Autor Thema: Prozentuale Boni und Vergleichsportale  (Gelesen 1979 mal)

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Offline Martinus11

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Prozentuale Boni und Vergleichsportale
« am: 08. October 2016, 15:01:48 »
Hallo,
auf http://www.bezahlbare-energie.de wird einerseits empfohlen, Tarife mit Boni zu nehmen und jährlich zu wechseln. Andererseits heißt es dort speziell zu den prozentualen Boni:
"Übergehen Sie im Tarifrechner - auch in unserem Vergleichsrechner - alle Lieferanten, die einen prozentualen Bonus anbieten („25% Bonus“ oder „15% Bonus“). Damit vermeiden Sie unserer Erfahrung nach den meisten Ärger."

Leider ohne nähere Begründung, warum das häufiger Ärger machen soll und warum das insbes. mehr Ärger als ein fest bezifferter Bonus machen soll. Ich meine, eine einfache Prozentrechnung sollte jeder Versorger ebenso wie Kunde hinbekommen.

Mir ist außerdem aufgefallen, dass auf den Seiten der Versorger nach Eingabe von PLZ und kWh meist nur EIN Tarif und dessen Kosten ausgespuckt wird. In der Regel einer ohne Boni. Sind Tarife mit Boni automatisch immer solche, die über Vertriebsabkommen mit den Preisvergleichsportalen entstehen?

Gibt es hier welche, die tatsächlich jährlich wechseln und damit gute Erfahrungen gemacht haben?

Offline Didakt

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Re: Prozentuale Boni und Vergleichsportale
« Antwort #1 am: 09. October 2016, 17:42:54 »
Wer bei der Auswahl eines EVU verbunden mit einem Anbieterwechsel unschlüssig sein sollte, ist gut beraten, den Empfehlungen von www.bezahlbare-energie.de zu folgen; auch hinsichtlich der Boniangebote, und zwar diesbezüglich nicht der Berechnung wegen, sondern aus Erfahrung mit dem teilweise perfiden Abrechnungsprocedere bestimmter Billigheimer.

Viele Versorger bieten auf ihren eigenen Web-Seiten auch Tarife inklusive Boni an. Siehe z. B. Vattenfall Europe Sales GmbH. Nur fallen die bei Buchung über Vergleichsportale, z. B. Verivox, höher aus. Die den Insidern bekannten Gründe dafür kann man beim Versorger problemlos telefonisch erfragen.

Jährliche Anbieterwechsel? Ja, natürlich, um Geld zu sparen! Immer und immer wieder, warum denn nicht?  :)

MfG

Offline Martinus11

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Re: Prozentuale Boni und Vergleichsportale
« Antwort #2 am: 10. October 2016, 14:01:42 »
Wer bei der Auswahl eines EVU verbunden mit einem Anbieterwechsel unschlüssig sein sollte, ist gut beraten, den Empfehlungen von www.bezahlbare-energie.de zu folgen; auch hinsichtlich der Boniangebote, und zwar diesbezüglich nicht der Berechnung wegen, sondern aus Erfahrung mit dem teilweise perfiden Abrechnungsprocedere bestimmter Billigheimer.


MfG

Was für ein perfides Abrechnungsprocedere? Hat das speziell mit Prozent-Neukundenbonus zu tun?
Mit ist nicht klar, wo da der große Unterschied zwischen einem festen Betrag und prozentualem Bonus liegen soll.

Apropos Billigheimer. Lustige Namen haben die manchmal, z.B. Lachgas oder SusiEnergie  :).


Offline Didakt

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Re: Prozentuale Boni und Vergleichsportale
« Antwort #3 am: 10. October 2016, 16:30:26 »
Zitat von: @ Martinus11
Was für ein perfides Abrechnungsprocedere? Hat das speziell mit Prozent-Neukundenbonus zu tun?
Mit ist nicht klar, wo da der große Unterschied zwischen einem festen Betrag und prozentualem Bonus liegen soll.

Einige hier im Forum seit Jahr und Tag bekannte und genannte EVU haben sich als Meister der Perfidie erwiesen und die Töchter eines dieser Spezies in ganz besonderem Maße. Die sollte man als Verbraucher tunlichst meiden. Die Macher von www.bezahlbare-energie.de wissen im Rahmen ihrer Empfehlungen, wovon sie reden.

