Autor Thema: Falsche Jahresabrechnung, kein Neukundenbonus, Sonderkündigungsrecht  (Gelesen 37374 mal)

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Offline Eni

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Re: Falsche Jahresabrechnung, kein Neukundenbonus, Sonderkündigungsrecht
« Antwort #75 am: 27. August 2014, 04:11:00 »

Kris, da sind derzeit noch zu viele offene Fragen, um da jetzt schon eindeutig Stellung nehmen zu können.

Können Sie diese bitte zunächst noch beantworten:

Wir haben Anfang 2013 vom Grundversorger zu almado gewechselt (Tarif: Grünkraft)

Lieferungsbeginn: 01.07.2013

Stimmt das so, oder war der Lieferbeginn früher? Die Aussagen widersprechen sich etwas.

Verbrauch lt. almado vom 01.07.2013 bis 30.06.2014: 4.274,70 kWh

Was für ein Tarif? Pakettarif oder Verbrauchstarif? Gibt es einen Mindest- und/oder Mehrverbrauchspreis?

Zählerstand zum 30.06.2014 wurde von uns nicht an almado mitgeteilt, da nicht gefordert. War das richtig? Ist der Verbrauch dann eine Schätzung?

Es ist davon auszugehen, dass der Verbrauch eine Schätzung ist. Eigentlich sind die Anbieter aber verpflichtet mitzuteilen, ob geschätzt wurde. Genauso üblich ist allerdings, dass Almado dies nicht tut. Wenn noch nicht geschehen, dann flux den aktuellen Zählerstand notieren. Falls Sie einen reinen verbrauchsabhängigen Tarif haben, auch im 2. Jahr bei Almado sind UND der Preis gleich bleibt UND es kein Minder-/Mehrverbrauchstarif ist, ist eine Schätzung für Sie erst mal unschädlich. Sie hätten jedoch ein Recht auf eine Abrechnung nach tatsächlichem Zählerstand, denn die Unternehmen sind verpflichtet entweder selbst für die Messung zu sorgen oder den Kunden zur Ablesung aufzufordern. Allerdings nützt ein solche Recht einem nicht viel, wenn der Zählerstand nicht bekannt ist. Die Folge ist, dass bei einem gerichtlichen Verfahren die Schätzung dann ersatzweise durch das Gericht vorgenommen wird. Sollte der derzeitige Zählerstand jedoch erheblich von der Schätzung abweichen, dann würde ich persönlich versuchen Almado zu einer Korrekturabrechnung zu zwingen, in der vom jetzigen Zählerstand aus auf den 30.06.2014 zurückgerechnet wird. Sie müssen dabei aber im Auge behalten, dass eine zu geringe Schätzung wesentlich riskanter ist als eine zu hohe. Wenn zu niedrig geschätzt wurde, und sich dann der Preis erhöht, dann fällt die Preiserhöhung schließlich auch auf Kilowattstunden, die bereits im vergangenen Abrechnungszeitraum verbraucht wurden und eigentlich "preiswerter" waren. Eine zu hohe Schätzung ist nur dann nachteilig, wenn sich daraus ein Mehrverbrauch ergeben hat.

Rechnungsübersicht:
Unsere Leistungen 1.031,21 €
Umsatzsteuer auf Nettoforderung (z. Zt. 19 %)  195,93 €
Zwischensumme (Bruttobetrag) 1.227,14 €

Ist das der vertraglich zugesicherte Betrag oder gab es zwischenzeitlich eine Preiserhöhung?
Wenn ja, wurden Sie über die Preiserhöhung mindestens 6 Wochen vorher in Kenntnis gesetzt?
Wurde bei Vertragsabschluss ein Bonus für Neukunden vereinbart?

Saldo Vertragskonto (i.d.R. Ihre Zahlungen) -1.586,00 €
Insgesamt Fällige Abschläge für den Zeitraum nach Abrechnungsende 244,00 €
Hiernach berücksichtigte Vertragskontobewegungen -1.342,00 €


114,86 € Rechnungssaldo

Hier hängt es jetzt davon ab, wann Sie die Rechnung erhalten haben.

Almado rechnet folgendermaßen:

Insgesamt eingezahlt:  13x122 = 1586,-  (bereits Abschlag Juli gebucht)
Juli war also schon ein "fälliger Abschlag". Ich nehme an, dass Sie die Rechnung aber erst Ende Juli/Anfang August erhalten haben; also wurde auch der August-Abschlag als "fällig" verrechnet. Damit wurden 244,- Euro von der Verrechnung abgezogen und es verbleiben noch die aufgeführten 1342,- Euro. Almado "nimmt" also das bisher eingezahlte Geld und teilt es so auf die vergangene und aktuelle Abrechnungsperiode auf, wie es am vorteilhaftesten für das Unternehmen ist, um so wenig wie möglich tatsächlich auszahlen und so viel wie möglich verrechnen zu können.
Ich weiß, dass dies sehr kompliziert ist - und glauben Sie mir - das hat natürlich auch Methode bei Almado. Es wird bei der Zeile: "insgesamt fällige Abschläge" der Juli-Abschlag einbezogen, der tatsächlich bereits erfolgt ist und auch der August-Abschlag, der noch zu erfolgen hätte. Daher sind Almado-Rechnungen immer inkonsistent, da unter "fällige Abschläge" sowohl bereits gezahlte als auch zu erwartende Abschläge gefasst werden. So wie jetzt die Rechnung erfolgt ist, ist sie allenfalls rechnerisch korrekt, wenn für August kein Abschlag gezahlt wurde. Denn dieser wurde auf diese Weise mit der Jahresabrechnung "verrechnet". Wurde der August-Abschlag abgebucht, dann ist die Rechnung nicht korrekt. Das heißt nicht, dass das Geld für diesen einen Monat "verloren" ist, sondern dass dieser "doppelte" August-Abschlag Ihrem Vertragskonto - und damit Almado's realen Konto - nun bis zur nächsten Abrechnung gutschrieben wird.

