Autor Thema: Kaltreservekraftwerke wegen Starkwinds angezapft  (Gelesen 11664 mal)

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Offline Netznutzer

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Offline superhaase

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Re: Kaltreservekraftwerke wegen Starkwinds angezapft
« Antwort #1 am: 29. Januar 2013, 17:36:59 »
@Netznutzer:
Da Sie ja offenbar bei einem Netzbetreiber arbeiten bzw. recht viel Ahnung von dieser Materie haben, hätte ich da eine Bitte:

Können Sie mir (und vielleicht auch anderen) erklären, warum man bei zu viel Windstrom in Norddeutschland noch mehr Kohlestrom in Süddeutschland bereitstellen muss?

Man kann doch nicht einen Überschuss im Norden durch einen Überschuss im Süden ausgleichen. Diese Begründung ist doch physikalisch GAGA.
Wäre es nicht viel mehr richtig, einige Braunkohle-Blöcke in Nordeutschland runterzufahren, um den befürchteten Stromüberschuss im Norden zu verringern?

Physikalisch betrachtet fließt ja kein weiterer Strom nach Süden, wenn der Süden schon genug Strom hat (aus eigener Erzeugung und dem "normalen" Transport nach Süden).
Ist es also nicht doch so, dass man im Süden diese Tage (heute) irgendwo zu wenig Strom erwartet hatte - z.B. aufgrund eines Kraftwerksausfalls und/oder aufgrund von eingegangenen Exportverpflichtungen?
So eine Situation war ja letztes Jahr für die Aktivierung der Kaltreserven ursächlich.
« Letzte Änderung: 29. Januar 2013, 18:29:35 von superhaase »
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Offline Cremer

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Re: Kaltreservekraftwerke wegen Starkwinds angezapft
« Antwort #2 am: 29. Januar 2013, 18:35:33 »
Na, schon mal was von zu hoher Transportleistung und Blindleistung gehört? ;D


MFG
Gerd Cremer
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Offline superhaase

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Re: Kaltreservekraftwerke wegen Starkwinds angezapft
« Antwort #3 am: 29. Januar 2013, 20:48:21 »
Na, schon mal was von zu hoher Transportleistung und Blindleistung gehört? ;D
Soll das eine Antwort auf meine Fragen sein?
Bitte geben Sie sich etwas Mühe, eine inhaltlich nachvollziehbare Erklärung zu geben, ich bin wirklich daran interessiert, sofern es eine solche überhaupt gibt!

Die Transportleistung oder Blindleistung von Nord nach Süd sind ja keineswegs größer, nur weil es im Norden viel Windstrom gibt, wenn im Süden schon ausreichend Strom vorhanden ist. Wo soll der überflüssige Strom denn hinfließen? Ins Mittelmeer?
Es hat ja bisher niemand gesagt, dass es im Süden einen Ausfall von Kraftwerken und somit einen unerwartet hohen und nicht mit dem normalen Kraftwerkspark zu befriedigenden Strombedarf gab.
Warum also sollten die Nord-Süd-Trassen durch den norddeutschen Windstrom heute überlastet werden, wenn gar kein erhöhter Transportbedarf vorhanden oder zu erwarten war?

Bei viel Windstrom in Norddeutschland müssen einfach nur die dortigen Braunkohlekraftwerke gedrosselt werden und weniger Kohle verbrennen.
Das täte dem Stromnetz gut und auch der Umwelt.
Schließlich ist das ja auch der Sinn der Energiewende: -> dreckigen Strom durch sauberen Strom ersetzen.
Energiewende heißt ja nicht, "volle Pulle Braunkohle verstromen, egel ob man den Strom braucht oder nicht".
Einige Leute haben das mit der Energiewende wohl völlig falsch verstanden.
« Letzte Änderung: 29. Januar 2013, 21:01:28 von superhaase »
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Offline stromhaltig

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Kaltreservekraftwerke wegen Starkwinds angezapft
« Antwort #4 am: 29. Januar 2013, 22:03:51 »
Mir ist der kausale Zusammenhang auch nicht klar... Blindleistung kann über Phasenschieber abgefangen werden und sollten hier erst einmal kein Thema sein. Oder sollen die Kaltreserve kraftwerke tatsächlich Strom aktiv vernichten?
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Re: Kaltreservekraftwerke wegen Starkwinds angezapft
« Antwort #5 am: 29. Januar 2013, 22:39:26 »
Soll das eine Antwort auf meine Fragen sein? .....
Soll das denn eine ernsthafte Frage sein?! Wollen Sie damit nicht andeuten, dass die Vorsorgemaßnahme in Wirklichkeit eine Förderung von Braun- und Steinkohlestrom ist?

