sich und machen sich die Mühe des Recherchierens und profitieren dann. Und die anderen eben nicht. Ich finde es jedenfalls klasse, dass wir nun einen liberalisierten Energiemarkt haben, der eine solche freie Wahl überhaupt ermöglicht. Ist noch nicht so lange her, als jeder auf den einen Gasanbieter angewiesen war....
Wer dann seine freie Wahl wie gut nutzt, wird immer individuell ganz unterschiedlich ausfallen. Da ist dann eben auch jeder selbst in der Verantwortung. Im Zweifelsfall nicht alles auf die Boni setzen und davon abhängig machen.

Sie sagen, es gäbe kaum noch gute Anbieter und der Markt würde das nicht regeln!? Es mag noch dauern, aber der Markt wird das ganz bestimmt regeln und dass es kaum gute Anbieter gibt, kann ich nicht nachvollziehen. Diverse Tests von Stiftung Warentest und anderen zeigen doch die guten Anbieter. In D gibt es mehr Gasanbieter als in anderen EU-Ländern.

Ein freier Markt hat immer mehr Potential für Streitigkeiten als der Zustand vor 20 Jahren (oder gar Kommunismus). Nichtsdestotrotz ist mir die Gegenwart lieber. Das gibt es ja genauso bei anderen Online-Geschäften, dennoch wird kaum jemand auf all die Möglichkeiten des Online-Handels wieder verzichten wollen.

bolli:
Ich gebe Ihnen Recht, dass die mögliche Auswahl eines Anbieters durchaus schon eine (positive) Errungenschaft ist. Aber von einem Land, welches eine so führende Rolle in Politik und Wirtschaft einnimmt (einnehmen will), erwarte ich mehr. Die Umfragen sind aus meiner Sicht mit einem gewissen Makel behaftet, nämlich das a) viele Verbraucher trotz aller Aufklärung ihre Möglichkeiten immer noch nicht kennen und daher meist auch zufrieden sind und b) diejenigen, die kein Problem mit dem Anbieter haben natürlich auch in der Kommunikation mit diesem kein Problem melden. Wenn man alle Verbraucher, die schon mal ein Problem mit ihrem Anbieter haben, fragen würde, wie zufrieden sie mit der Abwicklung des Problems waren, würde die Sache sicher anders aussehen.

Die Suche nach den passenden Informationen ist für Menschen, die nicht unbedingt eine Affinität zum Internet und seinen Inhalten haben, doch recht mühsam. Ältere Leute oder diejenigen, die sich nicht so häufig in diesem Medium bewegen (die soll es auch noch geben) sind da deutlich im Nachteil.

Haben Sie das Gefühl, dass sich der Benzinmarkt in den letzten Jahren selbst zur Zufriedenheit der Verbraucher geregelt hat ? Ich nicht ! Ähnlich sehe ich die Lage im Energiesektor. Neben der Tatsache, dass sich die Anbieter komischerweise im wesentlichen immer sehr einig sind über das grobe Preisgefüge (und behaupte nur niemand, dass es da irgendwelche Absprachen unter den Großen der Branche gebe  ;) ) finde ich auch die Tatsache, das z.B. bei Preisanpassungen permanent getrickst wird (Erhöhungen der Strompreise an der Börse werden oft zügig durchgereicht während Senkungen meist gar nicht beim Verbraucher wieder ankommen, ähnliches bei den Veränderungen wegen EEG-Abgabe u.ä., bei entsprechenden Erhöhungen werden sogar Gewinnmargenerhöhungen entgegen der AGB-Klauseln mit untergeschoben) mehr als unrühmlich für diesen Anbieterkreis. Und davon sind, wenn man sich das Ganze mal in Ruhe anschaut, fast alle Anbieter betroffen. Heute mal der eine nicht und morgen mal der andere nicht. Aber durchgängige gut UND fair ist mir in den letzten Jahr keiner untergekommen. Von daher bin ich da vielleicht zu unrecht ein wenig zu illusionslos.

