Autor Thema: ständig sinkende Großhandelspreise Strom  (Gelesen 17267 mal)

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Offline RR-E-ft

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ständig sinkende Großhandelspreise Strom
« am: 07. Februar 2013, 14:32:09 »
Fraglich, ob die ständig sinkenden Börsenpreisen bei den Verbrauchern ankommen.

Strom an der Börse so billig wie seit Jahren nicht:

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/energiepolitik/energiewende-strom-an-der-boerse-billig-wie-seit-jahren-nicht-12051137.html#TOP




Offline Stromfraß

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Re: ständig sinkende Großhandelspreise Strom
« Antwort #1 am: 07. Februar 2013, 17:32:50 »
Auch wenn der Strompreis an der Börse ja nur ein Tel des Gesamtstrompreises ist, müsste man ja als Verbraucher davon etwas merken, aber weit gefehlt.
Es kann doch nicht ohne Auswirkungen bleiben, wenn die MWh im Jahresschnitt 70 oder 50 Euro kostet. Wenn die EEG-Umlage um 2,5 Ct. steigt oder das Netzentgelt um diesen Betrag, wird sofort zugeschlagen. Eine Senkung des Einkaufspreises erfährt fast niemand, außer man beschäftigt sich damit. Volksverdummung oder knallhartes Kalkül?

Offline superhaase

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Re: ständig sinkende Großhandelspreise Strom
« Antwort #2 am: 07. Februar 2013, 17:39:10 »
Der Wettbewerbsdruck ist halt einfach zu gering.
Es wechseln noch zu wenige Verbraucher den Stromlieferanten.
8) solar power rules

Offline bolli

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Re: ständig sinkende Großhandelspreise Strom
« Antwort #3 am: 07. Februar 2013, 19:58:50 »
Der Wettbewerbsdruck ist halt einfach zu gering.
Es wechseln noch zu wenige Verbraucher den Stromlieferanten.
Glauben Sie es doch nicht. Das ist ein Kartell, ohne dass sich "offiziell" abgesprochen wird. Wie bei den Benzinpreisen an der Tankstelle. Heute erhöht der zuerst, morgen der. Egal wohin man wechselt, richtig billig sind die alle nicht. Nur verdienen, dass tun sie alle, und zwar reichlich. Und selbst die, die Pleite gehen, haben sicherlich gut gelebt und bestimmt auch noch was auf die Seite gebracht, da möchte ich mit wetten.  >:(

Offline Stromfraß

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Re: ständig sinkende Großhandelspreise Strom
« Antwort #4 am: 07. Februar 2013, 21:34:01 »
Zitat
Und selbst die, die Pleite gehen, haben sicherlich gut gelebt und bestimmt auch noch was auf die Seite gebracht, da möchte ich mit wetten.
Naja, für "Pleite gehen" gibt es verschiedene Ursachen.
Wenn ich mir z.B. die in Insovenz gegangene Energen Süd ansehe, da waren Amateure am Werk, die es zwar gut meinten und das Beste für ihre Genossenschaftsmitglieder wollten, aber wenn ein Finanzvorstand "vergisst", die EEG-Umlage mit einzupreisen und damit Millionenverluste provoziert, dann haben die sicherlich nicht gut gelebt und auch nichts zur Seite gebracht.
Aber es gibt genügend andere Beispiele, wo man sich auf Kosten der Kunden "saniert" hat und das Genannte zutrifft.

Offline Energiesparer51

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Re: ständig sinkende Großhandelspreise Strom
« Antwort #5 am: 08. Februar 2013, 18:17:18 »
Gesunkene Beschaffungskosten scheinen bei der Preisfindung für Haushaltskundenangebote tatsächlich keine Rolle zu spielen. Stattdessen gibt es haufenweise Angebote mit eingeschränkter Preisgarantie bei denen erhöhte Umlagen einfach durchgereicht werden sollen und man so tut, als wäre die Preisgarantie für den reinen Energiekosten und -durchleitungsanteil zum Wohle des Verbrauches. Bei fallenden Börsenpreisen wird so der Preis zum Nachteil der Kunden "fixiert" wie es auch gern in Vergleichsportalen genannt wird.
Mit sinkenden Preisen kann der Haushaltskunde allerdings nicht rechnen, da mit sinkendem Börsenpreis die EEG-Umlage weiter steigen muss. Allerdings müste er nicht so steigen, wie es derzeit zu beobachten ist.
Trau keinem Pseudowissenschaftler!