Sicherheit und Vorsorge sind unverzichtbar. Ein mehrstündiger Stromausfall bedeutet die Katastrophe im dicht besiedelten Deutschland. Keine Wasserversorgung, kein Handynetz, das Transportwesen fällt aus. Es gibt keinen Diesel, kein Benzin, Pumpen funktionieren nicht, die Kasse schon gar nicht. Kein Zahlungsverkehr, kein Geldautomat  .... Kühlgeräte fallen aus, kein Kaffeeautomat, keine Herdplatte wird heiß. Türen bleiben geschlossen, Fahrstühle bleiben stecken ..usw.. Fast nichts funktioniert ohne Strom. Es herrscht das Chaos.

Dass die zunehmend unsichere, wetterabhängige, d. h. die nicht bedarfsgerechte Stromerzeugung die Netzsicherheit gefährdet ist doch unstreitig. Strom ist zu keinem Zeitpunkt verzichtbar, die Absicherung ist in jede Richtung mindestens mit doppeltem Boden vorzunehmen will man der Verantwortung gerecht werden. Das kostet Geld und das ist der Ursache EE zuzurechnen. @superhaase, Sie wollen immer alles abschalten. Geht das denn? Ist der Starkwind vorbei und die Sonne scheint nicht, dürfen alle Kohlekraftwerke & Co. wieder mit voller Pulle hochgefahren werden. Flexible Gaskraftwerke wurden ja nicht gebaut, sie rechnen sich wegen dem EE-Vorrang nicht mehr. Speicherkraftwerke gibt es nicht oder nur als Blaupause.

Verzichten kann man weder auf die Kohlekraftwerke noch auf die Absicherung (Kaltreserve). Ich denke, die Bundesnetzagentur und die Netzbetreiber nehmen die Verantwortung ernst und vermeiden Blackout-Gefahren wie schon gehabt.

@superhaase, lassen Sie sich das von der Netzagentur oder einem Netzbetreiber erklären wenn Sie das wirklich wissen wollen. Ich nehme Ihnen die Ernsthaftigkeit der Frage nicht ab. Sie wollen als Solaristengeneral von den EE-Problemen ablenken und den Schwarzen Peter den konventionellen Kraftwerksbetreibern unterjubeln. Auf diese Kraftwerke können wir noch lange nicht verzichten. Ob Ihre PV-Anlage liefert oder nicht ist dagegen ohne Belang. ;)

@stromhaltig dto. hier lesen: Polen und Tschechien bauen deshalb Phasenschieber an der Grenze ein

Offline stromhaltig

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Re: Kaltreservekraftwerke wegen Starkwinds angezapft
« Antwort #6 am: 29. Januar 2013, 23:46:15 »
So, meine Spekulation auch hinsichtlich Tschechien und Phasenschieber habe ich nun in einem Blog-Post zusammengefasst:
http://blog.stromhaltig.de/2013/01/ruckgriff-auf-kaltreserve-wegen-zuviel-strom/. Dort auch eine kleine Einordnung der genannten Mengen.

Aktuell ist zumindest bei mir noch viel Spekulation...
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Offline superhaase

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Re: Kaltreservekraftwerke wegen Starkwinds angezapft
« Antwort #7 am: 30. Januar 2013, 08:35:45 »
Strom ist zu keinem Zeitpunkt verzichtbar, die Absicherung ist in jede Richtung mindestens mit doppeltem Boden vorzunehmen will man der Verantwortung gerecht werden. Das kostet Geld und das ist der Ursache EE zuzurechnen.
Das ist Unfug.
Diese Absicherung und die bereitzustellende Kraftwerksleistung, die nur zeitweise zum Einsatz kommt, gab es schon immer. Das ist abolut nichts neues. Dies ist also keineswegs nur den EE zuzurechnen, sondern schon immer Tatsache.

Zitat
@superhaase, Sie wollen immer alles abschalten. Geht das denn? Ist der Starkwind vorbei und die Sonne scheint nicht, dürfen alle Kohlekraftwerke & Co. wieder mit voller Pulle hochgefahren werden.
Klar geht das. Steinkohlekraftwerke sind Mittellastkraftwerke, die üblicherweise täglich hoch- und runtergefahren werden. Auch Braunkohlekraftwerke werden hoch- und runtergefahren, allerdings nicht täglich, sondern über etwas längere Zeiträume.
Ich darf Sie also beruhigen: Es ist nicht nur möglich, sondern sogar üblich.

