Autor Thema: BDEW verharmlost Strompreisanstieg  (Gelesen 3687 mal)

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Offline RR-E-ft

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BDEW verharmlost Strompreisanstieg
« am: 08. August 2013, 08:07:24 »
Eine Darstellung, wie sich nach Daten des BDEW die Stromkosten für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.500 kWh entwickelt haben und zusammensetzen sollen:

http://www.welt.de/wirtschaft/article118790368/DWO-Strom-jpg.html

aus dem Artikel:

http://www.welt.de/wirtschaft/article118790369/Sonniger-Juli-treibt-Stromrechnung-in-die-Hoehe.html

Zum einen werden die Stromkosten, die den Kunden entstehen, vom BDEW wohl systematisch zu gering ausgewiesen. Zum anderen wird die Entwicklung der mit den Stromkosten des Kunden abzudeckenden Kosten der Stromversorger wohl unzutreffend dargestellt.


Wie kann es eigentlich sein, dass der BDEW die Kosten für Erzeugung, Transport und Vertrieb, die in 2009 gegenüber 2008 um 1,13 Ct/ kWh angestiegen sind, in den Folgejahren nahezu unverändert ausweist, wo doch die Großhandelspreise und mit diesen die Strombeschaffungskosten der Vertriebe erheblich gesunken sind?

Irgendwie scheint der BDEW auch die verbrauchsunabhängigen Grundpreise unter den Tisch fallen zu lassen:

Die Stadtwerke Energie Jena-Pößneck verlangen in der Grundversorgung derzeit einen Arbeitspreis in Höhe von 22,92 Ct/ kWh (netto) bzw. 27,27 Ct/ kWh (brutto). Sie verlangen dabei  jedoch auch  einen Grundpreis von 90,00 EUR/Jahr (netto), der bei einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 3.500 kWh allein Stromkosten iHv. 2,57 Ct/ kWh (netto) bzw. 3,06 Ct/ kWh (brutto) entspricht und in den letzten Jahren seit 2007 stetig  angestiegen ist.

Mit dem Grundpreis ergeben sich deshalb für den Jenaer Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.500 kWh Stromkosten in Höhe von 30,33 Ct/ kWh und somit schon  deutlich mehr als die vom BDEW genannten 28,50 Ct/kWh.

2008 verlangten die Jenaer Stadtwerke einen Grundpreis in Höhe von 77,60 EUR/ Jahr (netto), der bei einem durchschnittlichem Jahresverbrauch von 3.500 kWh allein Stromkosten in Höhe von 2,12 Ct/ kWh (netto) entsprach.

2007 verlangten die Jenaer Stadtwerke noch einen Grundpreis in Höhe von 62,40 EUR/ Jahr (netto), der bei einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 3.500 kWh  allein Stromkosten in Höhe von 1,78 Ct/ kWh (netto) entsprach.

Die Stadtwerke Jena rechnen immer die Kostenveränderungen für einen Haushalt mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 1.850 Kilowattstunden vor.

Für einen solchen ergaben sich 2007 aus dem Grundpreis entsprechende Stromkosten in Höhe von 3,37 Ct/ kWh, 2008 in Höhe von 4,19 Ct/kWh  und nunmehr schon in Höhe von 4,86 Ct/ kWh, jeweils netto.

Eine Begründung für diesen doch drastischen Kostenanstieg bei den Grundpreisen gab es nicht. Ich kann mir außer Erhöhung der Vertriebsmarge (Gewinn) auch keinen rechten Grund vorstellen.

Berücksichtigt man auch den Anstieg der Grundpreise, sind die Strompreise für die Verbraucher noch weit drastischer gestiegen, als vom BDEW dargestellt!

Nicht nur durch den Grundpreisanstieg, sondern auch durch die Nichtweitergabe der gesunkenen Großhandelspreise haben die Versorger ihre Gewinnargen zwischenzeitlich drastisch erhöht.

Die Erhöhung der Vertriebsmargen der Versorger erhöht die Strompreise fast ebenso drastisch wie die steigende EEG- Umlage.

Die farbenfroh neugestartete Thüringer Energie AG verlangt in der Grundversorgung derzeit schon einen Arbeitspreis von 24,83 ct/kWh (netto) bzw. 29,55 ct/kWh (brutto). Hinzu kommt ein Grundpreis in Höhe von 81,27 EUR/ Jahr (netto), der für einen Haushalt mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 3.500 kWh Stromkosten in Höhe von 2,32 Ct/kWh (netto) bzw. 2,76 Ct/kWh (brutto) entspricht, so dass ein solcher Haushalt unter Einschluss des Grundpreises schon Stromkosten in Höhe von 32,31 Ct/ kWh und somit deutlich mehr als die vom BDEW genannten 28,50 Ct/kWh zu tragen hat.
« Letzte Änderung: 08. August 2013, 08:25:33 von RR-E-ft »

Offline egn

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Re: BDEW verharmlost Strompreisanstieg
« Antwort #1 am: 08. August 2013, 09:59:02 »
Wenn sich der Haushaltskunde marktwirtschaftlich verhalten würde dann müsste er keine 28,50 ct/kWh bezahlen.