Diese fraglichen Versorger zeichnen sich insbesondere durch ihre mangelhaften Kenntnisse in der Prozentrechnung aus. >:(  Bis zur Gewährung des vollen ausgelobten und zugesicherten Bonus bedarf es da schon mal einer langen Durststrecke und oftmals mehrerer Widersprüche bis – in einem mir bekannten Fall – hin zu vier erstellten Schlussrechnungen. Die letzte richtige kam erst kurz vor Einschaltung der Schlichtungsstelle. Da kommt Freude auf!  ;)

Offline Energietourist

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Re: Prozentuale Boni und Vergleichsportale
« Antwort #4 am: 11. October 2016, 10:16:43 »
naja so ähnlich ist es doch auch mit dem "Treue Bonus", da steht in vielen AGBs, das es den nach einem Jahr vollständiger Belieferung gibt, aber nicht wenn vor Ablauf von 12 Monaten gekündigt wird!
Das kann man so oder so auslegen, wer nur 12 Monate bei dem EVU bleiben will muss natürlich vor Ablauf dieser 12 Monate kündigen, dann ist immer der Treue Bonus weg. Wer den Treue Bonus haben will muss mindestens 2 Jahre beim EVU bleiben. ich würde da auf alles gefasst sein oder solche Verträge gleich links liegen lassen.

Offline Didakt

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Re: Prozentuale Boni und Vergleichsportale
« Antwort #5 am: 11. October 2016, 11:19:43 »
Das kann man so oder so auslegen, wer nur 12 Monate bei dem EVU bleiben will muss natürlich vor Ablauf dieser 12 Monate kündigen, dann ist immer der Treue Bonus weg. Wer den Treue Bonus haben will muss mindestens 2 Jahre beim EVU bleiben. ich würde da auf alles gefasst sein oder solche Verträge gleich links liegen lassen.

@ Energietourist

Kein Vorwurf gegen Ihre Eingabe, aber so ist halt der Welten Lauf:

Dieser Sachverhalt ist bereits seit drei Jahren zugunsten der Verbraucher eindeutig geklärt und in jener Zeit hier im Forum ausgiebig erörtert worden. „Alte Leute“ wissen jedoch, dass nach geraumer Zeit die alten Kamellen immer wieder in den Raum, sprich ins Forum gestellt werden. Hilfreich könnte die Suchfunktion sein, sie wird aber augenscheinlich kaum genutzt. Also: Nichts für ungut!  ;)

In diesem Zusammenhang verweise ich auf die Schlichtungsempfehlung der Schlichtungsstelle Energie vom 08.03.2013 (Empfehlung zum Kündigungszeitpunkt und Bonusanspruch) sowie auf die BGH-Pressemitteilung Nr. 71/13 vom 17.4.2013 und auf die BGH-Urteile des VIII. Zivilsenats vom17.4.2013 –VIII ZR 246/12-, vom 17.4.2013 –VIII ZR 225/12- und vom 19.06.2013 - VIII ZR 7-13.

Mit diesen Urteilen hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass die Klauseln in der Fassung, wie sie  – u. a. in den Urteilen genannt – von den fraglichen EVU meistens genauso oder ähnlich verwendet werden, für einen juristisch nicht vorgebildeten Kunden ohne weiteres dahin verstanden werden kann, dass ein Anspruch auf den Bonus bereits dann besteht, wenn der Vertrag ‒ wie gemäß Urteilen ‒ mindestens ein Jahr bestanden hat. Solche Klauseln sind deshalb nach § 305c Abs. 2 BGB (Überraschende und mehrdeutige Klauseln) in diesem Sinne auszulegen.

MfG

Offline Martinus11

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Re: Prozentuale Boni und Vergleichsportale
« Antwort #6 am: 11. October 2016, 13:30:28 »
@Energietourist:
Das beweist einmal mehr, dass man sich die AGBs genau durchlesen sollte und im Zweifelsfall nochmal nachfragt.
Vielleicht ist das der wertvollste Tipp, den man gerade den wechselfreudigen Zeitgenossen geben kann.