Zitat
Flexible Gaskraftwerke wurden ja nicht gebaut, sie rechnen sich wegen dem EE-Vorrang nicht mehr.
Erstens gibt es genügend alte Gaskraftwerke, und zweitens würden sich auch neue Gaskraftwerke lohnen, wenn man die Braunkohledreckschleudern bei ausreichend EE-Strom für mehrere Tage runterfahren würde, statt deren nicht benötigten Strom ins Ausland zu drücken und so die Nachbarn zu ärgern (siehe Polen und Tschechien).
Auf diese Weise würden die täglichen Lastschwankungen wieder mit Gaskraftwerken ausgeglichen, statt über schwankenden Stromexport.

Zitat
Speicherkraftwerke gibt es nicht oder nur als Blaupause.
Doch, die gibt es: Norwegen. Die Anbindung der riesigen norwegischen Speicherkapazitäten scheint ja jetzt mit der ersten NorGer-Verbindung langsam in Gang zu kommen.

Zitat
Verzichten kann man weder auf die Kohlekraftwerke noch auf die Absicherung (Kaltreserve). Ich denke, die Bundesnetzagentur und die Netzbetreiber nehmen die Verantwortung ernst und vermeiden Blackout-Gefahren wie schon gehabt.
Niemand fordert den Verzicht auf Kaltreserve.
Es wäre nur interessant, warum diese Kaltreserve in diesen Tagen aktiviert wurde, wo es doch gar nicht so kalt ist und gar nicht so viel Strom gebraucht wird. Die in der Presse verbreitete Begründung bezgl. des großen Windstromangebots ist ja alles andere als verständlich.
Daher meine Frage, wie dies widerspruchsfrei begründet werden kann.

Zitat
@superhaase, lassen Sie sich das von der Netzagentur oder einem Netzbetreiber erklären wenn Sie das wirklich wissen wollen.
Mach ich doch: ich hab hier den Netzbeteiber gefragt. Leider hat er bisher noch nicht geantwortet. Vielleicht recherchiert er ja noch. ;)

Zitat
Ich nehme Ihnen die Ernsthaftigkeit der Frage nicht ab.
Das interessiert nun wirklich niemanden.  :P

Zitat
Sie wollen als Solaristengeneral von den EE-Problemen ablenken und den Schwarzen Peter den konventionellen Kraftwerksbetreibern unterjubeln.
Genau anders herum ist es:
Die Netzbetreiber und die Stromkonzerne versuchen, ihre Probleme (siehe Reservekraftwerksaktivierung im letzten Jahr: Atomkraftwerksausfall, unnötige Exportverpflichtungen) der Windkraft in die Schuhe zu schieben.
Das haben sie letztes Jahr gemacht, und nun tun sie es offensichtlich wieder, weil die gegebene Begründung auf den ersten Blick unsinnig ist.
« Letzte Änderung: 30. Januar 2013, 08:40:38 von superhaase »
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Offline hko

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Re: Kaltreservekraftwerke wegen Starkwinds angezapft
« Antwort #8 am: 30. Januar 2013, 11:37:00 »
Zitat
Speicherkraftwerke gibt es nicht oder nur als Blaupause.
Doch, die gibt es: Norwegen. Die Anbindung der riesigen norwegischen Speicherkapazitäten scheint ja jetzt mit der ersten NorGer-Verbindung langsam in Gang zu kommen.
Die gibt es hier in Deutschland, wo sie doch dringend gebraucht werden, noch nicht. Die Anbindung an die "riesigen norwegischen Speicherkapazitäten" liegt in der Zukunft, der letzte mir bekannte Termin ist 2018.

Gruß hko

Offline superhaase

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Re: Kaltreservekraftwerke wegen Starkwinds angezapft
« Antwort #9 am: 30. Januar 2013, 11:58:50 »
Die gibt es hier in Deutschland, wo sie doch dringend gebraucht werden, noch nicht.
Derzeit werden sie noch nicht so dringend gebraucht. Es gibt ja genügend andere Kraftwerke, die die Schwankungen von Erzeugung und Verbrauch ausgleichen.
Wirklich dringend wird der Speicherbedarf erst, wenn der EE-Stromanteil noch deutlich steigt und wenn man vermehrt konventionelle Kraftwerke endgültig stilllegen will. Bis dahin ist aber noch Zeit.

