Autor Thema: NEIN zum Ausstieg aus dem Ausstieg -BdEV unterzeichnet Campact-Erklärung  (Gelesen 59671 mal)

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Offline AKW NEE

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Bund der Energieverbraucher e.V. unterzeichnet Campact-Erklärung
( 23. Juli 2008 ) Eigentlich soll der Atomausstieg endlich greifen: Vier Reaktoren stehen vor der Abschaltung. Doch die Atomlobby will längere Laufzeiten für ihre AKWs erwirken - und den Atomausstieg auf den Sankt Nimmerleinstag verschieben. Jetzt müssen wir Bürger/innen die Abschaltung durchsetzen.

Die Bürgergruppe Campact hat dazu eine Aktion gestartet, die vom Bund der Energieverbraucher e.V. getragen wird. Sie besteht aus folgendem Aufruf:

Sagen Sie Nein zum Ausstieg aus dem Ausstieg! Unterzeichnen Sie unsere Erklärung! Die Erklärung und die Unterschriften veröffentlichen wir als Anzeigen in großen Tageszeitungen und bei medienwirksamen Aktionen.Die Erklärung: Atomkraftwerke abschalten - Nein zum Ausstieg aus dem Ausstieg!

Endlich soll der Atomausstieg greifen: Vier Reaktoren stehen vor der Abschaltung. Doch jetzt versucht die Atomlobby, den Ausstieg auf den Sankt Nimmerleinstag zu verschieben. Für längere Laufzeiten verspricht sie mehr Klimaschutz und niedrige Strompreise. Den Lügen der Energiekonzerne gehen wir nicht auf den Leim. Wir Bürgerinnen und Bürger sagen Nein zum Ausstieg aus dem Ausstieg! Atomkraftwerke müssen abgeschaltet werden, denn:

Das Risiko von Unfällen steigt kontinuierlich. Die deutschen Reaktoren werden immer maroder. Die Gefahr eines SuperGAUs nimmt mit jedem Betriebsjahr zu. Vor Terrorangriffen sind Atomreaktoren nicht effektiv zu schützen.

Atomkraft macht Strom nicht billig, sondern Konzerne reich. Strom aus abgeschriebenen Reaktoren ist billig – und wird teuer verkauft. Mit jedem Jahr Laufzeitverlängerung spülen die Kraftwerke den Unternehmen rund 10 Milliarden Euro Gewinn in die Kasse.

Der Atommüll strahlt unbegrenzt. 450 Tonnen radioaktiver Müll entstehen jährlich in deutschen Atomreaktoren – ohne dass es eine sichere Entsorgung über Millionen Jahre gibt.

Atomkraft schützt nicht das Klima. Würden keine Atomreaktoren ausgeschaltet, gäbe es zu viel Strom auf dem Markt. Die Konzerne würden dann noch stärker die Einspeisung von Strom aus Erneuerbaren Energien und Kraft-Wärme-Kopplung behindern. Die Energiewende wäre gestoppt, noch ehe sie richtig begonnen hat.

Strom ist genug da. Das Umweltbundesamt hat es vorgerechnet: Wir können aus der Atomkraft aussteigen und auf neue Kohlekraftwerke verzichten, ohne dass der Strom knapp wird.

Atomkraft muss ein Auslaufmodell bleiben. Sonne, Wind und Wasser plus Energieeffizienz gehören die Zukunft!

Offline DieAdmin

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Ergänzend zu AKW NEE\'s Posting.
(im Übrigen hier zu finden: http://www.energienetz.de/index.php?itid=1209&content_news_detail=7309&back_cont_id=4043 )

...Auch unterzeichnen hier.

Offline Cremer

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@AKW NEE,

\"Sag nein zum Ausstieg aus dem Ausstieg\"

Nun, das gefällt Ihnen :D :D :D


Die fünf Punkte in dem Aufruf sind reiner Populismus

Von diesem:
Zitat
Sonne, Wind und Wasser plus Energieeffizienz gehören die Zukunft

werden wir nicht leben können! Diese Energieträger können den Primärenergiebedarf in Deutschland nicht annähernd decken, auch nicht in 30 Jahren.
MFG
Gerd Cremer
BIFEP e.V.