Wenn Sie Vergleiche mit dem anderen Online-Handel ziehen, dann hinkt dieser etwas, weil es hier um das Gut "Energie" geht, auf das man nicht verzichten kann (und das wissen die Anbieter sehr genau) während ich auf viele andere Sachen des übrigen Online-Handels meist sehr wohl (für eine begrenzte Zeit) verzichten kann, wenn mir die Bedingungen nicht passen (oder ich kaufe herkömmlich ein).
Deshalb gibt es bei der Energie ja auch gesetzliche Rahmenregelungen, die zumindest eine Grundversorgung und deren vertragliche Bedingungen sichern sollen, leider aber eben nicht immer zu fairen Bedingungen, auch wenn der Ansatz möglicherweise ein anderer war.

Ähnlich sehe ich das übrigens für das Benzin. Viele können da heutzutage kaum drauf verzichten, da sie ja irgendwie zur Arbeit kommen müssen, die nicht mehr, wie früher, unbedingt direkt vor der Haustür ist. Das wissen auch die Ölmultis.

Martinus11:
Was die Erwartungen an unser "in Politik und Wirtschaft führendes" Land angeht, da bin ich nun eher illusionslos und bescheiden. Schauen Sie mal das in der Welt (in Wirtschaft, Wissenschaft und sehr vielen anderen Dingen) führende Land  an, die USA, mitsamt deren zwei mal gewählten Bush Junior und Präsidentschaftskandidaten Trump, dann wird deutlich, dass die Chancen für den Bürger nicht im Staat liegen, sondern in der individuellen Freiheit, Dinge für sich zu entscheiden und zu machen, sich zu informieren, freie Medien usw.

Vom Staat selbst erwarte ich freiheitlich-demokratische Rahmenbedingungen und einen Rechtsstaat. Mehr erwarte ich von einem trägen, großen Staatsapparat und dessen Regierungen, die von "normalen Menschen" gewählt werden, nicht. Ich erhoffe es, aber erwarten nicht.

Jeder einzelne, der sich nicht gut auskennt und kein Internet hat, kann dennoch Verwandte oder Freunde bitten oder sich professionell von einem RA beraten lassen. Außerdem gibt es Verbraucherschutzverbände, zu denen man persönlich hingehen oder mit denen man telefonieren kann. Bedürftige bekommen ggf. Prozesskostenhilfe usw.

Energie ist wichtiger als vieles andere im Online-Handel, stimmt, aber es läuft ja nicht nur online. Jeder kann mehrere EVUs anrufen und sich informieren. Und wie Sie schon sagen, es gibt eine gesetzliche Pflicht zum Versorgen. Mit ein wenig Engagement kann fast jeder verhindern, Opfer von unfairen Bedingungen zu werden. Und wenn mal der Neukundenbonus nicht bezahlt wird vom EVU, dann muss der Wechsel deswegen noch lange nicht schlecht gewesen sein und der Betreffende kann kündigen.

Benzin ist seit ein paar Jahren deutlich billiger geworden und selbst die Ölmultis konnten das nicht verhindern, weil Sie sich nicht alle einig sind und weil noch andere Kräfte mitwirken. Sicher nicht für alle, aber für viele gäbe es außerdem Alternativen, z.B. andere Verkehrsmittel oder sich ein Auto teilen usw. 

Es gibt Dörfer und Gemeinden, die sich von der normalen Energieversorgung weitgehend unabhängig gemacht haben und fast alles selbst produzieren.
Es gibt Verbrauchergemeinschaften, die gemeinsam Energie zu Sonderkonditionen beziehen.
Jeder kann versuchen, durch Sonnenkollektoren, Holzofen ect. so weit wie möglich unabhängig zu werden.
All diese Möglichkeiten werden einfach zu wenig genutzt. Das ist IMHO das Hauptproblem. Statt sich auf die Möglichkeiten zu konzentrieren, die wir in einem freien Land haben, konzentriert man sich zu sehr auf das, was tatsächlich oder scheinbar nicht geht.

Wir leben in einem wirklich guten Land. Zu wenige sind sich dessen bewusst. Ich meine wirklich bewusst.

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