Wenn es klar und deutlich so drin steht in den AGBs und auch auf der Website oder den Preisvergleichsportalen nicht missverständlich kommuniziert wird, finde das auch o.k.
Ansonsten tun sich die Anbieter damit selbst keinen Gefallen und ich tu mich schwer zu glauben, dass es viele solcher Versorger gibt, die sich in Zeiten eines freien Marktes damit selbst ihr Grab schaufeln, über kurz oder lang.

@Didakt:
Das mag ja alles sein, von wegen bereits entschieden vom BGH und so, aber Recht haben und Recht kriegen sind bekanntlich zwei paar Schuhe. Und sich wegen 50 oder 100 EUR ewig rumstreiten, zig Schreiben verfassen und ggf. einen RA konsultieren oder gar vor Gericht gehen, das macht halt nicht jeder gern. Ich könnte es jedenfalls verstehen.

Ich würde jedenfalls keinen Tarif nehmen, bei dem das "Wechselglück" größtenteils am Neukundenbonus hängt, zumal der auch aus anderen Gründen ganz legal flöten gehen kann (vorzeitiger Umzug oder Kündigung wegen Preiserhöhung).

Offline Didakt

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Re: Prozentuale Boni und Vergleichsportale
« Antwort #7 am: 11. October 2016, 16:19:24 »
[...]
@Didakt:
Das mag ja alles sein, von wegen bereits entschieden vom BGH und so, aber Recht haben und Recht kriegen sind bekanntlich zwei paar Schuhe. Und sich wegen 50 oder 100 EUR ewig rumstreiten, zig Schreiben verfassen und ggf. einen RA konsultieren oder gar vor Gericht gehen, das macht halt nicht jeder gern. Ich könnte es jedenfalls verstehen.

Die Thematik Bonusgewährung und Bonuserstreitung und die Empfehlungen, diesbezüglich sofort nach Beendigung des 1. Vertragsjahres in nachhaltiger und begründeter Form, z. B. mit der Zählerstandsmeldung, seine „berechtigte“ Forderung stringent und erfolgreich beim EVU geltend zu machen, ist hier im Forum hinlänglich behandelt worden.

Richtig ist aber auch, dass es jedem Verbraucher individuell überlassen bleibt, den aus seiner Sicht für ihn günstigsten EVU auszuwählen. Wer Kosten nicht sparen will oder nicht zu sparen braucht und einen Anbieterwechsel scheut, ist natürlich am besten in der Grundversorgung aufgehoben. Immerhin sind das erstaunlicherweise immer noch ca. 40 % der Energieverbraucher, warum auch immer! Dieses Forum beansprucht für sich grundsätzlich aber sicherlich eine gegenteilige Haltung.

Offline Martinus11

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Re: Prozentuale Boni und Vergleichsportale
« Antwort #8 am: 11. October 2016, 23:49:12 »
Ich sagte, dass ich es durchaus verstehen kann, wenn so mancher wegen 50 EUR Neukunden-Bonus den Aufwand bzw. Ärger einer rechtlichen Auseinandersetzung scheut.

Überhaupt nicht zu wechseln und jedes Jahr in der Grundversorgung mehrere Hundert Euronen extra zu bezahlen, ist wieder ganz was anderes. Das finde ich schon schwerer nachvollziehbar, wenn es tatsächlich 40% sein sollten.

Die 40% sind wohl eher ältere Leute, die nicht Bescheid wissen oder zu viel Angst haben oder solche, die es wirklich nicht nötig haben und dann aus Bequemlichkeit alles belassen. Ich vermute, das wird sich langsam aber sicher noch ändern. Eine wirklich große Auswahl in allen Netzgebieten und weitgehend gute Erfahrungen beim Wechseln haben wir am Gasmarkt noch nicht lange. Dass eigentlich nicht viel passieren kann (von wegen im kalten sitzen...) und das Ganze relativ unkompliziert ist, ist vielen noch immer nicht bewusst. Deswegen sind solche Websites wie energienetz.de wichtig und auch Foren.


Offline bolli

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Re: Prozentuale Boni und Vergleichsportale
« Antwort #9 am: 12. October 2016, 11:40:03 »
@Energietourist:
Das beweist einmal mehr, dass man sich die AGBs genau durchlesen sollte und im Zweifelsfall nochmal nachfragt.
Vielleicht ist das der wertvollste Tipp, den man gerade den wechselfreudigen Zeitgenossen geben kann.