Ich habe für mich mal bei Verivox nachgesehen und bei den erweiterten Einstellungen alle Häkchen weg genommen. Der günstigste Anbieter mit brauchbaren Bedingungen ist dann die Dortmunder Energie- und Wasserversorgung GmbH mit folgendem Tarif:

Zitat
Für einen realen Jahresverbrauch im Bereich von 0 kWh bis 100.000 kWh sind die Preise je Einheit für die nachfolgenden Angaben (Verbrauchspreis [Cent/ kWh], Grundgebühr pro Monat) konstant.
Verbrauchskosten:       792,75 Euro    entspricht 22,65 Cent je kWh
Grundgebühr:    +    83,30 Euro    entspricht 6,94 Euro pro Monat
Gesamtkosten:         876,05 Euro     im ersten Jahr
Geschätzter Abschlag:         73,00 Euro     pro Monat(Jahreskosten geteilt durch 12 Monate;
tatsächlicher Abschlag kann abweichen)

Vertragskonditionen
 
Vertragslaufzeit:    1 Monat
Kündigungsfrist:    1 Monat
Vertragsverlängerung:    1 Monat
Preisgarantie:    keine
Abschläge:    monatlich
Kaution:    keine

Das entspricht bei einem Verbrauch von 3.500 kWh einem Preis von 25,03 ct/kWh. So lange den Kunden solche Unterschiede egal und sie bereit sind weit höhere Preise zu zahlen, so lange lohnt sich gar nicht die Diskussion um die paar 1/10 ct/kWh die einzelne Abgaben kosten.

Übrigens, auch der Kunde in Jena zahlt nicht mehr.
« Letzte Änderung: 08. August 2013, 10:06:11 von egn »

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Re: BDEW verharmlost Strompreisanstieg
« Antwort #2 am: 08. August 2013, 10:08:50 »
Man muss das anerkennen, der BDEW vertritt die Interessen seiner Mitglieder nicht schlecht. Die TEAG gehört doch auch dazu?! ;)

Da müssen die Verbraucher schon mehr dagegensetzen. Es beginnt mit der Aufklärung, so wie hier!

@egn, der Wechsel und die Nutzung der Möglichkeiten gehört auch dazu. Das reicht aber nicht.  Die kartellähnlichen Strukturen, gerade im kommunalen Bereich, spiegeln den Verbrauchern einen Strom- oder Gasmarkt vor, den es in Wirklichkeit so nicht gibt. Trotzdem, jeder Wechsel zu günstigeren Bedingungen ist gut für den Wettbewerb.

Offline egn

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Re: BDEW verharmlost Strompreisanstieg
« Antwort #3 am: 08. August 2013, 10:29:52 »
@egn, der Wechsel und die Nutzung der Möglichkeiten gehört auch dazu. Das reicht aber nicht.  Die kartellähnlichen Strukturen, gerade im kommunalen Bereich, spiegeln den Verbrauchern einen Strom- oder Gasmarkt vor, den es in Wirklichkeit so nicht gibt.

Dennoch sind es momentan gerade die kommunalen Anbieter die bei den Preisvergleichen mit die günstigsten sind. Schauen Sie sich doch mal bei Verivox in der Liste um.

Zitat
Trotzdem, jeder Wechsel zu günstigeren Bedingungen ist gut für den Wettbewerb.

Dann sind wir hier doch einmal einer Meinung.

Wie wäre es denn, wenn damit angefangen würde dass den Leuten, die sowieso mit sehr wenig Geld auskommen müssen und von staatlichen Leistungen leben müssen, von den zuständigen Behörden vorgegeben wird, dass sie zu einem von jeweils drei günstigen Anbietern mit vernünftigen Vertragsbedingungen für Strom und Heizenergie wechseln müssen. Die zuständige Behörde würde den Wechsel auch unterstützen. Die Liste muss natürlich laufend den aktuellen Preisen angepasst werden.

Dies würde nicht nur den Kommunen viel Geld sparen, sondern auch noch den Wettbewerb deutlich anheizen.

Offline DieAdmin

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Re: BDEW verharmlost Strompreisanstieg
« Antwort #4 am: 08. August 2013, 16:23:24 »
Die Diskussion ab der Schufa abgehängt und umgehangen: http://forum.energienetz.de/index.php/topic,8948.msg103096.html#msg103096

Offline Carrick

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Re: BDEW verharmlost Strompreisanstieg
« Antwort #5 am: 12. August 2013, 16:20:43 »
Also ich weiß wirklich nciht mehr, wohin das geht ...

Jedes Jahr die selbe Story und am Ende der Geschichte sind wir Verbrauche die Lämmlein... Irgendetwas muss man doch machen können, oder ?!  :o

 

Der Verein für gerechte Energiepreise