Autor Thema: Schneechaos - und die Kosten?  (Gelesen 41520 mal)

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Offline biene

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Schneechaos - und die Kosten?
« am: 28. November 2005, 12:00:45 »
@ forum

nachdem ja immer noch das Schneechaos im Münsterland ist und die Strommasten da ja umgeknickt sind wie Streichhölzer -  

wer  kommt da eigentlich für diese hohen Schäden auf - wird das auch wieder auf die Endverbraucher weitergegeben?

Gruß Biene

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Schneechaos - und die Kosten?
« Antwort #2 am: 28. November 2005, 14:28:51 »
Quelle: www.strom-magazin.de (Professionals)

BEI STROMVERSORGERN
28.11.2005, 12:50 Uhr

Winterlicher Stromausfall: Bundesnetzagentur prüft Versäumnisse

Nach immer sind viele Menschen im Münsterland ohne Strom, der zuständige Energieversorger RWE arbeitet mit Hochdruck an zumindest einer provisorischen Stromversorgung. Die Bundesnetzagentur gab unterdessen bekannt, mögliche Versäumnisse der Versorger in diesem Zusammenhang zu überprüfen.
   

Bonn (ddp/sm) - Die Bundesnetzagentur wird nach den tagelangen Stromausfällen im Münsterland mögliche Versäumnisse bei den Versorgern überprüfen. Derzeit werde ein Schreiben erarbeitet, um sich von den Versorgern über die Geschehnisse in Nordrhein-Westfalen \"im Detail informieren\" zu lassen, sagte der Referatsleiter Energie bei der Bundesbehörde, Wolfgang Vedder, am Montag auf Anfrage in Bonn.

Die Stromversorger und Energieunternehmen seien verpflichtet, größere Störungen in ihrem Netz an die Bundesnetzagentur in Bonn zu melden, hieß es weiter. Sollte die Netzagentur feststellen, dass Versäumnisse bei den Energieversorgern zu der Störung geführt haben, könne sie gegebenenfalls regelnd eingreifen. Ein unmittelbares Vorgehen der Behörde in Krisenfällen sei allerdings nicht vorgesehen, betonte Vedder.

Die Bundesnetzagentur besitzt als oberste Bundesbehörde zur Durchsetzung der Regulierungsziele auch Informations- und Untersuchungsrechte sowie abgestufte Sanktionsmöglichkeiten.

RWE hat Schadensersatzzahlungen wegen des Stromausfalls im Münsterland unterdessen ausgeschlossen. Diese seien nur möglich, wenn Vorsatz oder Fahrlässigkeit vorliege, sagte RWE-Sprecher Sebastian Ackermann am Montag auf ddp-Anfrage. Beides sei nicht gegeben. Die Stromausfälle seien vielmehr wegen der Witterung und daher aufgrund von höherer Gewalt entstanden.



Anmerkung:

Zu der Frage, was unter \"höherer Gewalt\" zu verstehen ist, gibt es eine umfangreiche Rechtsprechung. Man kann getrost die Frage stellen, ob die eingetretenen Ereignisse tatsächlich darunter subsumiert werden können.

Erinnert sei etwa an den Eisregen der in Kanada im Januar 1998 ganze Regionen, darunter Montreal für mehrere Tage von der Stromversorgung abschnitt.

Spätestens seit dem ist bekannt, dass die bestehenden Freileitungsnetze durchaus solchen Gefahren ausgesetzt sein können. Auch wenn dafür notwendige extreme Wetterlagen bisher selten vorkamen, so sind diese doch nicht völlig auszuschließen, so dass man mit ihnen durchaus, wenn auch mit geringer Wahrscheinlichkeit rechnen muss.

Ein höherer Verkabelungsgrad ist kurzfristig teuer, könnte sich jedoch langfristig als günstiger erweisen.

Zudem könnte man an den Abschluss entsprechender Versicherungen denken.

Wie das Bundeskartellamt im TEAG- Fall herausgearbeitet hatte, sollen wohl in die Netznutzungsentgelte sowohl die Kosten für Versicherungsprämien und zudem noch Wagniszuschläge einkalkuliert sein.