Das hat aber jetzt nicht wirklich mit dem Thema des Threads zu tun.
Ich hätte immer noch gerne eine nachvollziehbare Erklärung, warum und wie man einen Stromüberschuss im Norden mit einem Stromüberschuss im Süden kompensieren will, und wo dann der ganze überschüssige Strom hin soll.
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Offline superhaase

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Re: Kaltreservekraftwerke wegen Starkwinds angezapft
« Antwort #10 am: 30. Januar 2013, 12:40:19 »
Wusste ich es doch:
Der Export von Strom ist der Grund für die Aktivierung der Reservekraftwerke.

Die Windkrafteinspeisung trägt keinerlei Schuld daran, sie ist nur der Auslöser für den Blödsinn in einem pervertierten Marktsystem.  >:(

Ich habe inzwischen eine etwas bessere Erklärung des Sachverhalts gefunden, die wohl dem eigentlichen Problem näher kommt:
http://www.proplanta.de/Agrar-Nachrichten/Energie/Turbulenzen-Stromnetz_article1359540455.html

Zitat daraus:
Zitat
Die Prognosen hatten eine Produktion von bis zu 24.000 Megawatt Windstrom vorausgesagt. An der Leipziger Strombörse fielen die Preise für den kurzfristigen Stromeinkauf für Dienstag auf bis zu 0,8 Cent je Kilowattstunde, normal sind etwa 5 Cent. Im Norden wie im Süden wurde daher reichlich Strom eingekauft. [...] Aber auch die Einkäufer im Süden müssen ihren Strom geliefert bekommen.
[...]
Am Dienstagmorgen stieg die Windproduktion auf 22.106 Megawatt - das entspricht fast der Leistung von 20 Atomkraftwerken. Die Ironie an diesem Tag, an dem österreichische Reservekraftwerke Strom nach Deutschland lieferten: Weil der Strom in Deutschland so billig war, kaufte auch das Ausland kräftig ein. Mit teils mehr als 7.000 Megawatt ging der meiste Strom nach Österreich. Das verleitet Hauke Hermann vom Öko-Institut zu dem Fazit: «Österreichische Reservekraftwerke werden gebraucht, um die Exporte nach Österreich zu decken.»

7000 MW gingen also als Export allein nach Österreich, in die Schweiz gingen zeitgleich ebenfalls etwa 2000 MW.
Um diese Exporte garantieren zu können, forderte man also die Aktivierung der Reservekraftwerke mit rund 1250 MW an.
Da nun die Reservekraftwerke offenbar recht teuer Strom erzeugen, jedenfalls erheblich teurer als der niedrige Börsenstrompreis, aufgrund dessen die Ausländer den deutschen Strom ja in so großen Mengen einkauften, und da die Kosten für die Reservekraftwerke offenbar in den deutschen Netzentgelten aufgehen, bedeutet das als Endergebnis:

Der deutsche Stromverbraucher subventionierte gestern und heute offenbar den Verkauf von Strom aus süddeutschen und österreichischen (!) Reservekraftwerken an Österreicher und Italiener.

Was ist das denn für ein krankes System?  >:(

Es müssen dringend die Bedingungen so geändert werden, dass bei viel EE-Strom im deutschen Netz der Stromexport nicht zu solchen schwachsinnigen Folgen führt.
Mein Vorschlag: Die volle EEG-Umlage auf exportierten Strom erheben.
Bei negativen Börsenstrompreisen sollte sich diese Export-EEG-Umlage um 50% des negativen Preises erhöhen.
Das löst viele Probleme gleichzeitig:
  • Die übermäßigen deutschen Stromexporte aus dreckigen Braunkohlekraftwerken oder auch österreichischen (!) Ölkraftwerken gehen stark zurück. Deutscher Strom wir nur noch zu relativ hohen Preisen exportiert, wenn im Ausland Strommangel herrscht und man dort hohe Preise zu zahlen bereit ist. Da werden sich alle Regierungen und Stromerzeuger der Nachbarländer freuen, die sich heute über die regelmäßigen Billigstromschwemmen aus Deutschland aufregen (z.B. Polen und Tschechien).
  • Die CO2-Bilanz Deutschland verbessert sich. Die Umwelt wird entlastet, weil die Brauchkohle-Dinosurier desöfteren gedrosselt werden und nicht so viel Strom exportieren werden.
  • Der deutsche, nicht-privilegierte Stromverbraucher wird deutlich entlastet, da die Bördernstrompreise wieder steigen werden, wenn die Braunkohlekraftwerke häufiger deutlich gedrosselt werden müssen und statt dessen wieder vermehrt Steinkohle und Gaskraftwerke an der EEX preisbestimmend werden. Dadurch wird die EEG-Umlage deutlich sinken. Auch die Beteiligung der ausländischen Stromabnehmer an der EEG-Umlage wird für eine Senkung der EEG-Umlage sorgen.
    Moderne Gaskraftwerke werden in Deutschland wieder rentabel, weil deren Einsatzzeiten stark zunehmen, wenn die Braunkohle-Dinosaurier mangels Exportchancen häufiger gedrosselt oder abgeschaltet werden.
  • Der Deutsche Stromverbraucher subventioniert mit seiner EEG-Förderung nicht mehr den Strom im Ausland.

