Autor Thema: Traumreise auf der Dreckschleuder  (Gelesen 13126 mal)

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Offline bolli

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Re: Sonnendeck mit Schattenseiten
« Antwort #30 am: 05. May 2017, 07:43:45 »
Aber Hauptsache man kann, wie in diesem Fall, an sieben bzw neun Tagen für 650,- / 1000,- Euro den Feinstaub genießen und sich von schlechtbezahlten Angestellten bedienen lassen. Schiff Ahoi!

Man sollte aber nicht glauben, dass die billige Pauschalreise mit dem Flieger nach Malle oder Ägypten den dortigen Angestellten bessere Einkommensbedingungen beschert oder für die Umwelt eine deutlich bessere Bilanz bietet. Große Teile des Dienstleistungssektors in der Urlaubsbranche liegen beim Einkommen quasi brach. Da hilft nur, einen eigenverantworteten Urlaub durchzuführen und sich nicht komplett bedienen zu lassen. Aber das wollen viele im Urlaub gerade auch nicht.

Offline Wolfgang_AW

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Re: Sonnendeck mit Schattenseiten
« Antwort #31 am: 05. May 2017, 17:05:30 »

Man sollte aber nicht glauben, dass die billige Pauschalreise mit dem Flieger nach Malle oder Ägypten den dortigen Angestellten bessere Einkommensbedingungen beschert oder für die Umwelt eine deutlich bessere Bilanz bietet. Große Teile des Dienstleistungssektors in der Urlaubsbranche liegen beim Einkommen quasi brach. Da hilft nur, einen eigenverantworteten Urlaub durchzuführen und sich nicht komplett bedienen zu lassen. Aber das wollen viele im Urlaub gerade auch nicht.

Ich stimme Ihnen zu, wobei in der Seefahrt die Ausflaggung (Wechsel der Nationalflagge ohne Änderung der Eigentumsverhältnisse) die schlechten Bedingungen legalisiert.


Billig unter fremder Flagge

Zitat
Im boomenden Geschäft mit Kreuzfahrten registrieren deutsche Reeder ihre Schiffe unter ausländischer Flagge, um Steuern zu sparen und Besatzungsmitglieder zu Niedriglöhnen zu beschäftigen, die in Deutschland undenkbar wären.
...
Die südeuropäischen Staaten und die Karibikinseln bieten den Reedern extreme Steuervorteile. Malta etwa verlangt gar keine Steuern auf Einkommen aus dem Schifffahrtsverkehr; in Italien müssen Betreiber keine Lohnsteuer auf Crewgehälter abführen.
...
Entsprechend niedrig sind die Löhne. Auf dem in Malta registrierten Kreuzer Mein Schiff 2 der TUI Cruises verdienen manche Mitarbeiter inklusive aller Zuschläge 770 US-Dollar (knapp 700 Euro) pro Monat – und können dafür mehr als 300 Arbeitsstunden eingesetzt werden. Dies wäre ein Stundensatz von weniger als 2,40 Euro. Für italienisch beflaggte Schiffe der Aida-Flotte sah ein bis 2015 gültiger Kollektivvertrag für Restauranthilfskräfte nur 587 Dollar monatlich vor. (...) Ein Aida-Sprecher erklärte auf Anfrage, dass die Vergütungen für Positionen im Hotelservice auf den Philippinen nur 150 bis 250 Dollar im Monat betrügen, an Bord von Aida hingegen durchschnittlich 700 bis 900 Dollar plus Kost und Logis. Erhielten diese Crewmitglieder allerdings den deutschen Mindestlohn, kämen sie auf mehr als 2000 Dollar.
...
Während das deutsche Arbeitszeitgesetz maximal zehn Stunden pro Tag vorsieht, gelten unter vielen Billigflaggen nur die Mindeststandards des internationalen Seearbeitsübereinkommens. Demnach können Reeder ihre Besatzungsmitglieder bis zu 14 Stunden pro Tag oder 72 Wochenstunden arbeiten lassen.
Hervorh. durch Wolfgang_AW


Fahnenflucht auf hoher See


Zitat
Bahamas, Malta, Italien: Alle 27 deutschen Kreuzfahrtschiffe laufen unter fremder Flagge. Den Preis zahlen die Mitarbeiter.
...

So verlangt Malta für Schiffe mit mehr als 1.000 Nettotonnen – also jedes der Mein Schiff-Flotte – keine Steuern auf Einkommen aus Schifffahrtsverkehr und keine Steuern für einen etwaigen Verkauf der Stahlkolosse. (...) Für die komplette Mein Schiff-Flotte dürften in Malta nach Berechnungen der ZEIT weniger als 50.000 Euro Steuern und Gebühren im Jahr anfallen.
...
2014 machte TUI Cruises 435 Millionen Euro Umsatz, der Gewinn lag bei mehr als 63 Millionen Euro. In Deutschland bezahlte der Konzern für Steuern aus Einkommen und Ertrag nicht einmal 44.000 Euro. Dazu kamen sonstige Steuern in Höhe von 1,3 Millionen Euro.
...
Auch Italien hilft mit beim Steuersparen. Sämtliche Aida -Schiffe von Carnival tragen diese Flagge (...) Dem Bordpersonal wird die Lohnsteuer auf dem Gehaltszettel abgezogen, doch der Reeder muss sie nicht an den Staat abführen, er kann sie behalten. De facto zahle der Arbeitgeber wenig mehr als das Nettogehalt,
...
Elf Stunden täglich im Schichtbetrieb – in der Gastronomie etwa von 9 bis 15 Uhr, dann von 17 bis 20 Uhr und noch mal zwei Stunden am späten Abend – sieben Tage pro Woche, sieben, acht oder neun Monate am Stück, ohne Urlaub, das hinterlasse Spuren.
...
Die Politiker scheinen macht- oder willenlos, etwas zu ändern. Die EU-Kommission startete zwar 2012 eine Untersuchung, ob Maltas Tonnagesteuer eine unzulässige Staatshilfe ist. Aber bis heute gibt es kein Ergebnis.