Anders ausgedrückt: Almado hat mal kurz freundlich angefragt, "Sie haben doch sicher nix dagegen, wenn wir uns für 1 Jahr 122,- Euro von Ihnen leihen? Wir sind gerade etwas knapp bei Kasse."

Sie müssen hier also noch dringend die Info nachreichen, ob Juli und August ganz normal die 122,- Euro abgebucht wurden.

Kann mir bitte freundlicherweise jemand mitteilen ob die Rechnung von almado so korrekt ist oder ob ich wegen irgendetwas widersprechen muss?

Zur Korrektheit:  siehe oben.

(wobei ich absolut nichts dagegen hätte, wenn noch Jemand anders sich diese Berechnung anschaut und mich ggf. korrigiert. Mich machen diese Almado-Berechnung selbst ganz kirre.  :-[ )

Letzte Fragen:

Haben Sie den Scheck bereits eingelöst? Wann haben Sie die Rechnung erhalten, mit welchem Rechnungsdatum?



Gruß,

Eni

Offline khh

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Re: Falsche Jahresabrechnung, kein Neukundenbonus, Sonderkündigungsrecht
« Antwort #76 am: 27. August 2014, 06:29:26 »
... Wieso veranschlagen die 1586€ (13 Monate) und verrechnen sie mit 2 Monaten Abschlag (2x122=244€)? ...

Hallo Kris,
das ist die altbekannte Masche von almado/365 AG, sich auf sehr fragwürdige Art und Weise Liquidität von den Kunden zu beschaffen >:(:

Im 1. Vertragsjahr wurden 12 Abschläge erhoben, obwohl der im Auftrag angegebene bzw. prognostizierte Verbrauch bereits mit 11 Abschläge voll bezahlt sein dürfte (rechnen Sie es nach!). Die 1.586 € sind die 13 Abschlagszahlungen Juli 2013 bis Juli 2014, wovon die 11 Abschläge Juli 2013 bis Mai 2014 für die Abrechnung des 1. Lieferjahres verwendet wurden (womit almado praktisch die im vorherigen Satz getroffene Aussage bestätigt).

Für das 2. Lieferjahr ab dem 01.07.2014 wurden somit im Ergebnis bereits 1 Abschlag Anfang Juni 2014 und 1 weiterer Anfang Juli erhoben, letztlich also jeweils 1 Monat zu früh, was gem. § 41 Abs. 2 letzter Satz EnWG unzulässig ist. Und mit den ab 01.09. fällig werdenden Abschlägen zahlen Sie im 2. Vertragsjahr dann wieder 12 Abschläge. Ich würde daher im Juni 2015 keinen Abschlag leisten, weil damit die vermutete Grundpreiserhöhung (s.u.) bezahlt wäre!


Bei dem Tarif "Grünkraft" dürfte es sich zwar NICHT um einen Paket-Tarif handeln, aber der vertraglich wohl vereinbarte BONUS 25 % (auf den Anfangspreis, die Arbeitspreiserhöhung ab 1.1.14 wg. Umlagen-Weiterreichung also ausgenommen?) wurde augenscheinlich nicht vergütet. Prüfen Sie das und machen Sie ggf. den Bonusbetrag per Einschreiben-Einwurf mit Fristsetzung 14 Tage für die Abrechnungskorrektur geltend und kündigen Sie für den Fall eines fruchtlosen Fristablaufs eine Beschwerde bei der www.schlichtungsstelle-energie.de an (Muster für dieses Schreiben finden Sie in verschiedenen 365 AG - Threads).

Prüfen Sie außerdem, ob Ihnen  - versteckt in einer mehrseitigen Email (z.B. der SEPA-Email im Herbst 2013?) -  eine drastische Grundpreiserhöhung ab dem 01.07.2014 untergeschoben wurde. Auch dagegen wäre Widerspruch einzulegen, wie oftmals hier im Forum aufgezeigt. Ich würde außerdem vormerken, das Vertragsverhältnis rechtzeitig zum Ablauf des 30.06.2015 zu kündigen!

Gruß, khh


Nachtrag: Verbrauchsschätzungen vermeiden Sie, wenn Sie zu den vertragsrelevanten Terminen, hier also zum Ablauf des jeweiligen Lieferjahres, den Zählerstand unaufgefordert SELBST ablesen und sowohl dem Versorger als auch dem für Sie zuständigen Netzbetreiber mitteilen!
« Letzte Änderung: 27. August 2014, 07:15:34 von khh »
Aussagen zu Rechtsfragen sind als persönliche Einschätzung/Meinung zu verstehen.
Rechtliche Beratung ist allein gesetzlich befugten Personen/Institutionen vorbehalten.

Offline scooter44

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Re: Falsche Jahresabrechnung, kein Neukundenbonus, Sonderkündigungsrecht
« Antwort #77 am: 01. August 2017, 10:37:22 »
Ich wundere mich, dass dieses Unternehmen immer noch am Markt ist!

 

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