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Offline RR-E-ft

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@Cremer

Sie stellen eine m. E. sehr gewagte These zum Primärenergiebedarf in 30 Jahren und zu dessen Abdeckung auf.

Bisher betrifft die Kernenergienutzung nur die Stromerzeugung. Für Heizzwecke und als Antrieb im Verkehrsbereich spielt Kernenergie keine oder keine signifikante Rolle. (Kaum jemand nutzt z. B. privat ein Atom- U- Boot für den Weg zur Arbeit. Möglicherweise nicht nur wegen des Wegfalls der Pendlerpauschale.)

Es handelt sich mithin wohl um eine Frage des Primärenergiebedarfs allein im Stromerzeugungssektor. Dieser Primärenergiebedarf hängt neben dem Bedarf nach elektrischer Energie vornehmlich von den Wirkungsraden der Stromerzeugungsanlagen ab.

Als Primärenergie kommen fossile Brennstoffe und Kernbrennstoff, deren Vorkommen endlich sind, in Betracht, aber auch sog. erneuerbare Energien wie Wind, Wasser, Sonne und Biomasse, die sich nicht \"verbrauchen\".

Die derzeit in Betrieb befindlichen Stromerzeugungsanlagen, insbesondere Großkraftwerke haben einen Wirkungsgrad oft deutlich unter 50 Prozent. Der Wirkungsgrad der Kernkraftwerke, um deren Laufzeitverlängerung sich die aktuelle Debatte dreht, beträgt gerade einmal 35 Prozent.

Das bedeutet, dass weniger als 50 Prozent der eingesetzten Primärenergie überhaupt in Sekundärenergie umgesetzt wird um als solche nutzbringend eingesetzt zu werden. Der Rest der Primärenergie geht als Abwärme über Kühltürme und mit dem Kühlwasser \"den Bach runter\". Ziel wäre es, den ungenutzten Wärmeenergieanteil zunehmend zu nutzen. Denn davon hängt der Primärenergiebedarf maßgeblich ab.

Von der verbleibenden Energieausbeute geht noch ein signifikanter Anteil durch den Stromtransport über weite Strecken zwischen den Stromerzeugern und den Stromverbrauchern verloren.

Wenn man die Erzeugungsstruktur im Sinne einer dezentralen Stromerzeugung mit verbrauchsnahen, zudem wärmegekoppelten Blockheizkraftswerken verändern würde, die einen weit höheren Wirkungsgrad aufweisen und zudem durch Wärmedämmung und Energieffizienzmaßnahmen den Verbrauch senkt, stellt sich doch die Frage nach dem tatsächlichen Primärenergiebedarf völlig neu.

Intelligente Netztechnik könnte es zudem ermöglichen, die vielen kleinen dezentralen Erzeugungsanlagen zu virtuellen Kraftwerken zu verbinden und auch die an das Netz angeschlossenen intelligenten Verbrauchsgeräte ließen sich zunehmend so steuern, dass Erzeugung und Verbrauch  in ein Gleichgewicht gebracht werden könnten. Kühltruhen würden zB. intelligent gesteuert den Strom in lastschwachen Zeiten aus dem Netz beziehen.

Weshalb der dadurch  deutlich veringerte Primärenergiebedarf nicht ohne Kernenergie abgedeckt werden könnte, ist nicht ersichtlich.

Die angestellte Prognose für die nächsten 30 Jahre mag möglicherweise Bestand haben, wenn sich an der aktuellen Erzeugungs- und Verteilungs- wie auch der Netzstruktur nichts ändert.  Diesen Zustand in die nächsten 30 Jahre fortzuschreiben erscheint indes nicht gerade intelligent und innovativ.