Spricht etwas dagegen, außer dass die Großindustriestrompreise wieder ein normales höheres Niveau erreichen und die großen Stromkonzerne weniger Geld scheffeln mit ihren Braunkohle- und Atomkraftwerken?

Wie es sich nun langsam herausstellt, haben uns die Netzbetreiber wieder einmal belogen:
Nicht die starke Windstromeinspeisung macht den Einsatz von Reservekraftwerken nötig, um "im Süden dagegenzuhalten", wie schwachsinnigerweise verbreitet wurde.
Nötig wurde der Einsatz aufgrund exorbitanter Exportverpflichtungen nach Süden, die man ohne Rücksicht auf die Netzsituation einging, weil man sich das Drosseln oder Abschalten von Braunkohle- oder Atomkraftwerksblöcken für 2 oder 3 Tage im Norden sparen will.
« Letzte Änderung: 30. Januar 2013, 17:50:09 von superhaase »
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Re: Kaltreservekraftwerke wegen Starkwinds angezapft
« Antwort #11 am: 30. Januar 2013, 13:16:53 »
@superhaase, hoffentlich sind Sie und ihre Anhänger nie zuständig für die Netzsicherheit. Wen subventioniert denn der "Deutsche Stromverbraucher" mit seiner EEG-Förderung? Vor dem Ausland kommen mit weitem Abstand zuerst die Solaristen, die die höchsten Einspeisevergütungen kassieren.   

@all, vielleicht hilft das Wasserbeispiel.
Man stelle sich ein großes Wassernetz mit vielen Zapfstellen und dezentralen Einspeisungen vor, dort wo sich viele und große Zapfstellen befinden. So ist immer ein ausreichender Druck gewährleistet um alle Zapfstellen zu jeder Zeit mit Wasser zu versorgen. Der so immer angemessene Druck überlastet die Leitungen nicht.

Jetzt kommt ein Einspeiser im Norden und will ab und zu den gesamten Wasserbedarf alleine an einer Stelle mit Druck einspeisen. Allen anderen Einspeisern wird dann das Einspeisen verboten.
 
Platzen da nicht im Norden irgendwann die Leitungen und die gesamte Versorgung ist im Eimer? 

Zitat
blog.stromhaltig Warum nicht eine Pressemitteilung: Heute Nacht zwischen 01:00 und 03:00 Uhr – Strom kostenlos? – Richtig, weil man keine Abschätzung hat, was ein solcher Aufruf eigentlich verursachen würde.

@stromhaltig, man braucht den Aufruf nicht, dass passiert bereits und die "Verursachung" ist auch bekannt. Oder an wen soll denn der Strom nach Ihrer Meinung verschenkt werden?

Selbst nicht erzeugter Strom wird vergütet. Ist Ihnen nicht klar, dass der veschenkte Strom von den nicht privilegierten Verbrauchern zusätzlich bezahlt werden muß. Die Haushaltsstromverbraucher zahlen die Einspeisevergütung über die EEG-Umlage immer, auch dann wenn sie Strom überhaupt nicht verbraucht haben. Es soll sogar schon Negativpreise gegeben haben, die dann nochmal zu Buche schlagen.

Der Strom wird in die Schweiz oder nach Österreich zum verlustreichen Vollpumpen der Speicher verschenkt. Dieser EE-Strom wird dann wieder teuer zurückgekauft, oft noch mit Aufschlag als grün zertifizierter Wasserstrom.