Wenn es klar und deutlich so drin steht in den AGBs und auch auf der Website oder den Preisvergleichsportalen nicht missverständlich kommuniziert wird, finde das auch o.k.
Ansonsten tun sich die Anbieter damit selbst keinen Gefallen und ich tu mich schwer zu glauben, dass es viele solcher Versorger gibt, die sich in Zeiten eines freien Marktes damit selbst ihr Grab schaufeln, über kurz oder lang.
Sie haben einen falschen Denkansatz: Es ist absichtlich so geschrieben, wie es geschrieben ist, gerade um dem Anbieter "Tricksereien" zu ermöglichen. Davon leben die Billigheimer, aber nicht nur die. Eine Nachfrage hilft ihnen meist nicht weiter. Schriftlich wird nicht geantwortet und mündlich versprechen die einem das blaue vom Himmel. Nur landet man telefonisch eh meist in Callcentern, die vom einzelnen Anbieter nicht immer die meiste Ahnung haben.  :(

Und sie leben von der Trägheit der Leute. Diese haben, wie Sie schon sagen, weder Lust auf einen Gerichtsstreit (um relativ wenig Geld mit eigener Vorlage der Kosten) noch legen sie sich jedes mal mit dem Lieferanten an. Deshalb stecken viele den Kopf in den Sand und zahlen halt, selbst bei einem ungeliebten Anbieter (und bleiben sogar noch bei ihm). Der Markt regelt da nichts mehr, weil (fast) alle die gleichen Probleme machen. Ähnlich wie im Mobilfunkmarkt. Gute Anbieter gibt es kaum noch, und wenn, lassen sie sich nicht alleine durch den Preis rausfinden (nach dem Motto: Hoher Preis = gute Leistung, dem ist leider nicht so)

Das finde ich schon schwerer nachvollziehbar, wenn es tatsächlich 40% sein sollten.

Die 40% sind wohl eher ältere Leute, die nicht Bescheid wissen oder zu viel Angst haben oder solche, die es wirklich nicht nötig haben und dann aus Bequemlichkeit alles belassen. Ich vermute, das wird sich langsam aber sicher noch ändern.
Laut dem aktuellen Monitoringbericht 2015 der Bundesnetzagentur auf den Seiten 25  und 307  beträgt der Grundversorgungsanteil bei Stromkunden 32,8% und bei Gaskunden  24,4 %  für das Jahr 2015 mit leicht fallender Tendenz( Monitoringbericht 2015 Bundesnetzagentur )
Eine Aussage über die (Alters-)Struktur dieser Personengruppe existiert meines Wissens nicht auf seriöser Basis.

... und das Ganze relativ unkompliziert ist, ist vielen noch immer nicht bewusst. Deswegen sind solche Websites wie energienetz.de wichtig und auch Foren.
Na ja, der rein technische Vorgang ist tatsächlich relativ unkompliziert. Aber wie Sie nicht nur den Foren sondern auch verschiedenen Berichten in den Medien entnehmen können, ist man von einer sauberen Umsetzung des gut gemeinten Zieles noch (relativ) weit entfernt. Und Berichte über Streitereien mit dem Energielieferanten bis hin zu (offensichtlich unberechtigten) Energiesperren durch den Lieferanten (Netzbetreiber) schaffen bei dem verbleibenden Rest und einigen im Sondervertrag nicht unbedingt Vertrauen.

Offline Martinus11

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Re: Prozentuale Boni und Vergleichsportale
« Antwort #10 am: 12. October 2016, 17:46:30 »
So düster wie Sie sehe ich es eigentlich nicht. Man muss halt ein paar Dinge wissen vorher, z.B. Die Voreinstellungen bei den Vergleichsportalen und woran man gute Anbieter erkennt (z.B. die Bewertungen prüfen, bei möglichst mehreren Portalen) sowie den Ablauf des Wechsels. Beherzigt man diese Dinge und nimmt sich die Zeit, dann dürfte das fluppen.