Längst gibt es Überlegungen, wie man die bei der Stromerzeugung und industriellen Prozessen entstehende Wärme (ggf. nach Zwischenspeicherung) nutzen kann. Vor noch nicht einmal hundert Jahren brachte noch der Eismann das Eis für den Eiskeller/ den Eisschrank. Kälteenergie wurde so verteilt. Möglicherweise ließe sich auch Wärmeenergie ähnlich vertreiben....

Es gibt auch bereits sehr fundierte Überlegungen dazu, welches Ausmaß Sonnenkraftwerke in der Sahara haben müssten, um den europäischen Strombedarf zu decken, und welche Kosten entsprechende Erzeugungs- und Netzstrukturen erfordern würden...

Unverdrossen nur so weiterzumachen wie bisher, wird nichts bringen.

Der kaum steigerbare Populismus- Vorwurf könnte deshalb auch einem leider etwas eingeschränkten Vorstellungsvermögen geschuldet sein. ;)

Offline nomos

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Eine Prognose, wie die Energiequellen, die Nutzung und der Energiebedarf  in 30 Jahren aussehen werden, sind sicher gewagt und nur unter Annahme diverser Szenarien überhaupt einigermaßen seriös möglich. Manche sehen da ja nur noch Elektroautos fahren. Strom würde dann, aus welchen Quellen auch immer, auf jeden Fall noch gebraucht.

Die Feststellung, dass heute schon genug Strom da ist, um ohne Sorgen aus der Atomkraft aussteigen und auf neue Kohlekraftwerke verzichten zu können, halte ich auch nicht gerade für zweifelsfrei und risikolos. Global gesehen schon gar nicht.

Ersatz wird  für alle auslaufenden Alt-Kraftwerke gebraucht werden, wenn wir die Abhängigkeiten im Energiebereich nicht noch ausweiten wollen. Wind & Co. sind heute noch kein zuverlässiger und ausreichender Ersatz.

Offline AKW NEE

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@Cremer
Auch wenn Sie alles was Ihrer Meinung nicht entspricht als reinen Populismus abwerten, müssen die Fragen der zukünftigen Energieversorgung gelöst werden. Sie versuchen die Fragen mit den Antworten von gestern zu beantworten. Nur diese Antworten haben die Situation erzeugt, mit der wir heute leben müssen.

Offline RR-E-ft

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@nomos

Klar wird weiter Strom gebraucht, womöglich auch verstärkt im Verkehrsbereich, während dessen der Verbrauch privater Haushalte, bei denen ein Großteil auf die Lichterzeugung entfällt, sich signifikant verringern könnte (möglicherweise bald Durchbruch bei OLEDs).

Fraglich jedoch, ob man bei Kernbrennstoff weniger abhängig ist, als bei anderen Brennstoffen. Schließlich fördert die deutsche Wismut nichts mehr. Was man auch immer verbrennen wollte: Irgendwann einmal ist alles abgebrannt. Dann muss man ohne Brennstoffe auskommen. Die Preise für endliche Brennstoffe werden deshalb steigen, möglicherweise dramatisch. Dann ist jedenfalls besser dran, wer eher als andere möglichst ohne Brennstoffe auskommt. So lange man noch auf Brennstoffe angewiesen ist, kommt es darauf an, diese mit höchstmöglichen Nutzungsgraden zu nutzen und nicht den Großteil der eingesetzten Primärenergie ungenutzt zu lassen.