Toll diese Energiewende zu Lasten der einfachen Verbraucher zu Gunsten von Profiteuren. Warum haben wir denn mit die höchsten und weiter steigenden Strompreise in Deutschland. Weil das mit dieser Energiewende alles so toll ist oder weil damit Profitorientierung, verkappter Regional- und Industrieförderung Missbrauch betrieben wurde?! Eine unheilige Allianz zwischen Profit und Ideologie. Der Dumme ist immer der Verbraucher er soll jede Zeche bezahlen. Wird an der Vergütung gekratzt, entdecken die EEG-Nutzniesser, wie man lesen kann, schnell das Grundgesetz, sonst spielt das keine Rolle?

Offline superhaase

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« Antwort #12 am: 30. Januar 2013, 15:19:23 »
@superhaase, hoffentlich sind Sie und ihre Anhänger nie zuständig für die Netzsicherheit. Wen subventioniert denn der "Deutsche Stromverbraucher" mit seiner EEG-Förderung? Vor dem Ausland kommen mit weitem Abstand zuerst die Solaristen, die die höchsten Einspeisevergütungen kassieren.
Das ist ja der Sinn des EEG: Förderung von erneuerbaren Energien in Deutschland, bis diese marktreif sind.
Wenn also die Windkraftwerke und die PV-Anlagen das EEG-Geld bekommen, ist das genau im Sinne des Erfinders.

Es ist hingegen keineswegs im Sinne des Erfinders, wenn ausländische Stromabnehmer die Vorteile der deutschen Energiewende nutzen können (billige Börsenstrompreise), ohne sich an den Kosten derselben über die EEG-Umlage zu beteiligen.
Insbesondere ist es nicht akzeptabel, wenn es das geltende System erlaubt, Braunkohlestrom in einem solchen Ausmaß zu exportieren, dass zur Sicherstellung der Exporte dann Kaltreservekraftwerke angefahren werden müssen, wobei die Kosten dafür von den nicht-privilegierten Stromverbrauchern über die Netzentgelte getragen werden müssen.
Das ist ein Konstruktionsfehler der aktuellen Rahmenbedingungen.
Das wollen Sie doch nicht etwa gut heißen?

Zitat
@all, vielleicht hilft das Wasserbeispiel.
Man stelle sich ein großes Wassernetz mit vielen Zapfstellen und dezentralen Einspeisungen vor, dort wo sich viele und große Zapfstellen befinden. So ist immer ein ausreichender Druck gewährleistet um alle Zapfstellen zu jeder Zeit mit Wasser zu versorgen. Der so immer angemessene Druck überlastet die Leitungen nicht.

Jetzt kommt ein Einspeiser im Norden und will ab und zu den gesamten Wasserbedarf alleine an einer Stelle mit Druck einspeisen. Allen anderen Einspeisern wird dann das Einspeisen verboten.
 
Platzen da nicht im Norden irgendwann die Leitungen und die gesamte Versorgung ist im Eimer? 
Es ist ja nicht so, dass ein einzelner Einspeiser an einer einzige Stelle den gesamten Wasserbedarf einspeisen will.
Richtig wäre der Vergleich so:
Viele Einspeiser mit besonders umweltfreundlich gewonnenem Wasser wollen an vielen Stellen in Norddeutschland einspeisen.
In Süddeutschland ändert sich an der Einspeise- und Verbrauchslage nichts.
Es müssten also nur die Einspeiser in Norddeutschland mit umweltschädlich auf "konventionelle Art" gewonnenem Wasser ihre Einspeisung drosseln, und alles wäre im Lot.
Nun wollen aber die konventionellen Einspeiser doch auch weiter Geschäft machen und verkaufen ihr Wasser ganz billig nach Österreich, Italien und die Schweiz. Leider sind nun die Leitungen von Nord nach Süd aber bis zu ihrer Kapazitätsgrenze ausgereizt, so dass man schon den möglichen Ausfall nur einer einzigen süddeutschen Wasserquelle nicht mehr durch weiteren Wassertransport von Nord nach Süd kompensieren kann und so die eingegangenen Lieferverpflichtungen nach Österreich und Italien nicht mehr sicher erfüllen kann. Da in so einem Fall Vertragsstrafen drohen, zapft man nun Reservequellen in Österreich an, die sehr teueres Wasser liefern, um die versprochenen billigen Lieferungen in Österreich abzusichern.
Diese Aktivierung der Reservequellen und deren Wasser (falls gebraucht) lässt man sich nun von den deutschen Wasserverbrauchern bezahlen.