Offline userD0010

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Re: ständig sinkende Großhandelspreise Strom
« Antwort #6 am: 11. Februar 2013, 15:41:07 »
Sprach man vor Jahren bei der Definition KARTELL DER KASSIERER nur oder vor Allem über die Banken, so haben sich zunächst unbemerkt die Stromversorger hinzugesellt. Das von Günter Ogger verfasste Buch über die Machenschaften der Banken hat in vielen seiner Passagen Ähnlichkeit mit der Vorgehensweise der Stromkonzerne. Gewinne an die Aktionäre, Verluste sozialisieren.
Man denke bei den Stromkonzernen nur über deren glücklose Ausflüge ins Energie- und Wassergeschäft in den USA bzw. in Osteuropa. Verluste über Verluste, und welcfhen Einfluss hatten diese Riesenverluste auf die Konzerne? Man holt sich die Fehlentscheidungen über den ständig steigenden Strompreis zurück. Eine andere Idee konnte oder sollte nicht gefunden werden.

Offline Black

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Re: ständig sinkende Großhandelspreise Strom
« Antwort #7 am: 14. Februar 2013, 14:10:53 »
Im Rahmen des Wälzungsmechanismus wird der EEG Strom von den Übertragungsnetzbetreibern an die Börse gebracht. Sinkende Börsenpreise verringern den Erlös, der dort für EEG Strommengen erzielt wird. Da die Differenz zwischen Börsenerlös und ausgezahlten EEG Vergütungen die EEG Umlage bildet, führt ein niedriger Strompreis an der Börse zu einer hohen EEG Umlage - und somit zu einer Verteuerung für die Letztverbraucher.
Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen sei, Frieden zu senden auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert.

Matthäus, Kapitel 10, Vers 34

Offline RR-E-ft

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Re: ständig sinkende Großhandelspreise Strom
« Antwort #8 am: 14. Februar 2013, 14:21:45 »
@Black

Die durchschnittlichen Großhandelspreise sind von 2008 auf 2012 um 2 Ct/ kWh gesunken.
Auch für 2013 wird kein Anstieg erwartet, wie die FAZ- Grafik verdeutlicht.

In gleicher Zeit ist die EEG- Umlage gestiegen.

Viele Verbraucher haben den Eindruck, an sie werde nur die gestiegene EEG- Umlage weitergewälzt
ohne die Vorteile aus den zwischenzeitlich deutlich gesunkenenen Börsenpreisen gegenzurechnen.

Offline egn

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Re: ständig sinkende Großhandelspreise Strom
« Antwort #9 am: 16. Februar 2013, 07:44:47 »
Die Ursache liegt eben im EEG-Paradoxon, das durch die Hintertür mit der neue AusgleichMech eingeführt wurde. Wenn die Senkung des Börsenpreises durch den Mechanismus der Differenzkosten die EEG-Kosten im gleichen Maße steigen, wird die Strompreissenkung neutralisiert. Die restlichen Steigerungen beim EEG kommen durch andere Sonderregelungen. Das führt dazu, dass die EEG-Vergütungssumme, als das was die die EEG-Erzeuger bekommen, weit geringer steigt als als die EEG-Umlage.

Für mich wäre eine faire Regelung, wenn die gesamte EEG-Vergütung (nicht die Differenzkosten) auf jede in das Netz eingespeiste kWh umgelegt würde, also statt dem Endverbraucher, dem Erzeuger zugeordnet wird. Dies führt auch dazu dass exportierter Strom zur Finanzierung der EE beiträgt. Das wäre letztlich für alle billiger.

Offline superhaase

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Re: ständig sinkende Großhandelspreise Strom
« Antwort #10 am: 16. Februar 2013, 08:50:26 »
Für mich wäre eine faire Regelung, wenn die gesamte EEG-Vergütung (nicht die Differenzkosten) auf jede in das Netz eingespeiste kWh umgelegt würde, also statt dem Endverbraucher, dem Erzeuger zugeordnet wird. Dies führt auch dazu dass exportierter Strom zur Finanzierung der EE beiträgt. Das wäre letztlich für alle billiger.
Ja, das halte ich auch für besser.
Allerdings wird es dann mit der EEG-Umlagebefreiung der stromintensiven Industrie im int. Wettbewerb rechtlich möglicherweise schwierig, da man dann nur einheimische Industrien befreien kann, aber den exportierten Strom ja nicht.

Eine Lösung für stromintesive Industrie wäre dann andererseits die Eigenproduktion eines Großteils des Strombedarfs auf dem jeweiligen Fabrikgelände, die dann von allen Stromabgaben und Netzentgelten befreit sein könnte und müsste, ohne irgendwelche rechtlichen Problemen auf nationaler oder EU-Ebene.
« Letzte Änderung: 19. Februar 2013, 20:27:37 von superhaase »
8) solar power rules

Offline Energiesparer51

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Re: ständig sinkende Großhandelspreise Strom
« Antwort #11 am: 16. Februar 2013, 16:29:03 »
...