Hat man als Kunde hierfür jedoch mit den Stromentgelten einen Beitrag geleistet, dann sollte wohl auch Schadensersatz an die Kunden geleistet werden, wenn der wenig wahrscheinliche, aber nicht  völlig unmögliche, nicht völlig unvorhersehbare Fall der Fälle eintritt.
 



Freundliche Grüße
aus Jena



Thomas Fricke
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Offline Marco

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Offline biene

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Schneechaos - und die Kosten?
« Antwort #5 am: 28. November 2005, 17:52:39 »
@ Fricke

Hallo Herr Fricke,

das wird ja sicher interessant werden....   :wink:
Danke für den Link!

Ich kann nicht verstehen, dass solche Masten so in sich zusammensacken - dann müsste das doch eigentlich jedes Jahr - wie in den Schneeburgen( Bayern, Österreich) auch sein - oder sind die anders gebaut?

Gruß Biene

Offline RR-E-ft

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Schneechaos - und die Kosten?
« Antwort #6 am: 28. November 2005, 17:58:29 »
http://www.arte-tv.com/de/wissen-entdeckung/Blackout/741584,CmC=741622.html

http://www.udo-leuschner.de/energie-chronik/980114.htm


Bei unserem hohen Strompreisniveau im Gegensatz zu Kanada (4,5 Cent/ kWh) sollte es vielleicht für Verkabelungen statt Freileitungen reichen.

http://www.verivox.de/News/ArticleDetails.asp?aid=12284

http://www.verivox.de/News/ArticleDetails.asp?aid=12282

http://www.verivox.de/News/ArticleDetails.asp?aid=12283

http://www.verivox.de/News/ArticleDetails.asp?aid=12285

Nach einer Mitteilung in der Thüringer Allgemeinen vom 31.10.2004 sollen bei E.On Thüringen, wo Strom und Netzentgelte besonders teuer sind, sogar 15 Prozent des Netzes älter als 60 Jahre sein....

Offline BerndA

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Schneechaos - und die Kosten?
« Antwort #7 am: 28. November 2005, 19:21:37 »
Hallo Mitstreiter,

gibt es eigentlich irgendwo genauere Untersuchungen oder Erhebungen, um wieviel teurer eine erdgebundene Verkabelung gegenüber der \"Freileitungsalternative\" tatsächlich ist ?

Könnte man die EVU´s nicht rechtlich zwingen, für größt mögliche Versorgungssicherheit zu sorgen, ohne das auf ( sogar noch versicherbare ) \"billigere \" Lösungen zurück gegriffen wird ?

Könnten die Energieverbraucher die EVU´s eventuell zu mehr Investitionen zwingen ?

Angenommen, man ist wiedermal hilflos diesem \"Oligopol \" ausgeliefert, könnten sich ganze Gemeinden oder Städte nicht  z. Bsp. durch autarke  Stromerzeugung durch BKHWs oder Ähnlichem unabhängiger  machen ?

Mit freundlichen Grüßen eines \"Überlebenden\" aus dem Münsterland :wink:

B. Ahlers

Offline Cremer

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Schneechaos - und die Kosten?
« Antwort #8 am: 29. November 2005, 00:26:27 »
@Forum,

1.)
Im \"Flachland\" sind vermutlich für die großen Freileitungen (Höchstspannungsebene) mit 220 KV und 380 KV keine Einrichtungen für das Abtauen von Raureif geben oder sie wurden zu spät aktiviert. Das Münsterland ist überdies kein typisches Raureifgebiet.

Es gibt spezielle Abtauanlagen und Einrichtungen für solche Zwecke in den Hoch- und Höchstspannungsnetzen.
Die im Durchmesser ca. 50 bis 60 cm dicken Eisauflagen um den Leiter wiegen bei Feldspannweiten von 400 bis 500m (Mast zu Mast) mehrere Tonnen. Die Maste sind statisch für eine solche zusätzliche Last nicht ausgelegt.

Hier bei uns im Süden gibt es so etwas, weil wir hier im  Hunsrück, Eifel, Taunus große Raureifgebiete haben. Bereits vor 30 Jahren hat das THW das RWE im Hunsrück beim Abtauen logistisch mit Funkverbindungen unterstützt.

