Autor Thema: Rechnerische Überschuldung der Bilanz 2013  (Gelesen 3461 mal)

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Offline energySucher

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Rechnerische Überschuldung der Bilanz 2013
« am: 27. Juni 2016, 19:57:54 »
Hallo zusammen,

mein erster Beitrag hier, da mich folgender Punkt etwas erschreckt.
Seit dem 10.05.2016 ist die Bilanz von EVD EnergieVersorgung Deutschland GmbH Chemnitz für 2013 im Bundesanzeiger.

Bilanzsumme: 10.149 TEUR
nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag: 3.400 TEUR

33% der Verbindlichkeiten bzw. fast alle Rückstellungen (i.e. Kundenboni) sind ungedeckt.


Ich bin seit Ende 2014 bei der EVD und nach Umzug mittlerweile im 3.Vertrag und hatte mich eigentlich entschlossen zu bleiben, wenn die Preise künftig konstant bleiben. Bis auf die durch die Mischkalkulation bedingte Preiserhöhung nach dem 1.Jahr alles soweit gut. Auszahlung kamen schnell. Der Kundenservice war sehr gut und ich gebe dem Unternehmen nach der Umstellung auf Ökostrom eine 2. Chance.

Allerdings verstehe ich Kapitalausstattung nicht so ganz. 1% -33% Eigenkapital? Ist das nicht etwas too much Leverage?

Offline energySucher

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Bilanz 2014 & 2015
« Antwort #1 am: 12. April 2018, 21:22:48 »
Mittlerweile haben es noch 2 neue Bilanzen in den Bundesanzeiger geschafft. Da die ev-d zum jetzigen Zeitpunkt das Neugeschäft eingestellt hat (keine Tarife auf Homepage | keine Listung auf Verivox), wage ich zum Schluss ein persönliches Fazit.

2014: 7,7 Mio. EUR Fehlbetrag
Aus der Bilanz zur Begründung des GoingConcerns:
Zitat
Nach Einschätzung der Geschäftsführung steht dieser Feststellung eine Fortführung des Unternehmens jedoch nicht entgegen, da aus der mittelfristigen Unternehmensplanung eine positive Fortführungs- bzw. Fortbestehensprognose abzuleiten ist
Man kann hieraus schlussfolgern, dass es das Unternehmen nur gibt, da andere Kunden "kündigungsfaul" sind, und somit die Mischkalkulation mit den üblichen [Hinweis: üblich im Sinne von üblichen Preiserhöhungen von Mischkalkulationstarifen, die dann sehr viel teurer sind als vorher. Leider hier nur völlig intransparent, da man das ja nicht vorher angezeigt bekommt - habe mich selbst darüber sehr geärgert.] Preiserhöhungen funktionieren kann.


2015: Jahresüberschuss vorhanden. Fehlbetrag reduziert sich auf -5,3 Mio EUR.
In 2015 wurde die kostenintensive Kundengewinnung zurückgeführt. Zudem müsste dies oder kurz vorher der Zeitraum gewesen sein, wo sich auf Ökostrom konzentiert wurde. Interessant ist dieser Aspekt:
Zugänge 2015: 21.446
Zugänge 2014: 89.081
Abgänge 2015: 68.840

Es scheinen ca. 25-35% der Kunden aus 2014 nicht gekündigt haben. Da die ev-d bei Widerspruch zu den Preiserhöhungen vernünftige Preise angeboten hat, kann man nicht direkt ableiten, dass diese Kunden nun mehr zahlen. Aufgrund des um 6 Mio. EUR besseren Jahresergebnisses kann man aber davon ausgehen, dass wohl viele nicht widersprochen haben.

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Mittlerweile scheint die ev-d ihr Neukundengeschäft eingestellt zu haben. Dieses war anscheinend nur 2014 wirklich groß um dann mit den nachfolgenden Preiserhöhungen die Trägheit der Kunden zu nutzen.
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Fraglich ist natürlich, ob solche Geschäftsmodelle für die Allgemeinheit sinnvoll sind, da solche Modelle:
1. den Dummen/Gutgläubigen/Langsamen zu Gunsten der "Schlauen"/Schnellen ausnutzt,
2. gleichzeitig aber auch, gäbe es nur schlaue wechselfreudige Kunden, das Geschäftsmodell zusammenbringt, weil kein GoingConcern ableitbar ist - die Firma wird insolvent - und einen Bonus gibt es für Keinen.

Fazit: Das System ev-d zeigt leider: ohne vernünftige Regulierung bereichert sich der wechselfreudige Kunde an den gutgläubigen Kunden. Nur so funktioniert das Modell ev-d. Jeder Kunde ist Teil dieses System der ev-d. Schade :( --- eine bessere/offenere - gesetzlich verordnete! - Transparenz wäre hilfreich - damit man nicht unfreiwillig als Kunde Ausnutzer der Dummen wird.
« Letzte Änderung: 12. April 2018, 21:28:58 von energySucher »

 

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