Wenn die Prognosen richtig sind, wonach man bei Verlängerung der Laufzeiten Ersatzinvestitionen in Höhe von 56 Mrd. € erspart, dann müsste jedenfalls sichergestellt werden, dass diese - längst eingepreisten - Beträge in eine zukunftsorientierte Energieversorgung fließen und nicht dazu dienen, weiter weltweit mit Finanzinvestitionen auf Einkaufstour zu gehen. Es wäre doch eine Zumutung, wenn die alten Meiler weiterlaufen, von denen man immer noch nicht weiß, wo man den anfallenden Atommüll sicher endlagert, die Strompreise jedoch weiter von den steigenden  Stromerzeugungskosten in Gaskraftwerken bestimmt werden und niemand außer den Betreibern somit etwas davon hat. Für das Ende der Kernenergie rechnet die Branche mit Kosten von 27 Mrd. €. Die Rückstellungen dafür befinden sich bis heute noch nicht in einem öffentlich kontrollierten Fonds, so dass ungewiss erscheinen muss, ob die benötigten finanziellen Mittel - schon immer in die Strompreise eingepreist - am Ende überhaupt bereit  stehen.

Im bundesweiten Vergleich ist Strom in Baden- Württemberg besonders teuer. Interessant deshalb der Strommix des Landes:

Zitat
In Baden-Würrtemberg wurden im ersten Quartal 2008 16,9 Milliarden Kilowattstunden und damit 4,8 Prozent weniger Strom als im Vorjahresquartal erzeugt. Energiequelle Nummer eins war dabei Atomenergie, etwa 56 Prozent des Stroms wurden aus Kernkraftwerken, weitere 28 Prozent aus Steinkohle und 5 Prozent aus Erdgas gewonnen.

Die Stromerezeugung sank dabei stärker als die Stromnachfrage.

Quelle: Strom-Magazin.de

Aus Kernkraft erzeugter Strom ist deshalb für Verbraucher überhaupt nicht besonders vorteilhaft.

Offline Sukram

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weil\'s hier anscheinend nicht registriert wurde:

Zitat
Original von nomos

Die Feststellung, dass heute schon genug Strom da ist, um ohne Sorgen aus der Atomkraft aussteigen und auf neue Kohlekraftwerke verzichten zu können, halte ich auch nicht gerade für zweifelsfrei und risikolos. Global gesehen schon gar nicht.


Du bist nicht allein-


Zitat
Ex-Staatssekretärin tritt bei den Grünen aus

Die frühere Umweltstaatssekretärin Margareta Wolf zieht Konsequenzen aus persönlichen Angriffen gegen sie in der Atomdebatte: Die frühere Grünen-Abgeordnete, die für die Kernenergie-Lobby arbeitet, will aus der Partei austreten.

...

Sie habe ihre Auffassungen nicht geändert, wird Wolf zitiert. Sie \"sage nur, man kann nicht aus opportunistischen Gründen die Kohle ablehnen, weil sie klimaschädlich ist, und gleichzeitig die Kernkraft abschalten wollen\". Die Behauptung, man könne nur aus erneuerbaren Energien die Energieversorgung einer Industrienation wie Deutschland sicherstellen, grenze an Volksverdummung.
...
Wolf war von 2002 bis 2005 Parlamentarische Staatssekretärin im von Trittin geleiteten Bundesumweltministerium...

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,565807,00.html


Heute haben die GrünInnen wiedermal irgendwo gegen neue Kohleblöcke gemosert.

Kenn\' ich übrigens zur Genüge, das mit den \"persönlichen Angriffen\".
Ich fordere eine PV - Ertragssteuer!
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Offline RR-E-ft

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@Sukram

Global gesehen ist es völlig belanglos, ob Deutschland aus der Nutzung der Kernenergie aussteigt oder nicht. An der weltweiten Stromnachfrage hat die Erzeugung in den deutschen Kernkraftwerken einen vollkommen vernachlässigbaren Anteil. Weltweit ist der Anteil der Kernenergie an der Stromerzeugung ebenfalls gering.

Unterm Strich verändert sich etwas gegenüber dem jetzigen Zustand zum positiven, wenn alte Kohleblöcke durch neue ersetzt werden, die mit höheren Wirkungsgraden arbeiten und weniger Emissionen zu verzeichnen haben.  Anders wäre dies zu beurteilen, wenn die alten Kohleblöcke zugleich weiter am Netz bleiben. Dies ändert nichts daran, dass eine dezentrale Stromerzeugung gegenüber den Großkraftwerken, den es an der Kraft- Wärme- Kopplung fehlt, vorzugswürdig erscheint.