Im Grunde ist es wie mit allen Dingen im Leben: Die etwas Schlaueren informieren sich und machen sich die Mühe des Recherchierens und profitieren dann. Und die anderen eben nicht. Ich finde es jedenfalls klasse, dass wir nun einen liberalisierten Energiemarkt haben, der eine solche freie Wahl überhaupt ermöglicht. Ist noch nicht so lange her, als jeder auf den einen Gasanbieter angewiesen war....
Wer dann seine freie Wahl wie gut nutzt, wird immer individuell ganz unterschiedlich ausfallen. Da ist dann eben auch jeder selbst in der Verantwortung. Im Zweifelsfall nicht alles auf die Boni setzen und davon abhängig machen.

Sie sagen, es gäbe kaum noch gute Anbieter und der Markt würde das nicht regeln!? Es mag noch dauern, aber der Markt wird das ganz bestimmt regeln und dass es kaum gute Anbieter gibt, kann ich nicht nachvollziehen. Diverse Tests von Stiftung Warentest und anderen zeigen doch die guten Anbieter. In D gibt es mehr Gasanbieter als in anderen EU-Ländern.

Ein freier Markt hat immer mehr Potential für Streitigkeiten als der Zustand vor 20 Jahren (oder gar Kommunismus). Nichtsdestotrotz ist mir die Gegenwart lieber. Das gibt es ja genauso bei anderen Online-Geschäften, dennoch wird kaum jemand auf all die Möglichkeiten des Online-Handels wieder verzichten wollen.

Offline bolli

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Re: Prozentuale Boni und Vergleichsportale
« Antwort #11 am: 13. October 2016, 07:53:10 »
Ich gebe Ihnen Recht, dass die mögliche Auswahl eines Anbieters durchaus schon eine (positive) Errungenschaft ist. Aber von einem Land, welches eine so führende Rolle in Politik und Wirtschaft einnimmt (einnehmen will), erwarte ich mehr. Die Umfragen sind aus meiner Sicht mit einem gewissen Makel behaftet, nämlich das a) viele Verbraucher trotz aller Aufklärung ihre Möglichkeiten immer noch nicht kennen und daher meist auch zufrieden sind und b) diejenigen, die kein Problem mit dem Anbieter haben natürlich auch in der Kommunikation mit diesem kein Problem melden. Wenn man alle Verbraucher, die schon mal ein Problem mit ihrem Anbieter haben, fragen würde, wie zufrieden sie mit der Abwicklung des Problems waren, würde die Sache sicher anders aussehen.

Die Suche nach den passenden Informationen ist für Menschen, die nicht unbedingt eine Affinität zum Internet und seinen Inhalten haben, doch recht mühsam. Ältere Leute oder diejenigen, die sich nicht so häufig in diesem Medium bewegen (die soll es auch noch geben) sind da deutlich im Nachteil.

Haben Sie das Gefühl, dass sich der Benzinmarkt in den letzten Jahren selbst zur Zufriedenheit der Verbraucher geregelt hat ? Ich nicht ! Ähnlich sehe ich die Lage im Energiesektor. Neben der Tatsache, dass sich die Anbieter komischerweise im wesentlichen immer sehr einig sind über das grobe Preisgefüge (und behaupte nur niemand, dass es da irgendwelche Absprachen unter den Großen der Branche gebe  ;) ) finde ich auch die Tatsache, das z.B. bei Preisanpassungen permanent getrickst wird (Erhöhungen der Strompreise an der Börse werden oft zügig durchgereicht während Senkungen meist gar nicht beim Verbraucher wieder ankommen, ähnliches bei den Veränderungen wegen EEG-Abgabe u.ä., bei entsprechenden Erhöhungen werden sogar Gewinnmargenerhöhungen entgegen der AGB-Klauseln mit untergeschoben) mehr als unrühmlich für diesen Anbieterkreis. Und davon sind, wenn man sich das Ganze mal in Ruhe anschaut, fast alle Anbieter betroffen. Heute mal der eine nicht und morgen mal der andere nicht. Aber durchgängige gut UND fair ist mir in den letzten Jahr keiner untergekommen. Von daher bin ich da vielleicht zu unrecht ein wenig zu illusionslos.