2.)
In der Mittelspannungsebene 20KV und 10KV werden Ortschaften versorgt. Bei abgelegenen Ortschaften führt meistens nur eine solche Leitung als Stichleitung hin. Wenn diese durch Baumbruch oder Eis umfällt, ist die Ortschaft ohne Strom.

3.)
Erdleitungen für 110 KV, 220KV und 380 KV gibt es für diese Verwendungen nicht (lange Strecken), weil es ein technisches Problem ist, solche Kabel mit Isolationen sicher herzustellen. Freileitungen sind billiger.

Es gibt zwar eine Art \"Kabelleitung\". Dies sind sogenannte SF6-Leitungen, z.B. in Berlin im Bereich Tiergarten gibt es eine solche von der BEWAG über mehrere Kilometer in einem unterirdischen Tunnel. Dies sind Rohrleitungen mit dem Stromleiter in der Mitte, gefüllt ist dieses Rohrsystem mit SF6. Ist sehr teuer, z.B. die Überwachung von Leckagen.  Hauptanwendungsgebiet sind dies kurze Leitungen in Kraftwerken zwischen Generator und Schaltanlage.
MFG
Gerd Cremer
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Schneechaos - und die Kosten?
« Antwort #9 am: 29. November 2005, 08:56:23 »
@Forum,

zum Schmunzeln, soeben im Radio gehört
was heißt das Kürzel RWE ?

Richtig Wenig Energie
MFG
Gerd Cremer
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« Antwort #10 am: 29. November 2005, 10:32:18 »
http://www.verivox.de/News/ArticleDetails.asp?aid=12295

Stromausfälle: Bundesnetzagentur fordert Aufklärung von RWE

dpa-Meldung, 29.11.2005 (10:16)

Bonn - Die Bundesnetzagentur hat den Versorger RWE zur Aufklärung der massiven Stromausfälle im Münsterland aufgefordert. Ein entsprechendes Schreiben sei an den Konzern gegangen, sagte ein Sprecher der für die Energieregulierung zuständigen Bundesbehörde am Dienstag in Bonn. RWE müsse den Sachverhalt und die Ursachen für den Ausfall untersuchen und darlegen. Bei den bisher folgenschwersten Stromausfällen in Deutschland waren zeitweise 250 000 Menschen in ihren Häusern über Stunden ohne Strom.


mfg
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Schneechaos - und die Kosten?
« Antwort #12 am: 29. November 2005, 12:40:52 »
soeben gefunden:

    
Schnee-Opfer bleiben auf den Kosten sitzen
Verbraucherschützer kritisieren Haftungsbefreiung der Energieversorger - Schäden oft nicht versichert


http://www.welt.de/data/2005/11/29/810359.html

Gruß Biene

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Schneechaos - und die Kosten?
« Antwort #13 am: 29. November 2005, 15:11:20 »
Die entsprechenden Gesetze/ Verordnungen müssen dringend geändert werden. Die Regelung § 6 AVBV ist nicht mehr zeitgemäß.

http://www.energieverbraucher.de/index.php?pre_cat_open=41&id=89&subid=1293&subsubid=1660&content_news_detail=4614&back_cont_id=4044

Am Geld sollte es eigentlich wohl nicht mangeln:

http://forum.energienetz.de/viewtopic.php?t=1941




Freundliche Grüße
aus Jena


Thomas Fricke
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Offline terminator3

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Schneechaos - und die Kosten?
« Antwort #14 am: 29. November 2005, 17:06:04 »
@forum:

Mit Schadenersatz sehe ich auch schwarz. Ich denke auch es war eine Ausnahmesituation in Sachen Schnee & Wetter.

In Zukunft sollten jedoch die Konstruktionen für die \"Stromspargelmasten\" vielleicht ein wenig verstärkt werden. Das kostet natürlich wieder...und wer zahlt das wieder....

Aber es könnte auch sein das die RWE in Zukunft anders denkt und vielleicht Ihre Verantwortung in Sachen Versorgung noch etwas mehr verstärkt....  :idea:

gruss t3

 

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