Wird der Kohlelanteil ausgeweitet und steigen dabei insgesamt die Emmissionen, könnten sich die dem Umfang nach beschränkten Verschmutzungsrechte derart verteuern, dass der Betrieb solcher Kohlekraftwerke unwirtschaftlich wird. Schließlich sind auch die Preise der Anlagenbauer in die Höhe geschossen. Schwerwiegender als die Demonstrationen grün bewegter Mitbürger dürfte deshalb die geringere Bereitschaft der Banken wirken, solche Projekte noch zu finanzieren. Noch riksanter dürfte die Finanzierung neuer Kohlekraftwerke für die Grundlast werden, wenn der beschlossene Atomausstieg nicht kommt. Schließlich müssen dann die neuen Kohlekraftwerke auf dem Markt gegen längst abgeschriebene Atommeiler antreten, deren Stromerzeugungskosten \"am goldenen Ende\" weit niedriger liegen....

Deshalb scheint die gesamte Debatte etwas verquer zu sein.

Wenn jetzt mehrere Projekte neuer Kohlekraftwerke wirtschaftlich auf der Kippe stehen, hat dies womöglich weniger mit den Bürger- Protesten als mit der Ungewissheit des Atomausstiegs zu tun. Man kann es indes prima auf die Bürgerproteste schieben. Und die Protestler meinen womöglich gar, es sei ihr Verdienst, wenn ein neues Kohlekraftwerk vor Ort nicht gebaut wird.

Mit Mühlheim- Kärlich steht bereits eine milliardenteure Investruine in der Landschaft. Neue Kohlekraftwerke könnten deren Schicksal teilen. Da braucht dann keiner mehr ein Brikettchen nachlegen.

Offline nomos

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Zitat
Original von RR-E-ft
Unterm Strich verändert sich etwas gegenüber dem jetzigen Zustand zum positiven, wenn alte Kohleblöcke durch neue ersetzt werden, die mit höheren Wirkungsgraden arbeiten und weniger Emissionen zu verzeichnen haben.  Anders wäre dies zu beurteilen, wenn die alten Kohleblöcke zugleich weiter am Netz bleiben. Dies ändert nichts daran, dass eine dezentrale Stromerzeugung gegenüber den Großkraftwerken, den es an der Kraft- Wärme- Kopplung fehlt, vorzugswürdig erscheint.

 . . . . .   . . . .
Von der verbleibenden Energieausbeute geht noch ein signifikanter Anteil durch den Stromtransport über weite Strecken zwischen den Stromerzeugern und den Stromverbrauchern verloren.

Wenn man die Erzeugungsstruktur im Sinne einer dezentralen Stromerzeugung mit verbrauchsnahen, zudem wärmegekoppelten Blockheizkraftswerken verändern würde, die einen weit höheren Wirkungsgrad aufweisen und zudem durch Wärmedämmung und Energieffizienzmaßnahmen den Verbrauch senkt, stellt sich doch die Frage nach dem tatsächlichen Primärenergiebedarf völlig neu.

Intelligente Netztechnik könnte es zudem ermöglichen, die vielen kleinen dezentralen Erzeugungsanlagen zu virtuellen Kraftwerken zu verbinden und auch die an das Netz angeschlossenen intelligenten Verbrauchsgeräte ließen sich zunehmend so steuern, dass Erzeugung und Verbrauch in ein Gleichgewicht gebracht werden könnten. Kühltruhen würden zB. intelligent gesteuert den Strom in lastschwachen Zeiten aus dem Netz beziehen.

Weshalb der dadurch deutlich veringerte Primärenergiebedarf nicht ohne Kernenergie abgedeckt werden könnte, ist nicht ersichtlich.
    RR-E-ft, der Strom aus 4900 angedachten Hochseewindrädern hätte den weitesten Weg zum Verbraucher und die Abhängigkeit von den Energiekonzernen würde eher zementiert als geschmälert.