Genau so hat es sich letztes Jahr im Februar abgespielt, und genau so geschieht es diese Tage wieder.
Die Netzbetreiber und die Stromkonzerne aber verkaufen uns über die Presse das Märchen, man müsste einer starken Windstromeinspeisung in Norddeutschland eine stärkere Einspeisung im Süden entgegenstellen, "damit das Stromnetz nicht in Schieflage" gerät.
Das ist Verarschung der Bevölkerung in Reinkultur.

Zitat
Der Strom wird in die Schweiz oder nach Österreich zum verlustreichen Vollpumpen der Speicher verschenkt. Dieser EE-Strom wird dann wieder teuer zurückgekauft, oft noch mit Aufschlag als grün zertifizierter Wasserstrom.
Der Strom aus erneuerbaren Quellen hat in Deutschland per Gesetz Vorrang. Es gab bisher zu keiner Sekunde mehr EE-Stromangebot als Nachfrage. EE-Strom wurde also noch nie verschenkt oder mit negativen Preisen ins Ausland gedrückt.

Bisher wurde ausschließlich konventioneller Strom aus Braunkohle- und Atomkraftwerken ins Ausland verschenkt oder sogar mit negativen Preisen verschleudert, weil es sich für die Kraftwerksbetreiber nicht rechnet, die äußerst trägen Grundlastkraftwerke für wenige Stunden oder einen halben Tag zu drosseln (Kosten für das Runterfahren und Hochfahren sind bei diesen "Grundlastkraftwerken" erheblich). Da zahlt man lieber vorübergehend negative Preise.
« Letzte Änderung: 30. Januar 2013, 15:58:30 von superhaase »
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Erfolgsstrory Solarförderung
« Antwort #13 am: 30. Januar 2013, 16:25:31 »
Das ist Verarschung der Bevölkerung in Reinkultur.
Da mag sein, Solaristen können das am Besten, jahrelang praktiziert und geübt bis zur Perfektion. @superhaase, wie gehabt, als Solarist erklärt man sich die Sachlage immer so, dass es zur eigenen Religion passt. Wahrheit sieht anders aus.

Erfolgsgeschichte Solar - eine Kapitalvernichtung ohne Ende Die Fortsetzung läuft .... Sonnenkönig will jetzt auch den Schuldenschnitt. Athen hat man den "freiwilligen Schuldenschnitt" ja auch durchgehen lassen.

Solange man Dumme findet die die Zeche widerstandslos bezahlen wird das böse Spiel weitergetrieben. Bis jetzt sind es am Ende der Kette immer die Verbraucher. Mancher Kapitalgeber ist jetzt auch der Dumme, aber als Aktionär hat er sich ja in das Sonnenkönigreich selbst eingekauft und den diversen Sonnenkönigen gehuldigt.

Wenn sich BM Altmaier jetzt nicht mit dem bescheidenen Ansatz durchsetzt, werden die Strompreise zum Politikum, Parteifarbe hin oder her. "Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht" sagt das Sprichwort. 

Offline Energiesparer51

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Re: Kaltreservekraftwerke wegen Starkwinds angezapft
« Antwort #14 am: 30. Januar 2013, 16:30:40 »
Das Ganze funktioniert nur, weil der nichtprivilegierte Stromverbraucher mit der EEG-Umlage nicht nur die Einspeisung der Erneuerbaren finanziert sondern auch den Preisverfall an der Strombörse, von dem die privilegierten Verbraucher profitieren, kompensiert. Hier müssten tatsächlich Änderungen am Umlageverfahren her, die den Preisverfall an der Strombörse stoppen und damit auch die Wirtschaftlichkeit flexibler Gaskraftwerke wieder verbessern würden. Die EEG-Umlage könnte sinken, ohne die privilegierten Stromverbraucher daran wieder mehr zu beteiligen. Hier will Altmeier aber scheinbar nicht ansetzen. Ob das wohl damit zusammenhängt, dass dann der Strom für die Industrie wieder teuer würde ohne dass man die Erneuerbaren dafür verantwortlich machen könnnte?
« Letzte Änderung: 30. Januar 2013, 17:18:22 von Energiesparer51 »
Trau keinem Pseudowissenschaftler!

 

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