Autor Thema: Stadtwerke-Gasbezug aktuell ohne Ölpreisbindung  (Gelesen 3460 mal)

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Offline RR-E-ft

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Stadtwerke-Gasbezug aktuell ohne Ölpreisbindung
« am: 01. Juli 2007, 18:26:40 »
In Jena wollten die Stadtwerke ihre Gaspreise 1: 1 an ihre Vorlieferantenpreise koppeln, so dass die Erdgaspreise in sog. Sonderabkommen an die quartalsweise Entwicklung von HEL gekoppelt wurden.

Seit 2005 gab es auch Fixpreise.

Bald hatte sich herausgestellt, dass diese Preisformeln die Entwicklung der Bezugspreise nicht zutreffend abbilden.

Deshalb wurden günstigere \"Sonderverträge plus\" angeboten. Wer in den Genuss der günstigeren Gaspreise kommen wollte, sollte wieder ein umfangreiches Vertragswerk unterschreiben.

Gaspreise und Bindungen Sonderabkommen alt und Sonderabkommen plus unterscheiden sich.

Man beachte dabei, dass die Stadtwerke die Erdgassteuer in Höhe von 0,55 ct/ kWh nie vollständig zu tragen hatten, sondern der Vorlieferant immer einen Rabatt darauf gewährte, der auch an die Kunden weitergegeben werden soll. Im Oktober 2006 habe dieser Preisnachlass immerhin 0,2812 Ct/ kWh betragen.

Andere Versorger verweisen indes darauf, in den Preisen sei die Erdgassteuer vollständig enthalten. Womöglich sacken also andere Versorger 0,2812 Ct/ kWh (netto) als zusätzliche Marge ein.

Nunmehr hat sich herausgestellt, dass auch die \"Sonderabkommen plus\"- Verträge die Entwicklung der Gasbeschaffungskosten auf dem lieberaliserten Markt nicht zuztreffend abbilden.

Nunmehr können die Stadtwerke ihren Gasbezug ausschreiben und sich dabei ganz offensichtlich für einen Gasbezug ohne Ölpreisbindung entscheiden. Dies haben sie nach eigenen Angaben auch getan und kamen dabei weit günstiger weg als in den Altverträgen.

Deshalb gibt es jetzt noch einmal günstigere \"JenaGas- Verträge\".


Zitat
Da Experten derzeit einschätzen, dass bis Ende 2008 mit einem Anstieg des Ölpreises von mehr als 10 Prozent zu rechnen ist, haben sich auch die Stadtwerke für einen Gas-Liefervertrag mit Festpreisgarantie entschieden und empfehlen auch ihren Kunden den Festpreis mit gutem Gewissen weiter. Ausgeschrieben hatten die Stadtwerke ihren Gaseinkauf unter 12 international tätigen Importeuren und Großhändlern. Die erzielten günstigeren Einkaufskonditionen geben sie nun an ihre Kunden weiter.

Weil sich wohl auch darin die Entwicklung der Bezugs- und der Netzkosten nicht zutreffend in Formeln abbilden lassen, wird man den Kunden vermutlich - wie bisher alle Nase lang - vollkommen neue umfangreiche Vertragswerke anbieten, ohne Bestandskunden ohne Vertragsveränderung in den Genuss gesunkender Netz- und Beschaffungskosten kommen zu lassen.

Solche gesunkenen Netz- und Beschaffungskosten finden sich in automatischen  Preisformeln in den bisherign Sonderabkommen, egal ob alt oder neu, nun einmal nicht wieder.

Diese Sonderabkommen sind  deshalb völlig  ungeeignet, die Beschaffungssituation der Stadtwerke auf dem liberalisierten Erdgasmarkt wie auch die Netzkosten noch weiter abzubilden. Die darin verwendeten Preisformeln müssen deshalb als vollkommen willkürlich erscheinen.


Andernorts wird es nicht anders sein. Wer immer noch auf Bezugsverträge mit automatischer Preisanpassung an HEL- Preise verweist, hat einfach bestehende Marktchancen nicht wahrgenommen.

Zwar gehören die Jenaer Stadtwerke zum sog. Forum Erdgas. Dieses weist indes nicht darauf hin, dass die alten Verträge und Vertragsmodalitäten nicht mehr gelten und für die Ortsgasunternehmen nicht mehr bindend sind.

Wer seinen Gasbezug regelmäßig im Wettbewerb ausschreibt, für den kann es gar keine feste Kopplung geben.

Weitere Infos

Zitat
Ein Konstant-Vertrag ist gegenüber dem Preis für das bisher günstigste Modell \"Sonderabkommen plus\" noch mal um vier Prozent günstiger. Eine Kilowattstunde kostet 5,24 Eurocent, was bei einem Jahresverbrauch von 20 000 Kilowattstunden eine Ersparnis von 150 Euro bedeutet.
\"Nachdem wir über Jahre alle drei Monate einen höheren Preis an unsere Kunden weitergeben mussten, können wir nun mal eine Preisverschiebung in die andere Richtung verkünden\", sagte gestern Till Noack, Geschäftsführer der Stadtwerke. Er nannte zwei Gründe für den gesunkenen Preis fürs Gas. Zum einen sinken die Netzentgelte per Beschluss der Bundesnetzagentur. Zum anderen sei es den Stadtwerken gelungen, nach vielen Verhandlungen sehr günstig Gas einzukaufen.

 

Der Verein für gerechte Energiepreise