Na dann - viel entspannte Feude auf den "Luxuslinern"

Mit freundlichen Grüßen

Wolfgang_AW
"Jeder Mensch kann irren, aber Dummköpfe verharren im Irrtum!"
(Cicero)

Offline userD0010

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Re: Traumreise auf der Dreckschleuder
« Antwort #32 am: 06. May 2017, 17:24:19 »
Was schert denn die sog. Schnäppchenjäger", die für mx. 1 TSD € vor Bekannten damit prahlen kann, eine Kreuzfahrt absolviert zu haben?  Der nachfolgende Hustenanfall wird doch auf das manchmal schlechte Wetter während der fulminanten Kreuzfahrt geschoben.

Aber:  Wie viele dieser Dreckschleuder kurven denn auf den Weltmeeren umher, mit bis zu 5 TSD Genießern ?  Und wer tut was dagegen?

Offline Netznutzer

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Re: Traumreise auf der Dreckschleuder
« Antwort #33 am: 07. May 2017, 12:10:59 »
Man kann ja auch teuer buchen,

und landet dann auf demselben Schiff, wie die Jungs mit dem 650€ Ticket. So lange unsere (und die der EU) Politiker die bösen Autofahrer mit modernen Motoren als Untergang der Welt verteufeln, statt z.B. den Ozeandreckschleudern, die mehr schädliche Abgase als der PKW-Verkehr emissionieren, die Einfahrt in europäische Häfen zu verwehren, galubt man denen nichts mehr. Da nützt dann auch kein EEG und KWK, wenn D in 2016 mehr Abgase emissioniert als in 2015. Wer redet von blauen Plaketten für Schiffe, die in Hamburg, Bremen oder Wilhelmshaven anlegen wollen?

Es ist und bleibt eine einzige Heuchelei, ähnlich wie mit den 1$-Textilien aus Dritte-Welt-Manufakturen.

Gruß

NN

Offline userD0010

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Re: Traumreise auf der Dreckschleuder
« Antwort #34 am: 13. May 2017, 11:59:23 »

Es ist und bleibt eine einzige Heuchelei, ähnlich wie mit den 1$-Textilien aus Dritte-Welt-Manufakturen.

Komisch, dass diese 1 $ Textilien -auch- von denen gekauft werden, die sich über diese sog. Dreckschleuder erregen. Vermutlich auch die, die mit der Sea Cloud über die Weltmeere schippern.

Offline Wolfgang_AW

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Leinen los, Steuern umschiffen!
« Antwort #35 am: 09. June 2017, 13:47:47 »
Profite auf Kosten von Peronal und Steuerzahler

Zitat
Kostet ja auch nicht mehr die Welt: TUI Cruises etwa bietet schon für 788 Euro eine Woche Kreuzen im Persischen Golf an. Trotzdem machen die Anbieter grandiose Geschäfte: dank Niedriglöhnern unter Billigflagge und einem Steuerprivileg, das ihnen deutsche Finanzbehörden gewähren.
 Steuersatz von 0,05 Prozent
...
650,8 Millionen Euro Umsatz und sagenhafte 126,5 Millionen Euro Profit vor Steuern aus der Geschäftstätigkeit hat die TUI Cruises GmbH 2015 erwirtschaftet.
...
Laut Jahresabschluss musste TUI Cruises an den deutschen Fiskus auf 126,5 Millionen Euro Profit lediglich 63.787,75 Euro Steuern vom Einkommen und vom Ertrag abführen. Das entspricht einem Satz von 0,05 Prozent; auch 2014 waren es nur 0,06 Prozent. (Dazu kommen sonstige Steuern über 1,77 Millionen Euro wie beispielsweise Kfz- oder Energiesteuern, die aber nichts mit dem Gewinn zu tun haben.)

[Ironie] Bloss gut, dass sich Herr Schulz für den Wahlkampf Gerechtigkeit auf die Fahnen geschrieben hat - ob er damit auch Steuergerechtigkeit meinte??
Natürlich frage ich mich auch, ob die Steuern für die Kreuzfahrer deshalb so gering sind, damit die sogenannten kleinen Abgehängten sich auch mal ne Reise gönnen können?[/Ironie]


Petition - Steuerdumping für Kreuzfahrtschiffe stoppen

Zitat
Deshalb forden wir vom Deutschen Bundestag:
- Schluß mit dem Modell "Steueroase Kreuzfahrtschiff" in Deutschland
- faire Bezahlung an Bord als Voraussetzung, deutsche Häfen ansteuern zu dürfen
- verpflichtende Nutzung ökologischen Landstroms in hiesigen Häfen
...
Die Politik in Deutschland und Europa muß nun endlich der Profitgier der Kreuzfahrtriesen auf Kosten der Umwelt, der Beschäftigten und des Steuerzahlers
ein Ende setzen !

Mit freundlichen Grüßen

Wolfgang_AW
"Jeder Mensch kann irren, aber Dummköpfe verharren im Irrtum!"
(Cicero)

 

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