    Ich sehe hier keine dezentrale Lösung und auch keine Kraft-Wärme-Koppelung. Allerdings eine Erhöhung der Zwangsumlage für die Stromverbraucher. Unterm Strich sehe ich da keine positive Veränderung.

    Kohlekraftwerke, z.B. Brunsbüttel, sind dort wohl wegen der günstigen Versorgungslage mit Steinkohle geplant worden, die Wärme aus KWK wird dort nicht gebraucht. Alle Vorteile an einem Platz wird es kaum geben. Bester Standort für die Brennstoffanlieferung und für den Wirkungsgrad und möglichst noch nahe am Verbraucher um Netzverluste zu vermeiden.  Wer findet ihn?

    Intelligente Netztechnik und intelligente Verbrauchsgeräte sind selbstverständlich so schnell wie möglich zu realisieren. Ich halte das für eine der Grundvoraussetzungen für den Ausstieg aus der Kernkraft! Das Einsparpotential wird dringend bei der Gesamtrechnung benötigt, wenn man all die Kraftwerke wie vorgesehen abschalten will. Die Diskussion sehe ich wohl, aber viel mehr auch nicht. Sorry, aber daher scheint mir die Debatte auch noch etwas verquer zu sein.
PS:
Zitat
Original von RR-E-ft
@nomos
Im bundesweiten Vergleich ist Strom in Baden- Württemberg besonders teuer. Interessant deshalb der Strommix des Landes:

Zitat
In Baden-Würrtemberg wurden im ersten Quartal 2008 16,9 Milliarden Kilowattstunden und damit 4,8 Prozent weniger Strom als im Vorjahresquartal erzeugt. Energiequelle Nummer eins war dabei Atomenergie, etwa 56 Prozent des Stroms wurden aus Kernkraftwerken, weitere 28 Prozent aus Steinkohle und 5 Prozent aus Erdgas gewonnen.
Die Stromerezeugung sank dabei stärker als die Stromnachfrage.
Quelle: Strom-Magazin.de

Aus Kernkraft erzeugter Strom ist deshalb für Verbraucher überhaupt nicht besonders vorteilhaft.
    RR-E-ft,  ich sehe da keinen zulässigen Schluss, sonst müsste in den Bundesländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen der Stromanteil aus der Kernkraft jeweils noch höher sein. Die Preise liegen dort laut verivox über denen von B-W.

    Hier die Originalquelle:
Elektrizitäts-, Gas- und Wärmeversorgung in Baden-Württemberg im 1. Vierteljahr 2008[/list]

Offline RR-E-ft

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@nomos

Hier ging es bisher um die Frage, ob der Ausstieg aus der Atomenergie- Nutzung wohl möglich sei. Herr Cremer hatte Thesen zum Primärenergiebedarf beigesteuert. Und Sukram wollte wohl noch ein Brikettchen drauflegen. ...

Strom lässt sich durchaus aus sog. erneuerbaren Energien gewinnen, unter anderem mit Windkraftanlagen. Vor der Küste geht das wegen der dort eher vorherrschenden Winde wohl am besten. Erst dann machen Windräder entsprechender Dimensionen Sinn. Wenn dabei durch lange Transportwege Energie verloren geht, so ist doch damit kein endlicher Primärenergieträger verbraucht. Den Wind hätte man wohl verbrauchsnah sowieso nicht \"ernten\" können. Fehlt nun nur noch, dass jemand mit der Bemerkung antritt, dass die Gewinnung von Windstrom dazu führt, dass der Wind insgesamt abnimmt. Da es sich dabei um keine Wärmekraftwerke handelt, gibt es auch keine Kraft- Wärme- Kopplung. Deshalb muss es nicht verwundern, dass Sie eine solche dabei nicht sehen können.