Wenn Sie Vergleiche mit dem anderen Online-Handel ziehen, dann hinkt dieser etwas, weil es hier um das Gut "Energie" geht, auf das man nicht verzichten kann (und das wissen die Anbieter sehr genau) während ich auf viele andere Sachen des übrigen Online-Handels meist sehr wohl (für eine begrenzte Zeit) verzichten kann, wenn mir die Bedingungen nicht passen (oder ich kaufe herkömmlich ein).
Deshalb gibt es bei der Energie ja auch gesetzliche Rahmenregelungen, die zumindest eine Grundversorgung und deren vertragliche Bedingungen sichern sollen, leider aber eben nicht immer zu fairen Bedingungen, auch wenn der Ansatz möglicherweise ein anderer war.

Ähnlich sehe ich das übrigens für das Benzin. Viele können da heutzutage kaum drauf verzichten, da sie ja irgendwie zur Arbeit kommen müssen, die nicht mehr, wie früher, unbedingt direkt vor der Haustür ist. Das wissen auch die Ölmultis.

Offline Martinus11

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Re: Prozentuale Boni und Vergleichsportale
« Antwort #12 am: 14. October 2016, 01:23:06 »
Was die Erwartungen an unser "in Politik und Wirtschaft führendes" Land angeht, da bin ich nun eher illusionslos und bescheiden. Schauen Sie mal das in der Welt (in Wirtschaft, Wissenschaft und sehr vielen anderen Dingen) führende Land  an, die USA, mitsamt deren zwei mal gewählten Bush Junior und Präsidentschaftskandidaten Trump, dann wird deutlich, dass die Chancen für den Bürger nicht im Staat liegen, sondern in der individuellen Freiheit, Dinge für sich zu entscheiden und zu machen, sich zu informieren, freie Medien usw.

Vom Staat selbst erwarte ich freiheitlich-demokratische Rahmenbedingungen und einen Rechtsstaat. Mehr erwarte ich von einem trägen, großen Staatsapparat und dessen Regierungen, die von "normalen Menschen" gewählt werden, nicht. Ich erhoffe es, aber erwarten nicht.

Jeder einzelne, der sich nicht gut auskennt und kein Internet hat, kann dennoch Verwandte oder Freunde bitten oder sich professionell von einem RA beraten lassen. Außerdem gibt es Verbraucherschutzverbände, zu denen man persönlich hingehen oder mit denen man telefonieren kann. Bedürftige bekommen ggf. Prozesskostenhilfe usw.

Energie ist wichtiger als vieles andere im Online-Handel, stimmt, aber es läuft ja nicht nur online. Jeder kann mehrere EVUs anrufen und sich informieren. Und wie Sie schon sagen, es gibt eine gesetzliche Pflicht zum Versorgen. Mit ein wenig Engagement kann fast jeder verhindern, Opfer von unfairen Bedingungen zu werden. Und wenn mal der Neukundenbonus nicht bezahlt wird vom EVU, dann muss der Wechsel deswegen noch lange nicht schlecht gewesen sein und der Betreffende kann kündigen.

Benzin ist seit ein paar Jahren deutlich billiger geworden und selbst die Ölmultis konnten das nicht verhindern, weil Sie sich nicht alle einig sind und weil noch andere Kräfte mitwirken. Sicher nicht für alle, aber für viele gäbe es außerdem Alternativen, z.B. andere Verkehrsmittel oder sich ein Auto teilen usw. 

Es gibt Dörfer und Gemeinden, die sich von der normalen Energieversorgung weitgehend unabhängig gemacht haben und fast alles selbst produzieren.
Es gibt Verbrauchergemeinschaften, die gemeinsam Energie zu Sonderkonditionen beziehen.
Jeder kann versuchen, durch Sonnenkollektoren, Holzofen ect. so weit wie möglich unabhängig zu werden.
All diese Möglichkeiten werden einfach zu wenig genutzt. Das ist IMHO das Hauptproblem. Statt sich auf die Möglichkeiten zu konzentrieren, die wir in einem freien Land haben, konzentriert man sich zu sehr auf das, was tatsächlich oder scheinbar nicht geht.

Wir leben in einem wirklich guten Land. Zu wenige sind sich dessen bewusst. Ich meine wirklich bewusst.

 

Der Verein für gerechte Energiepreise