Eine Lösung für stromintesive Industrie wäre dann andererseits die Eigenproduktion eines Großteils des Strombedarfs auf dem jeweiligen Fabrikgelände, die dann von allen Stromabgaben und Netzentgelten befreit sein könnte und müsste, ohne mit irgendwelchen rechtlichen Problemen auf nationaler oder EU-Ebene.

Man plant wohl auch auf die Eigenproduktion eine Umlage zu erheben.

Das wäre nicht mehr weit von Abgaben auf selbst angebautes Obst oder Gemüse.
« Letzte Änderung: 16. Februar 2013, 18:06:21 von Energiesparer51 »
Trau keinem Pseudowissenschaftler!

Offline userD0010

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Re: ständig sinkende Großhandelspreise Strom
« Antwort #12 am: 16. Februar 2013, 16:55:00 »
Wartn wir mal ab, was so alles noch an Überrachungen nach der nächsten Bundestagswahl auf uns zukommt.
Nachschlag für Griechenland, höhere Netzentgelte weil noch Kabel fehlen usw.
Da ja jetzt bereits alle möglichen Betriebe, Straßenbahnen etc. von der Umlage befreit sind, überlege ich, ob ich wegen meiner elektr. Modelleisenbahn auch eine Befreiung beantragen sollte ?

Offline superhaase

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Re: ständig sinkende Großhandelspreise Strom
« Antwort #13 am: 17. Februar 2013, 14:29:13 »
Man plant wohl auch auf die Eigenproduktion eine Umlage zu erheben.
Das wäre nicht mehr weit von Abgaben auf selbst angebautes Obst oder Gemüse.
Dieser "Plan" ist wie die einiges an der "Strompreisbremse" natürlich unsinnig - wohl auch kaum realisierbar.

Es ging bei meinem obigen Gedanken um die Überlegung von egn:
Zitat
Für mich wäre eine faire Regelung, wenn die gesamte EEG-Vergütung (nicht die Differenzkosten) auf jede in das Netz eingespeiste kWh umgelegt würde, also statt dem Endverbraucher, dem Erzeuger zugeordnet wird. Dies führt auch dazu dass exportierter Strom zur Finanzierung der EE beiträgt. Das wäre letztlich für alle billiger.
Das bedeutet selbstverständlich, dass nicht ins Netz eingespeister Strom auch nicht mit der EEG-Umlage belastet wird.
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Re: ständig sinkende Großhandelspreise Strom
« Antwort #14 am: 17. Februar 2013, 19:39:30 »
Man plant wohl auch auf die Eigenproduktion eine Umlage zu erheben.

Das wäre nicht mehr weit von Abgaben auf selbst angebautes Obst oder Gemüse.
Dieser Tomaten-Gemüse-Obst-Unfug grassiert seit einiger Zeit in Internetforen, jetzt wird das auch hier verbreitet. Der Unfug taucht in Leserbriefen auf und findet sich selbst in Presseartikeln. Solaristen, Solarpark- und -Dachbesitzer glauben wohl damit ein Argument für diese EEG-Umlage gefunden zu haben, von der sie sich bei Selbstversorgung verabschieden können. Ideologen und Lobbyisten der direkten und indirekten EEG-Nutznießer sind voll dabei. Sorry, fehlt denn wirklich das bisschen Verstand um zu merken, wie dumm solche Sprüche oder Vergleiche sind.

Die Sicherung der Daseinsvorsorge, einer intakten Umwelt, Klimaschutz etc. pp. sind allgemeine Aufgaben und Pflichten. Eine solche Sonder-Umlage, die damit nur einige belastet, ist daher weder auf selbst erzeugte noch auch gekaufte Tomaten gerechtfertigt. Diese allgemeine Aufgabe betrifft auch diejenigen, die überhaupt kein Gemüse, keine Tomaten oder Obst verzehren. Keiner darf sich von dieser allgemeinen Verpflichtung auch noch zu Lasten Dritter entziehen dürfen. Was dazu beschlossen wurde und wird ist aus den öffentlichen Haushalten zu finanzieren. Einzig das ist gerechtfertigt und es diszipliniert vielleicht manchen Politiker bei seiner Entscheidung und die Auswirkungen werden besser geprüft und auch bedacht. Nochmal, mit dem EEG werden weit mehr Milliarden umverteilt als mit dem umstrittenen Länderfinanzausgleich. Wo sind die Politiker, die hier das Bundesverfassungsgericht anrufen?! Es müssen mal wieder Betroffene die Mühe und das Risiko auf sich nehmen um eine Korrektur zu erreichen. Es ist hohe Zeit, dass sich Karlsruhe damit beschäftigt.

 

Der Verein für gerechte Energiepreise