Das Problem ist nicht der Transport, der durch den erforderlichen Netzausbau natürlich Kosten verursacht, sondern eher die Speicherung der Energie, um diese dann nutzen zu können, wenn sie benötigt wird. Solche Windparks erreichten kann grundsätzlich jeder, der über know how und Finanzkraft verfügt. Die Sache wird nicht dadurch schlechter, dass Energiekonzerne die Investitionen stemmen, wenn sich sonst keiner dazu findet. Aus wirtschaftlichen Gründen bedarf es bisher einer Förderung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien, ohne die entsprechende Investitionen nicht erfolgen würden. Ob man diese Förderung den Energiekonzernen vorenthalten sollte und kann, ist fraglich. Das EEG unterscheidet die Einspeiser nicht danach, aus welchem Stall sie kommen.

Diese Förderung macht auf der Stromrechnung des einzelnen Verbrauchers peanuts aus, sorgt indes dafür, dass die Energieversorgung tatsächlich unabhängiger von endlichen fossilen und atomaren Brennstoffen wird, die sich zukünftig dramatisch verteuern werden. Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis die Stromerezeugung aus erneuerbaren Energien billiger zu bewerkstelligen sein wird als mit fossilen Brennstoffen. Wenn man jetzt nicht in diesen Bereich investiert, kann es zu spät sein, wenn fossile Energieträger erst einmal unbezahlbar werden. Dann ist es zu spät.

Dass Sie diese EEG- Förderung insgesamt stört, stört mich nicht.

Wenn wir mit Windstrom betriebene Bahnen und Automobile dazu benützen können, um auf Arbeit zu gelangen, wäre das nur postiv. Durch die Windparks auf der See wird wohl niemand  daran gehindert, ggf. an Land seinen eigenen Bürger- Windpark zu errichten oder anderweitig zu versuchen, sich  autark einzurichten bzw. Strom dezentral zu erzeugen und ebenfalls ins Netz einzuspeisen.

Ihre Schlüsse kann ich oft nicht nachvollziehen. Ende 2005 war der Strom in B-W am teuersten. Die einzigen Stadtwerke, die außerhalb des Landes mit dem hohen Preisniveau mithalten konnten, waren laut Verivox- Untersuchung im Auftrag der MDR- Umschau die Jenaer.... Ein sehr hoher Anteil an Atomstrom führt nicht zu günstigeren Strompreisen. Das wird u.a. die EnBW ganz gewiss alsbald wieder verdeutlichen.

Offline Sukram

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Isch \'abe aber in Deutschsüdwest Energiedienst-Rheinwasserkraft-Ökostrom -der ist auch nicht billig ;-)

Für die überregionale/europaweite (denn soviel Küste hamwer nicht) Nutzung alternaiven Stromes bedarf es nicht nur eines Ausbaues bestehenden Netzes, sondern separater Gleichtromnetze.

Dankeschön: Ich hab\' hier im Oberrheingraben gereits 3 Hochspannungstrassen in Sichtweite.

Und was Solarstrom aus Afrika betrifft (ansonsten technisch durchaus attraktiv)- Siehe Lieferstopp Libyens (warum übrigens brauchen DIE pöhse Atomkraft?)
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Offline RR-E-ft

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@Sukram

Nur mit Windstrom geht es freilich nicht. Wenn man große Strommengen über weite Strecken transportieren will, braucht es Gleichstromleitungen. Die müssen nicht unbedingt in Sichtweite sein, sondern könnten auch unterirdisch verlegt werden. Das kostet dann natürlich wieder mehr. Ohne Netze müsste man den Strom dezentral erzeugen, autark.

Dass man auf dem afrikanischen Kontinent den Energiebedarf am besten mit Kernenergie deckt, behauptet wohl niemand ernsthaft.

Offline nomos

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Zitat
Original von RR-E-ft
@nomos

Hier ging es bisher um die Frage, ob der Ausstieg aus der Atomenergie- Nutzung wohl möglich sei.
.......

