Autor Thema: Fernwärmepreise: Kartellamt ermittelt  (Gelesen 3843 mal)

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Offline Wolfgang_AW

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Fernwärmepreise: Kartellamt ermittelt
« am: 07. März 2013, 13:12:45 »
Fernwärmepreise: Kartellwächter ermitteln gegen E-on und RWE

Zitat
Haben die Energieversorger Verbrauchern zu hohe Preise zugemutet? Das Kartellamt geht diesem Verdacht im Bereich der Fernwärme nach. Die Ermittlungen richten sich gegen E.on und RWE und regionale Versorger.

Mit freundlichen Grüßen

Wolfgang_AW
„Es hat sich bewährt, an das Gute im Menschen zu glauben, aber sich auf das Schlechte zu verlassen.“

(Alfred Polgar)

Offline MezzoMan

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Re: Fernwärmepreise: Kartellamt ermittelt
« Antwort #1 am: 06. April 2013, 11:14:21 »
Gute Neuigkeiten - je mehr gegen diese Mafia vorgegangen wird, desto besser. Allerdings glaube ich, dass selbst wenn die Ermittlungen positiv verlaufen, dies nur ein Tropfen auf den heißen Stein bleiben wird.

Offline Will Kane

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Re: Fernwärmepreise: Kartellamt ermittelt
« Antwort #2 am: 16. April 2013, 15:25:40 »
Meines Wissens hat das Kartellamt seine Ermittlungen auf Basis der Durchschnittspreise der einzelnen Versorger (Jahresumsatz Fernwärme geteilt durch jährliche Fernwärmeabsatzmenge ) eingeleitet.

Mit diesem Ansatz kann man zwar relativ schnell einen groben Überblick über die Situation im ganzen Land gewinnen, aber die meisten Fälle von Monopolmissbrauch sind anhand von simplen Durchschnittspreisen nicht zu sehen.

Wenn z.B. ein Versorger die Hälfte seines Umsatzes mit Privatkunden und die andere Hälfte mit Industriekunden macht, dann könnte er der ersten Kundengruppe einen Wucherpreis berechnen und der zweiten Gruppe die Fernwärme zum Selbstkostenpreis verkaufen, ohne dass dies dem Bundeskartellamt anhand des Durchschnittspreises auffallen würde.

Da insbesondere die großen Versorger in der Regel ziemlich gut über die Arbeitsweise der Gesetzeshüter informiert sind, gehe ich davon aus, dass in Zukunft kein einziger dieser Versorger mehr einen auffällig hohen Durchschnittspreis haben wird. Dieser Ermittlungsansatz wird dann komplett zum "zahnlosen Tiger" verkommen.

Der Monopolmissbrauch wird sich dann gänzlich (wie schon heute zum größten Teil) auf einzelne benachteiligte Kundengruppen verlagern und wird bei der Durchschnittspreisberechnung durch niedrige Preise anderer begünstigter Kundengruppen kaschiert sein.

Letztendlich wird uns Privatkunden wahrscheinlich nichts anderes übrig bleiben, als uns gut zu informieren und bei Verdacht selbst die eine oder andere sog. "Bürgereingabe" an die zuständige (Landes-)Kartellbehörde zu schicken, um auf tiefer gehende Ermittlungen zu hoffen.


So long,

WK

Offline jogie56

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Re: Fernwärmepreise: Kartellamt ermittelt
« Antwort #3 am: 14. Mai 2013, 13:56:06 »
Schade nur, dass auch Landeskartellämter den Landesregierungen unterstellt sind; je nach deren Färbung, werden diese dann politisch beeinflusst. Dies kann dann dazu führen, dass Ermittlungen aufgrund "mangelnder Personalkapazitäten" abgelehnt und der Beschwerdeführer auf den Zivilrechtsweg verwiesen wird. Man kann sich zwar dann die Frage stellen, wie die Ämter ihren gesetzlichen Auftrag erfüllen, --aber was nützt es?

Offline Will Kane

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Re: Fernwärmepreise: Kartellamt ermittelt
« Antwort #4 am: 14. Mai 2013, 22:07:14 »
Schade nur, dass auch Landeskartellämter den Landesregierungen unterstellt sind; je nach deren Färbung, werden diese dann politisch beeinflusst. [...] 

Potentiell können alle Ämter und Behörden politisch eingefärbt sein. Egal, ob Bundes- bzw. Landeskartellämter oder auch Staatsanwaltschaften. Insofern besteht immer ein Risiko, dass selbst "berechtigte" Bürgereinwände oder "gerechtfertigte" Strafanzeigen im behördlichen Mülleimer landen. Wenn die Alternative aber darin besteht, einfach nur abzuwarten, ob das Bundeskartellamt etwas aus eigenem Antrieb unternimmt, dann können zusätzliche eigene Aktivitäten in Form eines Bürgereinwands oder einer Strafanzeige sicherlich nicht schädlich sein. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich etwas zum Besseren ändert, wird dadurch zumindest nicht verringert. ;)

Wenn der Fall spektakulär genug ist und alle "behördlichen" Stricke reißen, kann man es zur Not ja bei der Presse versuchen. Bei genügend öffentlichem Druck knickt schon mal die eine oder andere Behörde ein. Allerdings wird der Themenbereich Fernwärmepreise als "staubtrockene Materie" in der Regel von der Presse gemieden. Es sei denn, die damit verbundenen Zahlen haben eine spektakuläre Größenordnung...

 

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