Fehlt nun nur noch, dass jemand mit der Bemerkung antritt, dass die Gewinnung von Windstrom dazu führt, dass der Wind insgesamt abnimmt.
......
Das wird u.a. die EnBW ganz gewiss alsbald wieder verdeutlichen
    RR-E-ft, eine solche Bemerkung habe ich jetzt noch nicht einmal im Ansatz gelesen. Der Verweis darauf ist auch kein Treffer, was die ursprüngliche Frage betrifft. Die gegenteilige Behauptung, dass der Wind zunehmen würde, dürfte auch keiner der Diskutanten aufstellen.

    Was die EnBW betrifft, die haben doch eben drei Milliarden EURO für die Windräder locker gemacht. Also gehe ich bei Ihrer Argumentation von künftig günstigeren Strompreisen aus. Wenn die AKWs dann abgeschaltet werden, wird es dann so richtig billigen Strom in Baden-Württemberg geben. ;)

Offline RR-E-ft

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@nomos

Diskutant mag passen.

Ich meine, dass Strom durch die Verlängerung der Laufzeiten überhaupt nicht billiger wird. Dass er durch die Nutzung von erneuerbaren Energien günstiger würde, habe ich nicht behauptet. Sicher ist aber abzusehen, dass Strom aus erneuerbaren Energien infolge der Verknappung fossiler Brennstoffe eines Tages in der Erzeugung günstiger sein wird als in Wärmekraftwerken erzeugter Strom. Die Chance darauf hat man aber nur, wenn man rechtzeitig mit der Umstellung der Erzeugungsstruktur beginnt und diese entschieden vorantreibt, undzwar in Zeiten, in denen man dafür noch finanzielle Mittel aufbringen kann. Wenn Energie sich erst einmal unbezahlbar verteuert, wird man die notwendigen Mittel dafür erst recht nicht mehr aufbringen können. Dann wäre es einfach zu spät.

Wenn sich der Strompreis auch in BW bisher nach den Stromerzeugungskosten im teuersten Kraftwerk richtet, das zur Bedarfdeckung gerade benötigt wird, und es sich dabei regelmäßig um ein Kohle- oder Gaskraftwerk handelt, dann sind eben die Stromerzeugungskosten in einem abgeschriebenen Atomkraftwerk überhaupt nicht preisbestimmend.

Die Stromerzeugungskosten in einem Kernkraftwerk betragen ca. 2 Ct/ kWh.

Wie dicht liegen die Strompreise in BW denn an diesen Stromerzeugungskosten?

Die Stromerzeugungskosten in Kohle- und Gaskraftwerken sollen sich aufgrund eines Preisanstiegs bei den Brennstoffen und aufgrund der Einpreisung der Kosten für Verschmutzungsrechte erhöht haben, auch wenn die Verschmutzungsrechte unentgeltlich abgegeben wurden. Deshalb - und wegen Oligopolaufschlägen -  sind seit 2004 die Strompreise allerorten drastisch gestiegen, vollkommen unabhängig davon, ob über 50 Prozent des Stroms im Land aus abgeschriebenen Kernkraftwerken stammen oder aus anderen Kraftwerken. Ist der zwischenzeitliche Strompreisanstieg in BW etwa nominal signifikant geringer ausgefallen als in anderen Bundesländern oder sind die Strompreise gar stabil geblieben? Die Strompreise steigen mit den Gaspreisen für Kraftwerke, auch wenn nur 5 Prozent des Stroms überhaupt aus Gaskraftwerken stammen....

Gern erfahren wir, wieviel vom nominalen Anstieg der Strompreise seit 2004 konkret auf Steuern und Abgaben, insbesondere EEG und KWK- Umlagen entfallen sind. Der Staat macht ja den Strom so teuer, sagt der BDEW. Und ein Diskutant schimpft auch ständig über die Gier des Staates.

 

Der Verein für gerechte Energiepreise